Marketing
Starfotografen, Roadshows, Zeitungsinserate: So lockt die Schweiz Gäste ins Land

Schweiz Tourismus gibt jährlich 100 Millionen Franken fürs Marketing aus. Dabei stehen 35 Länder im Fokus. Der Rest der Welt wird kaum bearbeitet. Doch fliesst das Geld in die richtigen Länder?

Thomas Schlittler
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Bernina-Gruppe in den Ostalpen: Spektakuläre Luftaufnahmen sollen den Franzosen die Schweiz schmackhaft machen.

Bernina-Gruppe in den Ostalpen: Spektakuläre Luftaufnahmen sollen den Franzosen die Schweiz schmackhaft machen.

Yann Arthus-Bertrand/Agence Alti

Yann Arthus-Bertrand ist einer der renommiertesten Fotografen der Welt. Bekannt wurde der 68-jährige Franzose durch seine spektakulären Luftbildaufnahmen.

Sein Buch «Die Erde von oben» verkaufte sich weltweit drei Millionen Mal, seinen Dokumentarfilm «Home» haben im Netz mehrere Millionen Menschen angeklickt.

Im Auftrag von Schweiz Tourismus (ST) hat Arthus-Bertrand jetzt erstmals die Schweiz ins rechte Licht gerückt, wie die Organisation gestern in Zürich bekannt gab. Die dreissig besten Luftbilder werden im Juni in Paris ausgestellt. Zudem ist ein 20-minütiger Film entstanden, der auf Langstreckenflügen der Swiss gezeigt werden soll.

Für ST ist das Engagement von Arthus-Betrand ein Coup – der Star soll die Franzosen mit seinen atemberaubenden Landschaftsaufnahmen in die Schweiz locken.

Die Aktion ist ein Beispiel dafür, wie ST in wichtigen Ländern massgeschneidert Werbung schaltet: In Indien erschien im Februar eine Sonderausgabe des Lonely-Planet-Magazins über die Schweiz. In Deutschland verkehren ein Jahr lang acht Lokomotiven der Deutschen Bahn mit Schweizer Panorama-Motiven. In Grossbritannien wirbt ST im «Guardian». Und in Italien ist im Vorfeld der Expo 2015 eine Roadshow nach Mailand, Rom und Turin geplant.

Was ST länderübergreifend mit gutem Erfolg schafft: Filmteams ins Land zu bringen. Sie drehen dann vor den Schweizer Alpen – das soll Sehnsüchte wecken.

Europäer zurückgewinnen ...

Seit Beginn der Frankenstärke im Jahr 2010 hat die Zahl der europäischen Gäste in der Schweiz um 13 Prozent abgenommen. Sie sollen wieder zurückgewonnen werden – und zwar in allererster Priorität. «Das wird ein langer, steiniger Weg», sagt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus.

Die Märkte Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Grossbritannien und USA erhalten 57 Prozent der Fördergelder.

... und neue Gäste anlocken

Gleichzeitig will ST den Ausbau der Wachstumsmärkte Brasilien, Russland, Indien, China und den Golfstaaten vorantreiben. Diese Länder haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen – und trotzdem erhalten sie nur 19 Prozent des Budgets.

Der Grund: Trotz des rasanten Wachstums waren die Gäste aus den neuen Märkten 2013 erst für 8,5 Prozent der Logiernächte in der Schweiz verantwortlich. Drei Viertel aller Übernachtungsgäste stammten dagegen aus den alten Märkten. Das mit Abstand wichtigste Land ist nach wie vor die Schweiz. Es folgen Deutschland und Grossbritannien.

35 Länder stehen im Fokus

ST ist vom Bund mit der Realisierung der Landeswerbung beauftragt. Insgesamt stehen der Organisation pro Jahr rund 100 Millionen Franken zu Verfügung. Zwischen 50 und 60 Millionen davon stammen direkt vom Bund, rund 35 Millionen von Marketingkooperationen mit Unternehmen.

ST ist insgesamt in 35 Ländern präsent. Dort ist die Marketingorganisation mit eigenem Personal vertreten. Der Rest der Welt wird kaum bearbeitet.

ST beschäftigt 260 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in der Schweiz. Sie erarbeiten Marketingkampagnen für alle Kanäle: für Kataloge, Online-Portale und auch Apps fürs Handy. Die Auslandmitarbeiter setzen sich dafür ein, dass es die Schweiz in die Reisekataloge der ortsansässigen Anbieter schafft, sie pflegen Kontakte zu Journalisten und Marketingverantwortlichen.

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