Bundesrat
Stammt der grimmige grüne Kopf von Moritz Leuenberger?

Der Bundesrat malt ein Bild: Ueli Maurer wählt Gelb und zeigt damit sein sonniges Gemüt während Micheline Calmy-Rey das Gelb eher dominierend einsetzt. Das hält die Therapeutin vom Kunstwerk...

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Der Bundesrat reist ab morgen kreuz und quer durch den Aargau
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Der Bundesrat reist ab morgen kreuz und quer durch den Aargau

Die gestriege Malstunde des Bundesrates im Kunsthaus Aarau sei keine Maltherapie gewsen, sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard. Man habe im Team gemalt. Sollen wir ihr das glauben, auch wenn kein Therapeut anwesend war?

Zuerst malen die Bundesräte ihre Signaturen. «Das brachte die Sache in Gang», berichtet Künstler Max Matter. Dann legten sie los.

Merz hatte «den Plausch»

Man habe als Team gemalt. «Das Ziel war, uns in der Mitte zu treffen.» Ueli Maurer lobt das kreative Potenzial des Bundesrats, das sich in kürzester Zeit im Bild manifestierte. Hans-Rudolf Merz, der «den Plausch» am Malen hatte, findet das Bild «originell». Ohne Auftrag, Struktur und Bewertung seien verschiedene Ideen zusammengeflossen.

Leuthards künstlerische Ader

Hat die Landesregierung tatsächlich als Team gemalt? Der Aarauer Kunsttherapeutin Ruth Diehl-Baur fällt auf, wie jeder für sich malt. «Niemand trampt dem anderen ins Gärtchen.» Sie zieht Parallelen zu den Dossiers der Bundesräte, die stark nach Departementen strukturiert sind. In der positiven Lesart lässt jeder dem anderen seinen Bereich. Doch Diehl-Baur vermisst, dass niemand mit dem Pinsel den Dialog mit den anderen gesucht hat.

Leuthard gesteht sie einen charmanten Umgang mit Farben zu. Das ist allerdings in der Kunsttherapie nicht relevant. Unabhängig von den individuellen Malfähigkeiten kann Diehl-Baur aus den Bildern schnell und klar erkennen, mit welchen Themen jemand beschäftigt sei. «Bilder sprechen jeden Menschen an. Wir träumen auch in Bildern.»

Leuenberger versteckt sich nicht

Moritz Leuenberger, der Sensibelste von allen, habe am besten gemerkt, was in diesem Werk alles sichtbar werden könnte. Diehl-Baur vermutet, dass er den missmutigen grünen Kopf gemalt hat. Leuenberger habe sich aber nicht versteckt, während seine Kollegen oberflächlich geblieben seien.

Ein Psychogramm der einzelnen Bundesräte lässt sich aus der Mal-Aktion natürlich nicht ableiten, höchstens einzelne Aspekte im Gruppengefüge. «Das Bild zeigt schön, wie viel Raum jeder Bundesrat einnimmt», sagt die Kunsttherapeutin. Da dies unbewusst passiert, lässt es sich auch nicht kontrollieren. Diehl-Baur fällt das dominierende Gelb auf, das von Micheline Calmy-Rey stammen könnte.

Clamys aufgesetzte Fröhlichkeit

Bei ihrem Malstil spiele ein Schuss Extrovertiertheit mit. Dagegen nehmen sich der amtsjüngste Didier Burkhalter und Merz zurück. Maurer beansprucht da schon mehr Platz. Sein Gelb deutet laut Diehl-Baur auf ein sonniges Gemüt, während jenes von Calmy-Rey eher aufgesetzt wirke, da es zu schnittig daherkomme.

Die Kunsttherapeutin räumt ein, dass sie jetzt an Grenzen komme mit der Bildanalyse. Mit ihren Klienten redet sie jeweils über die Bilder. Daraus entwickelt sich die Therapie. Braucht es eine solche auch für den Bundesrat? Sie werde hellhörig, wenn Maurer sage, dies sei nicht notwendig. Die Therapeutin fände es durchaus sinnvoll, wenn der Bundesrat öfter zusammen malen würde. (for/rsn)

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