Wohlen

Städter überflügeln Dörflerinnen

Plakate zur Stadterklärung beim Wohler Kirchenplatz (fh)

Plakate in Wohlen

Plakate zur Stadterklärung beim Wohler Kirchenplatz (fh)

Signalwirkung, Selbstbewusstsein und positive Zukunftsentwicklung waren die Schlagworte der drei Städter, ungelöste Probleme und Ablehnung im Volk die Bedenken der beiden Dörflerinnen. Matthias Jauslin, Michel Wagner und Gregor Maranta punkteten beim Publikum stärker als Maja Meier und Anne Schlegel – doch die Abstimmung vom 17. Mai ist völlig offen.

Fabian Hägler

Wenn die Podiumsdiskussion vor rund 60 Interessierten im Chappelehof ein sicheres Indiz für das Verhalten der Wohlerinnen und Wohler an der Urne wäre, würde die Stadterklärung am 17. Mai klar angenommen. Matthias Jauslin (Gemeinderat), Gregor Maranta (Zentrum Wohlen) und Michel Wagner (Hagewo), die drei Stadtbefürworter auf dem Podium, erhielten mehrfach spontan Applaus aus dem Saal, ihr Engagement für die Stadt Wohlen kam beim Publikum offensichtlich gut an.

«Wir Freiämter sind jemand, wir wollen unsere Anliegen bekannter machen, dabei gibt uns die Stadt Wohlen mehr Gewicht», sagte Jauslin. Maranta ergänzte: «Wir haben nichts zu verlieren, wenn wir uns zur Stadt erklären, aber sehr viel zu gewinnen: Ausstrahlung, ein positives Image und Attraktivität.» Wagner machte sich stark dafür, mit der Stadt eine Zukunftsvision zu verfolgen: «Dafür brauchen wir die Bevölkerung, brauchen Leute, die sich in Wohlen dafür einsetzen.»

Referendum positiv bewertet

Dass die Stadtfrage am 17. Mai an der Urne vom Wohler Volk beantwortet wird, war einer der wenigen Punkte, den die Gegnerinnen und die Befürworter der Stadt gleichermassen positiv bewerteten. «Es ist gut, dass der Gemeinderat diesen Schritt nicht allein gemacht hat», sagte Einwohnerrätin Maja Meier. Auf eine Frage des Podiumsleiters Daniel Marti (Chefredaktor «Wohler Anzeiger») hin meinte Meier auch, sie sei froh, «dass durch die grosse Plakatkampagne der Befürworter nun eine Diskussion entstanden sei».

Anne Schlegel (SVP-Mitglied) hingegen meinte, auf den Blachen der Städter seien hauptsächlich Floskeln zu finden. Meier ergänzte, in Anspielung auf ein Statement von Roger Waeber auf seiner Blache: «Ich steige auch für ein Dorf in die Hosen.»

Probleme zuerst lösen?

Einhellig vertraten Schlegel und Meier hingegen die Ansicht, vor der Stadterklärung müsse Wohlen seine Probleme lösen. «Der Steuerfuss ist viel zu hoch, der Zonenplan noch nicht revidiert», nannte Anne Schlegel zwei konkrete Punkte. Und Maja Meier warnte davor, die sehr angespannte Finanzsituation durch die Stadterklärung zu überdecken.

Hier widersprach Matthias Jauslin. «Die Verschuldung in Wohlen ist derzeit absolut im Rahmen. Sie wird steigen, wenn wir in den nächsten Jahren Investitionen tätigen - aber wir müssen die Situation grosszügiger anschauen und investieren, nur so wird Wohlen attraktiver.»

Wirkung nach aussen

Michel Wagner sagte: «Bis alle Wohler Probleme gelöst sind, geht es noch 300 Jahre. Es geht darum, wie wir künftig wirken wollen, wie wir uns nach aussen darstellen.» Wagner ist überzeugt, dass Wohlen weiter wachsen werde. «Geben wir uns also den richtigen Titel, die Stadt ist wie ein neues Logo, ein neuer Auftritt für eine Firma», argumentierte er.

Gregor Maranta kritisierte jene Kreise, «die hier in Wohlen alles ins Negative ziehen. Wir brauchen positive Leute, die motiviert sind und sich für die Stadt einsetzen.»

Matthias Jauslin schliesslich verglich die Stadterklärung mit einem Hausbau. «Es ist wichtig, dass wir heute schon wissen, wie das Haus am Ende aussehen soll. Nur so können wir den Handwerkern die richtigen Vorgaben machen.»

Gibt es negative Folgen?

Maja Meier stemmte sich gegen diese «Flut des Optimismus», wie es Moderator Marti nannte. «Schauen denn all die Dörfer in der Umgebung nicht positiv nach vorne, nur weil sie eben keine Städte sind?», fragte sie.

Zunehmende Anonymität und mehr Sozialfälle sah Meier als mögliche negative Folgen einer Stadterklärung. Anne Schlegel warnte vor Folgekosten und mehr leerstehenden Wohnungen. Matthias Jauslin antwortete: «In diesen Bereichen haben wir heute schon städtische Verhältnisse, das wird sich auch nicht ändern, wenn wir ein Dorf bleiben.»

Publikum klar für die Stadt

Mit Ausnahme eines Vorschlags von Ariane Gregor (siehe Kontext links unten) fielen auch die Kommentare aus dem Publikum stadtfreundlich aus. «Das Kleid eines Dorfes ist für Wohlen heute zu klein. Als ich aus Zürich hierher zog, war ich der Überzeugung, ich würde in eine Stadt ziehen», meinte Walter Minder. Und Romano Cotti sagte: «Wir bleiben unbeweglich hocken, wenn wir ein Dorf sind. Der Schritt hin zur Stadt bringt viel Positives.»

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