Zürich

Stadtkasse Zürich: Es bleibt Spielraum für die Standortpflege

216 Millionen Franken Defizit waren für 2009 budgetiert, herausgekommen ist eine rote Null – die Stadt Zürich profitiert von den vielen Neuzuzügern.

Thomas Marth

2008 sah es noch düster aus. Finanzchef Martin Vollenwyder (FDP) hatte die grösste Überweisung seiner Amtszeit auslösen müssen: 250 Millionen Franken an die ins Straucheln geratene UBS. Er nahm damit spätere verlustbedingte Rückforderungen der Bank vorweg - immerhin muss der Fiskus 2 Prozent Zins auf zuviel einbezahlte Steuern vergüten. Seither ist von der UBS, ebenso wie von der CS, kein Geld mehr in den Stadtzürcher Steuersäckel geflossen. In guten Zeiten hatten sie zusammen 400 Millionen Franken Steuern gezahlt. Vollenwyder gab sich gestern zuversichtlich, dass die UBS ab 2012 wieder etwas an den Fiskus abliefern könnte, die CS bereits früher.

Kaum Zuwachs in der Sozialhilfe

2008 schloss die Rechnung mit einem Minus von 180 Millionen Franken. Entsprechend vorsichtig war für 2009 budgetiert worden - etwas gar vorsichtig, wie sich herausstellt. Statt eines Fehlbetrages von 216 Millionen weist die Schlussabrechnung ein Minus von noch 6 Millionen Franken aus. Vor allem die natürlichen Personen trugen zu dem guten Ergebnis bei. Vollenwyder wies darauf hin, dass Zürich in den letzten Jahren rund 20000 Neuzuzüger begrüssen konnte. Davon könne man jetzt profitieren. Nebenbei bemerkte er: Die Investitionen, die ein solches Bevölkerungswachstum nötig mache, seien getätigt. Wo es neue Schulhäuser brauche, seien diese gebaut. Einzig in Affoltern bestehe Nachholbedarf.

Als weitere Gründe für den guten Rechnungsabschluss nannte Vollenwyder eine hohe Budgetdisziplin bezüglich Personal- und Sachaufwand in allen Departementen sowie einen flachen Verlauf der Fallzahlen in der Sozialhilfe. Der Aufwand für Letztere belief sich 2009 auf 322 Millionen Franken, im Vorjahr waren es 318 Millionen. Der nur geringe Anstieg habe auch mit der Branchenstruktur der Stadtzürcher Wirtschaft zu tun, meinte Vollenwyder. Anders als etwa Winterthur mit Rieter oder Schaffhausen mit Georg Fischer beheimate Zürich kaum Firmen, welche die darbende Autoindustrie beliefern. Das Gesamtvolumen der Zürcher Verwaltungsrechnung belief sich 2009 auf annähernd 8 Milliarden Franken. 2008 lag es bei rund 7,5 Milliarden.

Sich günstig Kapital besorgt

Die ausgeglichene Rechnung sorgt dafür, dass das Eigenkapital praktisch unangetastet bleibt. Dieses beträgt 776 Millionen Franken und ist auch dann noch respektabel, wenn das für 2010 budgetierte Defizit von 217Millionen Franken davon abgezogen wird.

«Die Stadt Zürich hat somit nach wie vor Spielraum, um den Standort zu pflegen», freute sich Vollenwyder, der sich zu Beginn der Krise ein Eigenkapital von mindestens 400 Millionen per Ende 2010 zum Ziel gesetzt hatte. Er wies im Übrigen darauf hin, dass man das momentan sehr tiefe Zinsniveau genützt habe, um sich langfristig günstiges Kapital zu sichern. Zürich sei sehr liquide.

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