Hardturm
Stadion-Planer machen Druck

Wo einst das Hardturm-Stadion stand, soll nach dem Willen der Stadt Zürich ein neues Fussballstadion gebaut werden. Oder doch nicht?

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Limmattaler Zeitung

Matthias Scharrer

Update

Im Juni bliesen Stadt Zürich und Credit Suisse das lange verfolgte Projekt Stadion Zürich mit Einkaufszentrum ab - wegen langer Rechtsverfahren und fraglicher Wirtschaftlichkeit. Stattdessen setzte die Stadt auf ein Fussballstadion ohne Mantelnutzung beim Hardturm. Parallel dazu weibelt der Verein Duplex-Arena für sein Projekt, das nebeneinander ein Fussballstadion und eine Eishockey-Halle vorsieht. Es würde nicht nur FCZ und GC eine neue Heimat bieten, sondern auch dem ZSC, der mit dem vielfältig genutzten Hallenstadion immer wieder Terminprobleme hat. (mts)

«Der Stadtrat muss die Katze aus dem Sack lassen», sagt François Bolay Er ist Präsident des Vereins Duplex-Arena, der sich für einen Bau mit Fussballstadion und Eishockeyhalle auf dem Hardturm-Areal einsetzt. Der Zürcher Stadtrat zeigte bisher kein Interesse daran. Nach dem Scheitern des geplanten Stadions Zürich, das eine Mantelnutzung mit Einkaufszentrum vorsah, setzte er stattdessen auf ein reines Fussballstadion. Und beauftragte eine Taskforce, das Projekt voranzutreiben. Noch vor Weihnachten soll die Taskforce dem Stadtrat Bericht erstatten. Gleichzeitig ist noch immer unklar, was die laufenden Gespräche der Stadt mit dem ZSC über eine neue Eishockey-Arena ergeben.

Der Zeitpunkt, jetzt Druck auf den Stadtrat auszuüben, scheint Bolay daher günstig. Der Vorstand des 400 Mitglieder zählenden Vereins Duplex-Arena habe Gespräche mit allen Gemeinderatsfraktionen geführt. Die beiden SP-Gemeinderäte Andreas Amman und Andrea Nüssli reichten daraufhin kürzlich eine schriftliche Anfrage an den Stadtrat ein. Sie wollen wissen, wie der Stadtrat die Notwendigkeit eines neuen Fussball- und Eishockeystadions beurteilt, welche Standorte dafür in Frage kommen und was für oder gegen eine Duplex-Arena spräche.

Zuletzt berichtete die «NZZ am Sonntag», der von der Stadt beabsichtigte Stadionbau auf dem Hardturm-Areal würde teurer als ursprünglich gedacht: Statt 100 Millionen Franken gehe man jetzt von 170 Millionen aus. Und die Geldsuche verlaufe «harziger als erwartet», doppelte der «Tagesanzeiger» nach. Nun weibelt Bolay in einem gestern versandten Communiqué für die Duplex-Arena und sagt: «Wir haben Mäzene». Namen und Geldsummen will er aber nicht nennen. Nur soviel: Es handle sich um «hochgestellte Leute im Bereich Sport». Auch die von der Fifa für ein neues Hardturm-Stadion in Aussicht gestellten 10 Millionen Franken kalkuliert er für das 270-Millionen-Projekt Duplex-Arena mit ein.

Voraussetzung wäre allerdings eine Kehrtwende des Zürcher Stadtrats. Dessen Taskforce hatte bisher einen anderen Auftrag, wie Bolay in Gesprächen erfuhr: «Ihr Auftrag zielte auf ein Fussballstadion ab und nicht auf ein Duplex-Stadion.»

Morgen Mittwoch dürfte sich der Stadtrat mit dem Bericht der Taskforce befassen. Laut Hochbaudepartements-Sprecher Urs Spinner gibt es zwei Optionen: Abbruch der Übung. Oder einen Projektierungskredit zuhanden des Gemeinderats, über den das Stadtparlament noch vor den Wahlen im Frühjahr beraten würde. Zum Stichwort Duplex-Arena bekräftigt Spinner: «Das dafür nötige Land gehört der Credit Suisse.» Und die habe andere Pläne dafür. Zudem fände der Stadtrat eine derart grosse Anzahl Sportveranstaltungen, wie sie eine Duplex-Arena mit sich brächte, an diesem Ort nicht gut.