Es klingt wie ein Treppenwitz der Geschichte: Der künftige republikanische US-Präsident stoppt die Verhandlungen für Freihandelsabkommen, will die Importzölle erhöhen und an der Grenze zu Mexiko eine Mauer errichten. Chinas Staatspräsident Xi Jinping, seines Zeichens zugleich Vorsitzender der grössten kommunistischen Partei der Welt, wird kommende Woche fast zeitgleich zu Donald Trumps Amtsantritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor Protektionismus warnen und für Globalisierung und mehr Freihandel werben. Was für eine verdrehte Welt.

Was Trump von seinen protektionistischen Ankündigungen tatsächlich umsetzen wird, bleibt abzuwarten. Chinas Präsident Xi hingegen meint es mit seinem Freihandelskurs äusserst ernst. Noch sehr viel mehr als seine Amtsvorgänger ist ihm bewusst, wie sehr sein Land in den vergangenen 20 Jahren von der Öffnung zur Aussenwelt, dem Eintritt in die Welthandelsorganisation und insgesamt der Globalisierung profitiert hat.

Und ebenfalls sehr viel mehr als seine Vorgänger setzt er nun darauf, dass chinesische Unternehmen auch global expandieren und sich Know-how aus Hochtechnologieländern wie etwa aus der Schweiz aneignen. Deswegen reist er in diesen Tagen keineswegs nur nach Davos, um zum ersten Mal in seiner Amtszeit am Weltwirtschaftsforum teilzunehmen, sondern verbindet diese Reise auch mit einem Abstecher nach Bern und Genf.

Ein sogenannter «Prinzling»

Dabei lässt sich Xis politische Couleur nur schwer einordnen. Offiziell ist er Kommunist. Er ist sogar ein sogenannter «Prinzling», Nachkomme eines Kommunisten der ersten Stunde. Als Sohn eines hohen Parteifunktionärs verbrachte er seine Kindheit in verhältnismässig privilegierten Umständen.

Das änderte sich mit der Kulturrevolution Ende der Sechzigerjahre, als Rote Garden auf Anweisung von Mao Zedong seinen Vater verhafteten und ihn und seine Familie demütigten. Xi floh aufs Land, wo er mehrere Jahre unter extrem armen Verhältnissen zeitweise sogar in einer Höhle leben musste.

Später studierte Xi Chemie, promovierte in Rechtswissenschaften und arbeitete sich im Parteiapparat hoch. Unter dem Reformer Deng Xiaoping in den Achtziger- und Neunzigerjahren war jedoch nicht mehr ideologische Standfestigkeit gefragt, sondern technisches Wissen, Pragmatismus, vor allem aber die Frage, wie zum wirtschaftlichen Aufstieg des Riesenreichs beigetragen werden kann. Technokraten übernahmen das Ruder. Dazu gehörte Xi.

Er wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends zunächst Gouverneur von Zhejiang, gelegen vor den Toren der boomenden Stadt Schanghais wirtschaftlich eine der am schnellsten wachsenden Küstenprovinzen, später dann mächtiger Parteichef von Schanghai selbst. Bereits 2008, fünf Jahre vor seinem eigentlichen Antritt als Staats- und Parteichef der Volksrepublik, war er als Staatspräsident gesetzt.

Rigorose Innenpolitik

Innenpolitisch setzt der heute 63-Jährige auf einen rigorosen Kurs. Die in China grassierende Korruption, die das gesamte Machtgefüge der herrschenden Kommunistischen Partei ins Wanken bracht, hat er zur obersten Priorität erkoren. Mehr als 1,2 Millionen Beamten und Parteikader hat er seit Beginn seiner Amtszeit bestrafen lassen.

Doch auch gegen Dissidenten, politische Widersacher und Blogger und Journalisten geht er mit sehr viel härterer Hand vor als seine Vorgänger, die auch schon nicht gerade zimperlich waren. Zugleich setzt er auf einen Kult um seine Person, den es seit dem Tod des Diktators Mao in China nicht mehr gegeben hat. Und im Streit etwa um Territorien im Südchinesischen Meer, Taiwan oder Inselstreitigkeit mit Japan gibt er sich ebenfalls kompromisslos.

Damit kommt er in der eigenen Bevölkerung gut an. Und auch wirtschaftspolitisch steuert er China auf Expansionskurs und erschliesst etwa mit der Wiederbelebung der antiken Seidenstrasse für sein Land neue Märkte.

Während Trump überzeugt ist, dass er die US-Wirtschaft stärkt, indem er Unternehmer aus aller Welt dazu zwingt, in den USA zu produzieren, setzt Xi auf das Gegenteil: «Strömt aus und investiert», forderte er chinesische Unternehmer auf. Davos ist für ihn die ideale Plattform, seine Botschaft auch dem Rest der Welt mitzuteilen.

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