Tierschutz
Staatsanwältin kritisiert die Aargauer Kuscheljustiz

Die Regionalpolizeien wollen sich im Tierschutz weiterbilden. Am ersten Seminar warf die Staatsanwältin Christina Zumsteg den Gerichten eine zu milde Handhabe bei Tierschutzvergehen vor.

Drucken
Teilen
Christina Zumsteg

Christina Zumsteg

Michael Spillmann

Schauplatz Tagungszentrum Schloss Liebegg: 35 Regionalpolizisten aus den 18 verschiedenen Polizeikorps sitzen vor einem dicken Ordner, machen Notizen und stellen Fragen. Vor ihnen informieren die Kantonsärztin Erika Wunderlin und Staatsanwältin Christina Zumsteg über fachliche und juristische Aspekte im Tierschutz. Themen: das Aussetzen von Tieren, das Einschliessen von Hunden im Auto, Vernachlässigung, unnötige Überlastung bis hin zur Zoophilie.

Das Seminar findet auf Initiative des Verbandes Aargauer Gemeindepolizeien (VAG) statt. Referentin Christina Zumsteg, früher selber Polizistin, darf als Staatsanwältin auftreten, ihr Engagement für die Schulung der Regionalpolizisten basiert aber auf Eigeninitiative. Zumsteg weiss, wovon sie spricht, sorgt sie doch auf ihrem Hof selber für über 30 verschiedene Tiere.

Die Staatsanwältin lobt die Zusammenarbeit mit der Polizei und den Strafbefehlsrichtern. «Wir haben mit den Bezirksämtern Richtlinien für einheitliche Bussen ausgearbeitet«, erklärt sie. Für Urteile der Bezirksgerichte und des Obergerichts findet sie allerdings harte Worte. «Das ist Kuscheljustiz», sagt sie nach dem Vortrag gegenüber dieser Zeitung. «Zu milde» Urteile ziehe sie bis vor Bundesgericht.

Mit der Initiative über die Einführung von Tieranwälten, über die heute abgestimmt wird, habe die Weiterbildung nichts zu tun, betonen die Kursverantwortlichen und die Referenten. «Wir haben gemerkt, dass der Tierschutz die Leute beschäftigt. Einsätze wegen Tieren gehören zu unserer täglichen Arbeit», schildert Werner Bertschi, Chef der Regionalpolizei Spreitenbach und VAG-Beirat. Der Kantonstierärztin und der Staatsanwältin gehe es darum, die Polizisten zu sensibilisieren: Damit sie im richtigen Moment, das Richtige tun. «Wird die Tatbestandsaufnahme nicht richtig gemacht, ist eine Verurteilung schwer», fügt Staatsanwältin Christina Zumsteg an. Da bringe auch der beste Tieranwalt nichts mehr.

Die Weiterbildung der Aargauer Regionalpolizisten reiht sich ein in eine ganze Serie von Seminaren, die bereits im vergangenen Jahr angelaufen war. Schulungen gibt es unter anderen zu den Themen Gastgewerbe oder Jugend und Polizei. Werner Bertschi hält aber fest: «Wir haben die nötige Grundausbildung, Tierschutzthemen werden auch an der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch behandelt.» Mit den durchgeführten Seminaren wolle man die Fachgebiete aber vertiefen. Die VAG-Verantwortlichen prüfen nun, ob das Tierschutz-Seminar für alle Angehörigen der 18 Regionalpolizeikorps Pflicht werden soll.

Aktuelle Nachrichten