Antonio Perugini, Tessiner Staatsanwalt und stellvertretender Generalstaatsanwalt, warnt im Zusammenhang mit der Diskussion um eine zweite Gotthard-Röhre vor einem massiv erhöhten Brandrisiko. Gegenüber 2001, als es zum Gotthard-Unfall mit elf Toten kam, „hat sich das Brandrisiko wegen Turbokompressoren verzehnfacht“, sagt Perugini, der damals Untersuchungsrichter des Gotthard-Unfalls war.

2001 seien erst wenige Wagen mit Turbokompressoren, sogenannten Turbo-Compound-Motoren, ausgestattet gewesen. Heute aber hätten fast alle Lastwagen, Busse und immer mehr Personenwagen Turbokompressoren. Diese machten den Motor leicht und kräftig. Gleichzeitig steige das Brandrisiko. «Nach 200'000 bis 300'000 Kilometern könnten Turbokompressoren «plötzlich und unvorhersehbar in Brand geraten», sagt Perugini gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag“.

Perugini macht sich stark, dass die Kompressoren nach maximal 300'000 Kilometern europaweit obligatorisch gewechselt werden müssen. Seit 2001 hat Perugini rund 50 Brandfälle von Lastwagen und Bussen auf der Gotthard-Strecke im Tessin untersucht.

Hightech für mehr Sicherheit im Gotthardtunnel

Zusammen mit dem Lausanner Professor Jean-Claude Martin gab er Ende 2015 das Buch «Incendies de véhicules lourds dans les tunnels» («Brände beim Schwerverkehr in Tunnels») heraus. «In 90 Prozent der untersuchten Fälle waren Turbokompressoren die Brandursache», sagt er. «In der ganzen Schweiz gab es in dieser Zeit hunderte von Brandfällen.»

Ereignen sich die Brände im Gotthard, sei die Gefahr gross, dass es zu Todesfällen kommt. «Dieses Risiko verdoppelt sich mit dem Gegenverkehr», sagt Perugini. «Dann muss der Leiter der Einsatzzentrale entscheiden, in welche Richtung er den Rauch abzieht. Ob nach Norden oder Süden: Jemand wird immer vergiftet.» Zehn der elf Toten von 2001 starben an einer Rauchvergiftung ausserhalb der Fahrzeuge.