Mordfall Boppelsen

Staatsanwältin will Verwahrung für Klebeband-Killer – Opfer erstickten qualvoll

Gemäss Staatsanwaltschaft half Corine K. nicht nur beim Verschwindenlassen der Leiche mit. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Gemäss Staatsanwaltschaft half Corine K. nicht nur beim Verschwindenlassen der Leiche mit. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Mordfall Boppelsen: Die Frau und der Freund sollen lebenslang hinter Gitter. Die Serben-Mafia-Geschichte sei eine Lüge.

Ein silbernes Klebeband hat Corinne Kauf mit ins Gericht gebracht. Während ihres Plädoyers zog die Staatsanwältin es hervor, stand auf und zeigte es im Saal herum. Mit einem solchen Klebeband wurden im Jahr 2016 zwei junge Männer getötet. Ihnen wurden die Atemwege überklebt, sodass sie erstickten.

Der Berner Lastwagenchauffeur Thomas K. hatte die Taten letzte Woche vor dem Bezirksgericht Bülach gestanden. Offen ist noch deren juristische Bewertung, das Strafmass und der Tatbeitrag seiner beiden Komplizen: seine Ehefrau Corine K. und sein damals bester Freund, der Solothurner Markus N.

Sie sollen eingeweiht gewesen sein

Die Frau und der Freund sagten letzte Woche, sie hätten im Vorfeld nichts von den grausamen Taten gewusst. Dieser Theorie widersprach am dritten Prozesstag die Staatsanwältin Corinne Kauf. Sie zeichnete zwei ganz andere Tatabläufe als die Beschuldigten.

Statt von der Brutalität von Thomas K. überrascht worden zu sein, hätten sie spätestens nach der ersten Tötung im April 2016 gewusst, um was es ging, als sie sich im Juni 2016 auf den Raub eines Lastwagens eines Zürcher Spediteurs eingelassen hatten.

Denn sie waren dabei oder zumindest eingeweiht gewesen, als Thomas K. im April 2016 einen ehemaligen Kollegen und Angestellten unter einem Vorwand in sein Haus in einer ländlichen Gegend in Bern lockte, ihn mit Gewalt festhielt und ihn später tötete.

Daher seien die Aussagen der Angeklagten, sie hätten nicht mit dem Tod des Zürcher Spediteurs gerechnet, als sie in den Zürcher Bezirk Dielsdorf fuhren, um einen Lastwagen zu rauben, völlig unglaubwürdig. Beide Komplizen seien in den vollen Tatverlauf eingeweiht gewesen und wussten vom Tötungsplan oder nahmen eine Tötung zumindest in Kauf.

Staatsanwältin zerzaust Serben-Mafia-Theorie des Haupttäters

Bevor die Staatsanwältin sich den Komplizen zuwandte, zerzauste sie aber noch die Mafia-Theorie des Hauptangeklagten Thomas K. Dieser hatte behauptet, dass er die beiden jungen Männer auf Anweisung und unter Druck einer „serbischen Mafia“ getötet hatte, bei der er Schulden gehabt habe. Kauf führt dagegen ins Feld, dass die Beute, der Erlös aus dem Verkauf von gestohlenen Fahrzeugen, dazu benutzt wurde, um einen neuen Anhänger zu kaufen und Schulden des Ehepaars K. zurückzuzahlen. Zudem sei die Polizei allen Hinweisen auf eine Serben-Mafia nachgegangen, es konnte aber nichts Derartiges gefunden werden.

Die Staatsanwältin beantragte, alle drei Angeklagten wegen Mordes am Zürcher Spediteur zu verurteilen. Sie verwies auf die besondere Grausamkeit der Tötung durch Ersticken, sowie den stundenlangen Zustand der Angst, in den das Opfer versetzt worden war. Zudem seien die Taten geplant gewesen. Das Motiv sei egoistisch gewesen, weil es nur um die persönliche Bereicherung ging. Weil es nur um ein paar zehntausend Franken ging, seien zudem die Leben der beiden Opfer besonders geringgeschätzt worden.

Beim ersten Opfer, einem in Bern wohnenden Serben, konnte die Staatsanwältin keine Beweise liefern, dass die beiden Komplizen beim mutmasslichen Mord anwesend waren.

Staatsanwältin Kauf beantragte lebenslänglich für den Haupttäter Thomas K. wegen zweifaches Mordes. Zudem soll gegen ihn eine Sicherheitsverwahrung ausgesprochen werden.

Für dessen Frau Corinne K. und dessen Freund beantragte sie ebenfalls lebenslänglich wegen Mittäterschaft beim Mord am Zürcher Spediteur.

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