Lohnbuch
Staat spart bei den Mindestlöhnen

Das umfangreichste Lohnbuch der Schweiz mit Zehntausenden von Löhnen erscheint dieses Jahr nicht. Still und leise hat das Amt für Wirtschaft die Einstellung beschlossen. An einer interkantonalen Lösung wird gearbeitet. Was dabei herauskommt, ist jedoch offen.

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Lohn

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Die geniale Idee für ein umfassendes Werk aller «orts- und berufsüblichen Mindestlöhne» stammt von Hermann Engler, dem früheren Leiter des Kantonalen Industrie-, Gewerbe- und Arbeitsamtes (Kiga). In weiser Voraussicht sah er es kommen, dass es für die bilateralen Abkommen mit der EU ein breit abgestütztes statistisches Zahlenmaterial brauchte. Dies zur Verhinderung des Lohndumpings, wenn etwa Bauarbeiter und Firmen aus Osteuropa in die Schweiz kommen. Entsprechend weiss die Tripartite Kommission das dicke Lohnbuch aus dem Aargau zu schätzen.

Bund zeigte kein Interesse

Aus einer Kumulation von Problemen entschied das Amt für Wirtschaft schon letzten Sommer - still und heimlich - den Verzicht auf die Ausgabe 2009. Das AWA selber brauche die Mindestlöhne nicht zwingend, «aber der Aufwand dafür ist extrem gross», begründet Amtsleiter Thomas Buchmann die Einstellung des Buches. Die anderen Kantone haben bisher von der Aargauer Fleissarbeit enorm profitiert und das 600 Seiten dicke Werk für ein Trinkgeld - sprich Unkostenbeitrag - von 50 Franken erhalten. In Form von einem halben Kilogramm Papier oder auch elektronisch. Buchmann wollte das Werk auf Bundesebene heben, in der Meinung, es sollte orts- und berufsübliche Mindestlöhne für die ganze Schweiz geben. Doch Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirschaft, lehnte den Wunsch und die Leistung eines Finanzbeitrages ab.

Suche nach interkantonaler Lösung

Zwar hat der Bund selber gewisse Statistiken, die aber nicht annähernd so gut sind wie der professionelle Wälzer aus dem Aargau. Unter dem Lead der Migrationsämter sind jetzt mehrere Kantone daran, ein gemeinsames Werk auf die Beine zu stellen. Den Verzicht für 2009 bezeichnet Buchmann als «unschön, anderseits bin ich froh, dass wir es auf eine neue Basis stellen können». Die Leitung des Projekts hat der Kanton Zürich. «Das Ziel ist, ein Lohnbuch für 2010 zu machen, aber es ist offen, ob wir es schaffen», meint Buchmann.

Akribischer Projektleiter

Seit zehn Jahren sind die orts- und berufsüblichen Mindestlöhne mit einem Namen verknüpft, jenem von Projektleiter Philipp Mülhauser. Mit grossen Einsatz, Fachwissen und einer unglaublichen Akribie hat er Tausende von Löhnen zusammengetragen. Dabei sind nicht nur die Berufe aufgeführt, es wird auch nach Alter, Funktion, Arbeitseinsatz, Gesamtarbeitsverträgen (GAV) und weiteren Grundlagen sehr fein differenziert. Neben den Monatslöhnen sind auch die Stundenlöhne aufgeführt.

In vielen Branchen ist übrigens für 2008 die Teuerung ausgeglichen worden. Leichte Lohnerhöhungen gab es in der Grossindustrie, bei Banken, Kantonen und Gemeinden. In den von der Rezession stark betroffenen Branchen wird jedoch massiv gespart, es weht ein entsprechend kalter Wind. Projektleiter Mülhauser hofft, dass es bald ein neues Lohnbuch geben wird.

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