Gebäudesanierung
Staat hilft beim «Aufpeppen»

Der Kanton Solothurn, diverse Energieanbieter und «Energie Zukunft Schweiz» lancieren das Gebäudesanierungsprogramm «Jetzt – energetisch modernisieren». Der Kanton stellt dafür bis 2011 mehr als acht Millionen Franken zur Verfügung.

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Energie

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Solothurner Zeitung

Urs Huber

Das Potenzial des Förderprogramms, so sind sich die Protagonisten der gestrigen Pressekonferenz sicher, ist riesig. Verständlich, sind doch mehr als 85 Prozent aller Wohnbauten vor 1990 entstanden, mehr als die Hälfte von ihnen unrenoviert. Aus energetischer Sicht Sündenfälle, die zu sühnen sich lohnt.

In den Räumlichkeiten des Energieanbieters a.en in Olten bitten Regierungsrätin Esther Gassler, Urs Stuber, Leiter der kantonalen Energiefachstelle, Norbert Caspar, Geschäftsleitung a.en und Aeneas Wanner, Energie Zukunft Schweiz, um entsprechende Aufmerksamkeit für «das jüngste Pflänzchen in Solothurns Energiegarten», wie Esther Gassler meint: das Förderprogramm «Jetzt - energetisch modernisieren».

Verantwortung übernehmen

Dessen Ziel ist klar: der Kanton Solothurn will in der Energie- und Umweltpolitik verstärkt Verantwortung übernehmen und sich an energetisch bedingten Sanierungskosten von Liegenschaften beteiligen. Im Zeitraum 2009 bis 2011 schiesst er allein gut acht Millionen Franken in entsprechende Projekte ein. «Bei den Neubauten unterstützen wir bewusst Bauprojekte, die nach dem Minergie P-Standart gebaut werden», so Gassler.

Sanierungen von Altbauten werden mit bis zu 100 000 Franken unterstützt. Im Rahmen seines Förderprogramms will der Kanton Sonnenkollektoren, Holzheizungen und Wärmepumpen mit höheren Beiträgen als bisher forcieren.

Das Förderprogramm beinhaltet aber nicht nur finanzielle Anreize: Fachleute beraten die Hausbesitzer und begleiten die Modernisierung bis zum Abschluss der Arbeiten. Nach einem unverbindlichen Informationsanlass in der Wohngemeinde können Interessierte einen Gebäudecheck durchführen lassen. «Eine umfassende Analyse mit dem Sanierungplan von Energie Zukunft Schweiz kostet zwischen 800 und 1500 Franken», so dessen Geschäftsführer Aeneas Wanner.

Die Jahre 2009/2010 sollen solche der Gebäudesanierungen werden: «Tiefe Hypotheken, hohe Förderbeiträge und Gewerbebetriebe, die gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit den Dienst am Kunden besonders hoch schreiben, sind gute Argumente, anstehende Sanierungen vorgezogen in Angriff zu nehmen», so Gassler. Denn, so die Regierungsrätin weiter, «zum grossen Teil kommen diese Aufträge einheimischen Firmen zu Gute, wodurch Arbeitsplätze im Bauhaupt- und Baunebengewerbe gesichert werden.»

Anträge vor Baubeginn

«Wichtig zu wissen», so Urs Stuber, «die Anträge sind immer vor Baubeginn einzureichen.» Zudem sei die Beitragszusage maximal zwölf Monate gültig. Luxusgüter kommen nicht in den Genuss von Förderbeiträgen, kleinere Sanierungsvorhaben mit marginaler Unterstützung natürlich ebenso wenig.

Denkbar ist nach Ansicht der Fachleute, dass künftig Häuser mit einem energetischen Qualitätlabel, ähnlich dem in der Automobilindustrie, ausgestattet werden. Doch was kostet dies energiebewusste Handeln, beziehungsweise mit welchen Förderbeiträgen kann bei einer Sanierung eines durchschittlichen Einfamilienhauses gerechnet werden? Bei Kosten von rund 135 000 Franken (Dach, Aussenwände, Kellerdecke, Fenster) beträgt der Förderbeitrg in etwa 10 Prozent, wie Stuber in seiner Grafik aufzeigte.

Wer sein Gebäude energetischen Sanierungen unterzieht, kann mit einer Reduktion des Energieverbrauchs von 50 und 70 Prozent rechnen. Einher geht damit auch eine Steigerung der Wohnqualität: Weniger Durchzug, weniger Lärm und weniger Hitze im Sommer. «Sicher Argumente, die für eine Sanierung sprechen», so Wanner. Darüber hinaus kostets weniger Geld. Denn wie Berechnungen am Fallbeispiel zeigen, werden Ein-sparungen von über 60 Prozent erzielt werden. Was mal 100 Franken kostete, ist nun für unter 40 zu haben. Ein Schnäppchen.