Interview

St.Galler Gesundheitsdirektor: «Der Bundesrat kann uns nicht dauernd sagen, was wir zu tun haben»

Der St.Galler Regierungspräsident Bruno Damann.

Der St.Galler Regierungspräsident Bruno Damann.

Der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann bekräftigt die Haltung des Kantons, den Bundesrat in die Verantwortung zu nehmen. St.Gallen lehnt die geplanten verschärften Massnahmen aus Bern ab und fordert, dass der Bund entweder darauf verzichten oder dann die ausserordentliche Lage ausrufen soll. Es gehe nicht um rote Linien bei einzelnen Massnahmen, sondern ums Prinzip, sagt Damann gegenüber dem St.Galler Tagblatt.

Der Kanton St.Gallen bezieht klar Stellung gegen die vorgeschlagene Corona-Massnahmenverschärfung des Bundes. Gibt es dafür Zuspruch oder auch negative Reaktionen aus anderen Kantonen?

Bruno Damann: Bislang nicht, jedenfalls nicht mir gegenüber. Einzig seitens der Medien trafen viele Anfragen ein, die unsere Stellungnahme im Wortlaut wollten.

Die Absage an den Entwurf aus Bern ist ein St.Galler Alleingang?

Jeder Kanton macht seine eigene Stellungnahme. Nach dem Gespräch am Donnerstag mit Alain Berset waren wir uns in der GDK-Ost, also der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Ostschweizer Kantone, aber ähnlicher Meinung.

Welche zusätzlichen Einschränkungen könnte St.Gallen akzeptieren, wo zieht man eine rote Linie gegenüber dem Bund?

Es geht uns nicht um rote Linien, sondern ums Prinzip. Wenn der Bundesrat dermassen Einfluss nimmt, ist es nicht mehr als fair, wenn er dafür auch die Verantwortung übernimmt. Wir brauchen Klarheit: Entweder sind sie in Bern oder wir in den Kantonen in der Verantwortung. Und die Kantone sind, wenn die bisherigen Massnahmen keine Wirkung zeigen, vorbereitet für weitere Schritte.

Die Unzufriedenheit nahm vergangene Woche zu?

Ja, weil wir wie andere Kantone an jenem Sonntag vom Bund mit der Einführung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum überrumpelt wurden. Es kann nicht sein, dass der Bundesrat dauernd sagt, was wir zu tun haben… und wir unsere Arbeit für nichts und gar nichts machen. Wobei sich über einzelne Massnahmen immer diskutieren lässt.

Wo plant St.Gallen selber die Coronaschraube anzuziehen?

Die Regierung wird voraussichtlich am Freitag über das weitere Vorgehen informieren. Was ich sagen kann: Wir setzen dort an, wo wir Probleme haben, wo es die meisten Ansteckungen gibt.

Heisst konkret?

Familienfeste und private Feiern sind ein grosses Problem, wie der Fall Schwellbrunn zeigt. Da müssen wir eingreifen, wie wir es bei Clubs mit dem Tanzverbot taten und nun unter anderem über eine Schliessung nachdenken. Und eine frühere Sperrstunde für Restaurants liegt auf der Hand, weil mit längerer Öffnungszeit mehr Alkohol ausgeschenkt wird und das Abstandhalten oft vergessen geht.

Zum Fussballspitzenkampf FC St.Gallen gegen Basel an Allerheiligen dürfen es weiterhin 10'000 Personen im Stadion sein?

Gemäss heutigem Stand ja. Klar ist es schwierig zu erklären, warum private Feiern eingeschränkt, Grossveranstaltungen hingegen zugelassen werden. Aber es gab bisher bei der Durchführung dieser Grossveranstaltungen einfach noch keinerlei Hinweise auf Probleme. Weder bei den zwei Spielen von FC St.Gallen und Nationalmannschaft im Fussballstadion noch bei den Eishockey-Matches der Lakers in Rapperswil-Jona.

Meistgesehen

Artboard 1