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SRG will bei Werbeagentur Admeira aussteigen – folgt die Swisscom als nächstes?

Die nationale Radio- und Fernsehgesellschaft steigt bei der Werbefirma aus. Ihr könnte die Swisscom schon bald folgen.

Lorenz Honegger
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Der SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina hat in der Sendung «Schawinski» am Montagabend den definitiven Verkaufswillen der Admeira-Anteile bekundet. (Archiv)

Der SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina hat in der Sendung «Schawinski» am Montagabend den definitiven Verkaufswillen der Admeira-Anteile bekundet. (Archiv)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Die gemeinsame Werbevermarktungsfirma von Ringier, Swisscom und SRG stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Operativ kam Admeira nie auf Touren, häufige Managementwechsel und Restrukturierungen sorgten für einen Fehlstart. Dazu kam heftiger politischer Gegenwind.

Die drei Gründungspartner hatten hochfliegende Pläne: Nichts weniger als eine Alternative für die Internetgiganten Google und Facebook wollten sie im Schweizer Werbemarkt aufbauen. Jetzt, nur zwei Jahre nach der Gründung, will die SRG als Jointventure-Partner wieder aussteigen. Nachdem sich SRG-Direktor Gilles Marchand bereits in diese Richtung äusserte, doppelte Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in der Sendung «Schawinski» am Montagabend nach: «Die SRG ist bereit, ihre Anteile zu verkaufen. Wir sind in Diskussionen mit möglichen Interessenten», sagte der Walliser.

Die ganze Sendung sehen Sie hier:

Wie Jean-Michel Cina weiter sagte, hätten sich die «Schwierigkeiten verstärkt». Er sprach bereits in der Vergangenheitsform, wenn er Admeira erwähnte. Der Ausstieg freut die Verleger. «Der Verband begrüsst diesen Schritt», sagt Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien. Einen Deal mit der SRG im Hinblick auf die No-Billag-Abstimmung habe es nicht gegeben.

Steigt auch Swisscom aus?

Doch die Angelegenheit ist für die Verleger mit einem Ausstieg der SRG nicht erledigt. Der Verlegerverband fordert, dass Admeira mit den zwei verbleibenden Teilhabern Swisscom und Ringier aufgespaltet wird: In eine Firma, die weiterhin Werbung verkauft. Und in eine Non-Profit-Organisation, die Kundendaten der Swisscom aufbereitet, um damit das Zielpublikum mit individualisierter Werbung zu bespielen.

Offenbar scheint ein solches Projekt reelle Chancen zu haben. Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien, sagt: «Swisscom-CEO Schaeppi hat an einem Anlass mit Parlamentariern im Herbst vor der Komplexität und den Datenschutzrestriktionen gewarnt, sich aber grundsätzlich bereit gezeigt, Anwendungsfälle zu prüfen.» Die Swisscom müsste ihre Daten selbstverständlich auch nicht verschenken, so Häuptli. Jeder, der Daten einspeise, erhalte eine finanzielle Gegenleistung. Jeder, der Daten beziehe, bekomme etwas dafür.

Auf eine Branchenlösung hoffen auch die Werbetreibenden. Roland Ehrler, Direktor des Werbeauftraggeberverbandes, sagt: «Wir würden es begrüssen, wenn sich die Vermarkter und Rundfunkanbieter zusammenraufen und mithilfe von Daten der Swisscom und UPC zielgruppengerichtete Werbung anbieten.»

Eine offene Frage ist zudem, wo die SRG künftig ihre Werbung vermarktet: weiterhin bei Admeira oder in einer selbstständigen Vermarktungsfirma. Verleger-Vertreter Häuptli sagt: «Wir würden es begrüssen, wenn sie sich selber vermarktet.»

Doch will die Swisscom da überhaupt mitmachen? Gut informierte Kreise sagen, der Telekommunikationsanbieter sei die schlechte Presse im Zusammenhang mit Admeira leid. Im Bundeshaus äussert CVP-Medienpolitiker Martin Candinas (GR) die Besorgnis, dass es nach dem Ausstieg der SRG bei Admeira zu einem verstärkten Abfluss von Werbegeldern ins Ausland kommen könnte. «Die Problematik bleibt dieselbe: Wie behal- ten wir möglichst viel vom Werbekuchen im Land?»