Christof Forster

Publigroupe-Chef Hans-Peter Rohner wurde in den Medien lange als einer der Top-Favoriten für den Posten des SRG-Generaldirektors gehandelt. Umso überraschender war dann die Wahl von Roger de Weck, dessen Name im Vorfeld gar nie auftauchte. Es wurde Kritik laut am Wahlverfahren, das so undurchschaubar sei wie die Papstwahl im Vatikan.

Undurchschaubares Wahlverfahren

Jetzt äussert sich Rohner gegenüber dieser Zeitung erstmals zu den Umständen seiner Kandidatur. Als er angefragt wurde, sei er erstaunt und verwundert gewesen. Seine Gegenfrage lautete: «Wieso wollen Sie einen 57-jährigen Vollblut-CEO für diesen Posten – zu alt und falsches Profil?»

Nachdem Rohner zunächst nicht reagierte, hätten die Verantwortlichen insistiert, mit dem Argument, seine langjährige Führungserfahrung an der Spitze eines Unternehmens, gepaart mit perfekter Zweisprachigkeit, entspräche genau dem Profil, das die SRG jetzt brauche. Dies sei auch im Rohner zugestellten Anforderungsprofil klar so definiert gewesen. Das Auswahlverfahren geleitet hat ein vierköpfiger Nominationsausschuss des SRG-Verwaltungsrats in Zusammenarbeit mit der externen Beraterfirma Amrop.

Manager versus Publizist

Wie viele andere war auch der Publigroupe-Chef überrascht, als die Wahl dann auf de Weck fiel. Überrascht deshalb, weil Publizist de Weck und er selbst «nie dem gleichen Anforderungsprofil in idealer Weise entsprechen» könnten. De Weck war zeit seines Lebens Journalist. Führungserfahrung hat er sich als Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und von «Die Zeit» angeeignet. Rohner hingegen ist ein klassischer Manager, der seit 25 Jahren in leitenden Funktionen innerhalb der Publigroupe tätig ist. Er frage sich deshalb, wann und durch wen das Jobprofil im Verlauf des Auswahlverfahrens angepasst worden sei. Er frage sich zudem, ob die Mehrheit der evaluierten Kandidaten von sich aus ausgestiegen oder gar nie ernsthaft infrage gekommen wäre, falls das Anforderungsprofil, das nun auf de Weck zutreffe, von Beginn an so formuliert worden wäre. Doch diese Fragen würden vermutlich nie beantwortet, fügt Rohner an.

Eine leichte Akzentuierung

Immerhin auf eine Frage gibt es eine Antwort. Viktor Baumeler, der den SRG-Nominationsausschuss leitete, bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass das Jobprofil im Laufe des Verfahrens geändert worden sei. Es habe eine leicht andere Akzentuierung gegeben, etwas weg von der Führungserfahrung hin zu publizistischen Aspekten. Der Verwaltungsrat hat dies laut Baumeler abgesegnet. Über die Gründe dafür schweigt er sich aus.

Welche Rolle spielte Leuenberger?

Rohner deutet an, ohne allerdings dafür Beweise zu haben, dass der Bundesrat hinter der Profiländerung steht: «War die effektive Rolle des Bundesrats wirklich so passiv wie dargestellt? Oder wer sonst hat die Parole ausgegeben ‹Die SRG darf nicht durch einen Manager geführt werden›?» Ihm gegenüber sei zwar mehrfach betont worden, der Bundesrat sei in keiner Weise mehr in die Wahl involviert. Und: Medienminister Moritz Leuenberger sei sicher «informell» einbezogen worden. Als der scheidende Generaldirektor Armin Walpen 1996 gewählt wurde, war es noch Sache des Bundesrats, den Vorschlag des SRG-Verwaltungsrats zu bestätigen. Neu ist nun die 41-köpfige Delegiertenversammlung der SRG dafür zuständig.

Welche Rolle hat Bundesrat Leuenberger im Wahlverfahren gespielt? Er sei vor dem Start vom SRG-Verwaltungsratspräsidenten angefragt worden, die für ihn relevanten Anforderungskriterien zu nennen, sagt Leuenbergers Sprecher Daniel Bach. Für den Medienminister sei wichtig, dass der neue Generaldirektor Gewähr biete für journalistische Qualität. Während der Evaluation und auf die Personalwahl hat Leuenberger laut Bach überhaupt keinen Einfluss genommen.

Name gezielt gestreut

Nicht nur das geänderte Jobprofil, auch die öffentlich kursierenden Namen von Kandidaten sorgen für Irritationen. War es Zufall oder Kalkül, dass ausgerechnet der Name des späteren Gewählten nie an die Öffentlichkeit drang? Die Kandidaturen von Rohner und Leutenegger wurden in den Medien eingehend diskutiert, was ihre Chancen minderte. Für Rohner ist klar, dass sein Name von irgendwelcher Seite gezielt gestreut worden sei.

Rohner berichtet über das Verfahren ohne Bitterkeit. Für ihn sei das Kapital abgeschlossen. Er wünscht de Weck, «dem brillanten Journalisten, Publizisten und Vordenker», Glück und gutes Gelingen.