Damit sind die Vorschläge vorläufig vom Tisch. Der Nationalrat fällte den Entscheid am Donnerstag mit 119 zu 50 Stimmen bei 11 Enthaltungen und bekräftigte seinen Beschluss vom Frühjahr. Eine Fanzug-Pflicht sei nicht umsetzbar und tauge nicht dazu, die Probleme mit randalierenden Hooligans in den Griff zu bekommen, lautete der Tenor bei den Befürwortern der Rückweisung.

Die vorgeschlagene Lösung sei der falsche Weg und nicht umsetzbar, sagte Thomas Hurter (SVP/SH) namens der Mehrheit der Verkehrskommission (KVF). An die Adresse der Sportklubs sagte er, es müsse weiter an einer Verbesserung der Situation gearbeitet werden.

"Chaotentum einen Riegel schieben"

Die Mehrheit wolle deshalb die Vorlage zurückweisen, sagte Hurter. Der Bundesrat müsse mit den betroffenen Kreisen nach Lösungen suchen. Die KVF nannte in ihrem Rückweisungsantrag Kantone und Gemeinden, Sportclubs, Fanarbeit, Verbände sowie Transportunternehmen.

Eine Minderheit wollte die Anpassungen im Personenbeförderungsgesetz beraten, um "dem Chaotentum einen Riegel zu schieben und die Clubs in die Verantwortung zu nehmen", wie Edith Graf-Litscher (SP/TG) sagte. Es sei blauäugig, zu glauben, dass noch mehr Gespräche der Akteure Lösungen brächten.

Mit Ausnahme der Berner Young Boys (YB) lehnten die Fussballclubs freiwillige Regelungen ab, konstatierte Gabi Huber (FDP/UR). Aus Gründen der Effizienz sei es sinnvoller, die Gesetzesänderungen zu beraten und allenfalls abzulehnen als mit der Rückweisung eine Zusatzschlaufe zu verlangen.

Kein Verständnis

Die Grünen plädierten für eine gesellschaftspolitische Diskussion. Gesetze gebe es bereits, argumentierte die Bernerin Aline Trede. Das Hooligan-Konkordat und auch dessen Verschärfung hätten keine Lösungen gebracht. Rechtsgrundlagen, um Menschen aus Zügen zu weisen, gebe es bereits.

Für randalierende Fans in Zügen gebe es kein Verständnis, sagte Jürg Grossen (GLP/BE). Er verwies auf das funktionierende Pilotprojekt von YB, Fanorganisationen und der SBB und wandte ein, dass die Gesetzesrevision zu hohem Kontrollaufwand und hohen Kosten führen würde.

"Wir hören die Botschaft, doch uns fehlt der Glaube", plädierte Martin Candinas (CVP/GR) für die Beratung der Vorlage. Max Binder (SVP/ZH) hingegen bemängelte, mit der Gesetzesänderung würden "keine Nägel mit Köpfen" gemacht wie die Minderheit argumentiere, sondern "schwache Nieten".

Binder spielte den Ball den Fanclubs zu: "Sie sind verantwortlich für das, was ihre Leute tun. Sie sollen schwarze Schafe ausschliessen." Zum Einwand von Christian Wasserfallen (FDP/BE), dass Randalierer häufig nicht organisiert seien, sagte er, die Arbeit müsse in den Fanclubs beginnen.

Fünf Jahre lang Gespräche geführt

Verkehrsministerin Doris Leuthard zitierte Schlagzeilen über gezündete Knallkörper, bedrohte Busfahrer, verletzte Polizisten und Ausschreitungen und forderte eine Debatte. "Kaum eine Stadt ist noch bereit, den Cupfinal auszutragen."

Fünf Jahre lang seien Diskussionen und Gespräche geführt worden. Doch Bewegung habe es nach der Vereinbarung von YB und SBB nicht mehr gegeben, konstatierte Leuthard. Dass die Öffentlichkeit für von Fans verursachte Schäden aufkommen müsse, sei nicht zumutbar. Die Debatte sei nötig. "Rückweisung bedeutet Kneifen vor der Diskussion."

Der Ständerat hätte wie der Bundesrat eine Fanzug-Pflicht im Personenbeförderungsgesetz verankern und die Vorlage deshalb beraten wollen. Mit einer Lockerung der Transportpflicht für Unternehmen des öffentlichen Verkehrs sollten Fans gezwungen werden, mit für sie vorgesehenen speziellen Zügen oder Bussen an Spiele zu reisen.

Ausserdem hätte mit der Gesetzesänderung eine Rechtsgrundlage geschaffen werden sollen, um Sportclubs unter bestimmten Voraussetzungen für Schäden haften zu lassen, die ihre Fans angerichtet haben.