KPV
Spitex fährt künftig einspurig

Der Krankenpflegeverein Breitenbach erhält keinen Leistungsauftrag mehr. Die Gemeindeversammlung hat sich für ein Spitex-Angebot aus einer Hand entschieden und übergibt die Krankenpflege vollständig der Spitex Thierstein/Dorneckberg.

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Spitex Thierstein/Dorneckerberg

Spitex Thierstein/Dorneckerberg

bz Basellandschaftliche Zeitung

Roland Bürki

Seit Jahren sorgt die Frage, ob Breitenbach zwei Spitex-Organisationen brauche, regelmässig für rote Köpfe. Vor allem im Gemeinderat. Dieser hatte vor einem Jahr die Leistungsvereinbarungen mit beiden Organisationen, dem Krankenpflegeverein (KPV) und der Spitex Thierstein/Dorneckberg (Spitex), vorsorglich kündigen und eine Studie über die für Breitenbach optimale Spitex-Versorgung in Auftrag geben wollen. Doch die Gemeindeversammlung hatte dieses Vorgehen damals gestoppt und «erst die Studie, dann die Kündigung» verlangt.

Am Montagabend trat der Gemeinderat nach intensiver Denkpause wieder vor das Volk und beantragte, den gesamten Leistungsauftrag an die Spitex Thierstein/Dorneckberg zu vergeben.

Verein mit 100-jähriger Tradition

Was die 147 Stimmberechtigten an diesem Abend im stickig heissen Saal der Schwedenschanze erlebten, war ein Lehrstück in direkter Demokratie. Da jagten sich kernige, emotionale und coole Voten bis fast die Stimmen versagten, da folgten sich Änderungs- und Ordnungsanträge auf dem Fuss, und es brandete immer wieder frenetischer Applaus auf. Dass Gemeindepräsident Dieter Künzli in dieser Hektik die Fäden jederzeit in der Hand behielt, spricht für ihn, aber auch für den Souverän.

Zwar kämpften die deutlich in zwei Lager geteilten Stimmberechtigten mit teilweise harten Bandagen für die Erhaltung des traditionsreichen 100-jährigen KPV oder dann für eine Zukunft mit der professionell aufgestellten Spitex. Die Voten aber blieben fast ausnahmslos auf der sachlichen Ebene. «Wir tun nichts, was wir nicht tun müssen», erklärte Gemeinderat Dominique Huber zum Vorgehen des Gemeinderates. Huber analysierte, wie vom Souverän vorgegeben, die Situation in Breitenbach sehr ausführlich. Zwei Spitex-Organisationen mit zwei Anlaufstellen seien keine gute Lösung. Bund und Kanton würden pro Gebiet eine Organisation empfehlen.

Huber beantragte, die künftige Leistungsvereinbarung nur mit jener Organisation abzuschliessen, die den ganzen Umfang der ambulanten Dienste garantieren könne: der Spitex Thierstein-Dorneckberg.

Spitex will KPV-Personal übernehmen

Das wollte Guido Hänggi, Kassier des KPV, so nicht stehen lassen. Der KPV sei mit der Krankenpflege KVG-konform und damit der Zeit voraus. «Sie tragen die Verantwortung, wenn der sehr geschätzte Verein in der Spitex aufgeht», wandte sich Hänggi an die Versammlung. «Die Lösung liegt heute auf dem Tisch», sagte dagegen Spitex-Leiterin Ida Waldner. Seit 1992 peile sie die betriebswirtschaftlich sinnvolle Fusion an. Vergeblich.

Waldner zeigte sich versöhnlich und hielt explizit die Türen der Spitex für Mitarbeiterinnen des KPV offen. Nach der offenen Bereinigung der vier Änderungsanträge konnte Gemeindepräsident Dieter Künzli schliesslich zur verlangten geheimen Abstimmung übergehen. 94 Stimmberechtigte folgten dem Antrag des Gemeinderates, das gesamte Spitex-Paket ab 2010 der Spitex Thierstein/Dorneckberg zu übertragen. 53 wollten gemäss Antrag von René Studer am Status quo mit KPV und Spitex festhalten.