Sie hätten ein glorioses Sportfest werden sollen, die «Commonwealth Games 2010», die diesen Oktober in Indien über die Bühnen gingen.

Neu Delhi sollte der Welt im besten Licht präsentiert werden, Indien endlich aus dem Schatten Chinas treten. Einige Politiker wurden nicht müde zu betonen, man wolle die Olympiade 2008 in China bei weitem übertreffen.

Der Anlass wäre dafür durchaus geeignet gewesen. Die «Commonwealth Games» sind die Olympiaden der ehemaligen britischen Kolonien und müssen sich hinter der Olympiade nicht verstecken: 74 Nationen waren vertreten, Top-Athleten aus der ganzen Welt kamen nach Asien.

Statt Stolz herrscht Katzenjammer

Seit dem Ende des Anlasses am 14. Oktober aber herrscht nicht Stolz sondern Katzenjammer. In der indischen Presse äussern sich Scham und Wut auf die Veranstalter, von «Spielen der Schande» ist die Rede.

Recherchen verschiedener Zeitungen zeigen seit Tagen, dass sich gewisse Personen am Anlass schamlos bereicherten.

Mehrmals tauchen dabei Firmen aus der Schweiz auf.

Die letzte Enthüllung machte die Zeitung «Headlines Today» - sie betrifft die Firma Nüssli aus Hüttwilen im Kanton Thurgau, die auf Eventbauten für Grossanlässe im Bereich Sport und Kultur spezialisiert ist.

Nüssli erhielt einen Grossauftrag für sechs Veranstaltungsorte. Der Vertrag sei ein «Meilenstein in der Geschichte von Nüssli», meinte Manager Christian Künzli. Verschiedene indische Quellen schätzen den Wert des Auftrags auf umgerechnet 29,6 Millionen Franken (Rs 141 crore, 1'410'000'000 Rupien).

Razzia bei Nüssli Indien

Der «Meilenstein» dürfte Nüssli noch Kopfzerbrechen bereiten. «Headlines Today» machte interne E-Mails publik, in denen sich ein indischer Verantwortlicher bitter über die Qualität der Nüssli-Ware beschwerte.

Statt hochwertige Produkte seien minderwertige Geräte geliefert worden - etwa Klimaanlagen. Auch sei der Preis für die Produkte viel höher veranschlagt worden, als dies normalerweise der Fall sei, schreibt «Headlines Today».

Die «Times of India» berichtete, dass für den Abbruch der Anlagen von einer Firma 98 Rupien per Kubikmeter Schutt veranschlagt wurde, während Nüssli für die gleiche Arbeit satte 13'368 Rupien kassierte.

Indische Steuerkommissäre führten am Dienstag im Zusammenhang mit solchen und anderen Unregelmässigkeiten an 23 Orten Razzias durch - dabei seien auch die Räume von «Nüssli India» / «Comfort-Net» durchsucht worden, berichtet «India Today».

Gegenüber der indischen Presse wollte sich Nüssli-Pressesprecherin Karin Ruhland nicht äussern. Auch der «Aargauer Zeitung» sagte Jonas Eberhardt von der Nüssli-Gruppe nur, man kommentiere die Vorfälle in Indien momentan nicht.

Auch Zeitmesser-Firma betroffen

Neben Nüssli wird in Indien auch über die Zeitmessungs-Firma «Swiss Timing» berichtet. Für die Resultatmessungen habe die Firma den Zuschlag bekommen - für umgerechnet 23 Milionen Franken (Rs 112 crore, 1'120'000'000 Rupien).

Der Preis war fünfmal so hoch, wie für einen vergleichbaren Auftrag in Australien. Die überhöhten Zahlen wurden gemäss «India Today» an der Finanzbehörde vorbeigeschmuggelt.

Kleiderhersteller baut Sportbeläge

Kurz vor den Spielen wurde bekannt, dass ein Kleiderhersteller, der über keinerlei Erfahrung im Bereich Leichtathletik-Laufbahnen verfügte, gleich siebenmal den Zuschlag für den Bau von Sportbelägen erhielt.

Wieder wurde der Deal für einen Betrag abgewickelt, der deutlich über dem Marktpreis lag. Zusätzlich wurden die Regeln für die Vergabe gebeugt, damit die Kleiderfirma überhaupt mitbieten konnte.

Die einzige «Kompetenz» der Kleiderfirma war, dass sie für das schweizer Unternehmen Conica als Intermediär schon einmal einen Deal einfädelte. Die Schaffhauser Conica Sportbeläge gehört heute zum deutschen Chemieriesen BASF.