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Spenden: Wo Amnesty draufsteht, ist Corris drin

Amnesty International arbeitet seit 2003 mit Corris zusammen. KEY

Amnesty International arbeitet seit 2003 mit Corris zusammen. KEY

Viele Hilfswerke lassen spezialisierte Agenturen wie Corris Geld sammeln - vor allem, weil ihnen die Mittel fehlen, um die Kampagnen selbst durchzuführen. Doch diese Praxis stösst auch auf Kritik.

Manchmal gibt es fast kein Entweichen: In Fussgängerzonen, auf Bahnhofplätzen stehen die Stände, lauern die Fundraiser. Ihr Ziel: den Passanten als Förderer für ein Hilfswerk anzuwerben. Und sich selbst einen Bonus zu sichern.

Denn die jungen dynamischen Menschen, die in Jacken von Greenpeace, Helvetas oder Pro Infirmis auf der Strasse arbeiten, sind meist keine Mitglieder dieser Hilfswerke. Sie sind von einer Fundraising-Agentur angestellt, die im Auftrag des Hilfswerks Standaktionen durchführt.

Die Agenturen sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern. Eben erst inserierte Corris, nach eigenen Angaben die grösste Fundraising-Agentur in der Schweiz, auch in dieser Zeitung. Gesucht sind «kommunikative Leute für Mitgliederwerbung am Infostand». Auch wer nur eine Woche seiner Schul-Herbstferien investieren kann, ist bei Corris willkommen.

Es winkt ein Bonus

Im Schnitt arbeiten die so genannten Dialoger 15 bis 20 Tage für Corris, wie CEO Baldwin Bakker sagt. Der Fixlohn beträgt gemäss Bakker 4000 Franken. Rekrutiert ein Mitarbeiter besonders viele neue Spender, kann er sich einen Bonus erarbeiten. Bonus-Punkte gibt es unter anderem für die Höhe des gespendeten Betrags und für eine Überweisung per Lastschriftverfahren. Ein durchschnittlicher monatlicher Bonus betrage 500 Franken, sagt Bakker.

Wortgewandt versuchen die Corris-Leute, Passanten von der gemeinnützigen Organisation zu überzeugen, die sie repräsentieren. Ob sie persönlich ebenfalls hinter der Organisation stehen, ist indes nicht klar: Wer für Corris arbeitet, kann in der Regel nicht wünschen, für welches Hilfswerk er Geld sammeln will. Ein ehemaliger Corris-Angestellter aus Brugg, der zuerst Mitglieder für Terre des hommes und danach für Greenpeace anwarb, sagt: «Es geht weniger um das Produkt, verkaufen muss man primär sich selbst.»

Ein Aarauer, der ebenfalls mehrere Monate für Corris im Einsatz war und an Standaktionen Passanten für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten zu begeistern versuchte, sagt: «Der Inhalt ist völlig austauschbar. Wer Vier Pfoten verkaufen kann, kann auch Helvetas oder WWF verkaufen.» Er habe sich damals «null» mit der Ideologie der Tierschutzorganisation auseinandergesetzt.

Corris-CEO Bakker wehrt sich gegen den Eindruck, man führe Passanten hinters Licht: «Auf dem Stand, auf dem Ausweis und auf dem Fördererformular steht geschrieben, dass Corris die Aktion im Auftrag des Hilfswerks durchführt.»

Trotzdem: Man muss genau hinschauen, um zu erkennen, dass die Spenden für die gemeinnützige Organisation durch ein gewinnorientiertes Unternehmen gesammelt werden. Der Ex-Corris-Angestellte aus Brugg sagt: «Zwar trugen wir einen Badge, aber wir haben es den Leuten sicher nicht auf die Nase gebunden, dass wir von Corris angestellt sind. Auf Nachfrage mussten wir uns aber als Corris-Mitarbeiter ausweisen.»

«Bessere Qualität der Kampagnen»

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International arbeitet seit 2003 mit Corris zusammen. «Wir haben selbst nicht die Mittel, die Kampagnen durchzuführen. Indem wir zentral mit einer Agentur arbeiten, können wir eine bessere Qualität gewährleisten», sagt Oliver Bader, der für die Standaktionen verantwortlich ist.

Bader schult die Corris-Leute selbst, die für Amnesty International Förderer gewinnen. Er beobachtet: «Die Leute sind sehr überzeugt von unserer Arbeit. Sie sind wirklich für Amnesty International auf der Strasse.» Wie Bakker hält auch er fest, dass an den Ständen transparent ersichtlich ist, dass Corris-Leute im Einsatz stehen.

Bader war früher selbst ein engagierter Dialoger: Während des Studiums arbeitete er mehrere Jahre für Corris – und repräsentierte dabei verschiedene Organisationen. «Die Anliegen der Organisationen haben mich so überzeugt, dass ich jeweils Mitglied wurde und es bis heute geblieben bin», sagt er.

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