Rückblick

Speed-Kletterer und Weltrekordhalter: Ueli Stecks Leben am Limit

Alpinist Ueli Steck auf seiner spektakulären Viertausender-Tour.

Alpinist Ueli Steck auf seiner spektakulären Viertausender-Tour.

Ueli Steck ist bei einem Unfall am Mount Everest ums Leben gekommen. Der Berner zählte zu den bedeutendsten Bergsteigern der Welt und war immer auf der Suche nach neuen Extremen – ein Rückblick.

Mit achtzehn Jahren kletterte Ueli Steck zum ersten Mal die Eigernordwand hoch. Seine Leidenschaft war entfacht. Der gelernte Zimmermann lebte über Jahre von der Hand in den Mund, um die nächste Kletterreise finanzieren zu können. Dass er einmal vom Bergsteigen würde leben können, hielt er für unwahrscheinlich.

Das änderte sich 2003, als er die Ueli Steck GmbH gründete und sich zu vermarkten begann – heute gilt «The Swiss Machine», wie er in der Branche genannt wurde, als einer der bestvermarktesten Bergsteiger der Welt.

In den folgenden Jahren stellte der Berner mehrere Rekorde als Speed-Kletterer auf. Am Eiger, am Grandes Jorasses, am Matterhorn. Doch Steck war nicht nur für seine Schnelligkeit bekannt, sondern auch für seine Leidenschaft für Extreme.

Ueli Steck holt sich seinen Speed-Rekord am Eiger zurück

Ueli Steck holt sich seinen Speed-Rekord am Eiger zurück

Am 16. November 2015 erklimmt er den Berg in 2 Stunden und 22 Minuten.

Wegen Morddrohungen Expedition abgebrochen

2012 wagte er sich erstmals an den Mount Everest heran. Gemeinsam mit dem 21-jährigen Sherpa Tensing gelang es ihm, den Gipfel ohne Fixseile und Flaschensauerstoff zu erklimmen.

Als er sich 2013 erneut mit ehrgeizigen Zielen ins nepalesische Gebirge aufmachte, musste er die Expedition abbrechen. Am Mount Everest wurden der Berner und seine beiden Begleiter von Sherpas attackiert und bedroht. Steck hatte fürs Erste genug: «Der Everest ist nur ein einziger Berg. Bestiegen habe ich ihn bereits 2012 ohne Sauerstoff. Der Himalaya ist riesig. Karakorum, die Anden oder Alaska: Es gibt so viele Ideen», sagte Steck zu seiner Zukunft.

Am 9. Oktober 2013 gelang ihm solo die Erstbesteigung der 2500 Meter hohen Südwand der Annapurna. Der Berg gilt wegen ihrer Lawinen als extrem gefährlich und wegen ihrer Exponiertheit als äussert schwierig. Doch Steck meisterte das hochalpine Kunststück: Um ein Uhr nachts stand er auf dem 8091 Meter hohen Himalaya-Riesen – dem zehnthöchsten Berg der Erde.

Neues Projekt geplant

Doch Steck wollte mehr. Auf der Suche nach weiteren Extremen fand er sein nächstes Projekt, das gleich zwei der höchsten Berge miteinschloss: Innerhalb 48 Stunden und ohne Sauerstoffflasche wollte er den Mount Everest (8848 Meter) und den Lhotse (8516 Meter) besteigen.

«Ich weiss nicht, ob es möglich ist»: Ueli Steck präsentiert sein letzes Projekt

«Ich weiss nicht, ob es möglich ist»: Ueli Steck präsentiert sein Vorhaben

11. April 2017

In einem Video, das er am 11. April auf seinen Youtube-Kanal hochlud, erklärte der Berner, warum er immer wieder zum Mount Everest zurückkommt: «Für einen Kletterer ist der Mount Everest unglaublich anziehend. Wir wissen nicht, ob es möglich ist und genau das ist die Herausforderung, das Spannende daran.» Die Besteigung binnen 48 Stunden hätte einen weiteren Weltrekord bedeutet. 

Doch dazu sollte es nicht kommen: Heute Sonntagmorgen Ortszeit stürzte Steck in den Tod. Der 40-Jährige befand sich auf einer Vorbereitungstour zur Akklimatisierung, als er abstürzte. (sam)

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