Spareffekt klein - Schaden gross

Sparmassnahmen bei der SRG - Musiksender DRS Virus vor dem Aus

Gäste im Studio von DRS Virus.

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Gäste im Studio von DRS Virus.

Der Jugend- und Musiksender DRS Virus ist akut gefährdet. Mit einem «offenen Brief» setzt sich die Interessenvertretung für Schweizer Musik, Action Swiss Music, für den Sender ein.

Stefan Künzli

«Wir sind besorgt», mit diesen Worten beginnt ein offener Brief von «Action Swiss Music» an den SRG-Verwaltungsrats-Präsidenten Jean-Bernard Münch. Die nationale Interessenvertretung für aktuelle, populäre Schweizer Musik befürchtet, dass der Jugend- und Musiksender DRS Virus ein «erstes Opfer der Sparmassnahmen der SRG SSR» werden wird. Tatsächlich will Münch den Rotstift zuerst bei den so genannten «peripheren» Sendern ansetzen.

DRS Virus wird in diesem Zusammenhang auch im offiziellen Massnahmenkatalog der SRG als erster Sender aufgeführt (Priorität 2). Gefährdet ist auch der Volksmusiksender DRS Musikwelle (Priorität 3).

Die SRG muss sparen. Schwarze Zahlen sind gefordert. Gemäss neuesten Prognosen gibt es in diesem Jahr ein Defizit von 50 bis 60 Millionen. Die SRG wird also nicht um harte Massnahmen herumkommen. Vor diesem Hintergrund schätzt auch Robert Ruckstuhl, Chef von DRS 3 und Virus, eine Schliessung des Jugend- und Musiksenders als «im Bereich des Möglichen» ein.

Dabei betont Action Swiss, dass Virus mit zehn Vollstellen eine relativ kleine Kostenstelle (rund 1,3 Millionen) ist. Der Spareffekt wäre klein, der Schaden gross. Denn DRS Virus ist «der einzige Radio-Sender mit neuer Musik für ein junges Publikum». «Bei Virus steht die Musik im Mittelpunkt», sagt Ruckstuhl, «sie dient nicht nur der Unterhaltung, wir setzen uns mit der Musik als Kulturgut auseinander. Und bei Virus kann man neue Musik entdecken.»

«Neue innovative Musik hat es eh schwer, sich in der hiesigen Radiolandschaft Gehör zu verschaffen», erklärt Lisa Gyger, die Geschäftsführerin von «Action Swiss Music», «verschwindet Virus, wird es noch schwieriger».

Gyger ist auch besorgt um die Schweizer Musik, denn Virus ist ein Sender mit einem hohen Anteil an Schweizer Musik von rund 30 Prozent. Vergleichbare Werte kann nur der Volksmusiksender DRS Musikwelle vorweisen. «Es leuchtet uns nicht ein», heisst es im Brief, «dass diese beiden Formate offenbar zuoberst auf der Abschussliste stehen. Die Frage muss erlaubt sein: Ist das Ihre Vorstellung von «idée suisse»?

Der Stellenwert der Schweizer Musik sei schon im Schweizer Fernsehen «verschwindend klein», sagt Gyger weiter. Beim Radio dürfe es nicht auch so weit kommen. «Diese Entwicklung können wir so nicht hinnehmen. Wir wünschen uns eine mutige SRG SSR, die sich nicht nur mit den klingenden Namen internationaler Stars schmückt, sondern auch unserem Musikschaffen die Chance gibt, gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen», steht im Brief. Mit der Erhaltung von DRS Virus könne die SRG ein Zeichen setzen, damit wohlklingende Schlagwörter wie «Zukunft» und «zukunftsgerichtet» nicht zu leeren Worthülsen verkommen.

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