Bekannt sei, dass sich das soziale Umfeld und kurzfristige Ereignisse auf das Wahlverhalten auswirken, sagte der Politologe Markus Freitag im Interview mit der "NZZ am Sonntag". Laut ihm gilt es aber noch einen Faktor zu berücksichtigen: die Persönlichkeit. Diese sei zu etwa 50 Prozent vererbt - somit bestimmten auch unsere Vorfahren unser Wahlverhalten.

So wählten verunsicherte und ängstliche Menschen eher die SP oder die CVP. CVP-Wähler seien zusätzlich harmoniebedürftig und SVP-Wähler zeichneten sich durch Gewissenhaftigkeit aus.

Das Wissen um diese Wählereigenschaften könnten sich die Parteien im Wahlkampf zu nutze machen, findet Freitag. So sollten SP und CVP ihren ängstlichen Wählern eine Politik der existenziellen Sicherheit anbieten.

Die FDP wiederum könnte auf Gewissenhaftigkeit setzen, um SVP-Wähler zu gewinnen, oder auf Harmonie, um CVP-Wähler anzuziehen. Letztere Tendenz meint der Politologe im aktuellen Wahlkampf beobachten zu können: In der Kampagne der Liberalen "mischen sich neben rechtsbürgerlichen und staatstragenden auch sehr harmonieheischende Töne, etwa wenn es um den Erhalt des Gemeinsinns geht".