Bundesratswahlen

SP-Politiker geben Bruno Zuppiger plötzlich einen Korb

Bruno Zuppiger reiht sich in die Liste der SVP-Bundesratsanwärter ein (Archiv)

Bruno Zuppiger reiht sich in die Liste der SVP-Bundesratsanwärter ein (Archiv)

In der SP gilt Eveline Widmer-Schlumpf als gewählt. Daran ändert die am Montag angekündigte Kandidatur von Bruno Zuppiger nichts, auch wenn der Zürcher morgen mit grösster Wahrscheinlichkeit offiziell von der SVP-Fraktion nominiert wird.

Namentlich will sich zwei Wochen vor den Bundesratswahlen zwar niemand zitieren lassen. Hinter vorgehaltener Hand aber sagen mehrere SP-Parlamentarier, dass der Zürcher Nationalrat gegen die amtierende Finanzministerin chancenlos sei. «Dieses Szenario wäre völlig absurd», sagt einer.

Als Sprengkandidat abgesagt

Noch vor wenigen Jahren hätte es keinen so deutlichen Korb gegeben. Schon 2003 hatten linke Parlamentarier Zuppiger als valablen Kandidaten bezeichnet, 2007 und 2008 versuchten sie sogar, ihn als Sprengkandidaten gegen Christoph Blocher respektive Ueli Maurer zu gewinnen. Zuppiger sagte beide Male ab – nicht ohne durchblicken zu lassen, dass ihn das Bundesratsamt interessieren würde.

Gestoppt wurden Zuppigers Ambitionen durch die eigenen Leute. Gerade, dass er Support von SVP-Gegnern bekam, machte seine Partei misstrauisch. Insofern, sagen Spötter, könne man nun anhand seiner Lancierung durch Blocher persönlich den Grad der Verzweiflung in der SVP ablesen.

Von ihrer einstigen Zuneigung zu Zuppiger wollen die Genossen heute nichts mehr wissen. Sein Name sei im Gespräch gewesen, aber beispielsweise bei der Abwahl von Christoph Blocher nie im Vordergrund gestanden, heisst es heute. «Zuppiger politisiert moderater als viele SVPler, aber er ist mitnichten eine Persönlichkeit mit grosser Ausstrahlung», sagt etwa ein SP-Nationalrat. Hinzu kommt, dass ein Ersatz Eveline Widmer-Schlumpfs durch Zuppiger eine rechtsbürgerliche Mehrheit im Bundesrat schaffen würde, was die Sozialdemokraten verhindern wollen.

Mit dem Entscheid, neue Kampfjets zu kaufen, und der Ausgestaltung des Atomausstiegs stehen wichtige Entscheide an – und just in jenen Fragen politisiert Zuppiger streng auf SVP-Linie. Nachdem die SP und die neuen Mitteparteien bei den eidgenössischen Wahlen gewonnen hätten, sei es vielleicht nicht der Zeitpunkt, den Rechtsbürgerlichen einen zusätzlichen Sitz im Bundesrat zuzugestehen, findet so mancher in der SP-Fraktion.

Gefallen an «neuer Zauberformel»

Mehr Glück könnte ein Bundesratskandidat Zuppiger gegen FDP-Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann haben. Viele Sozialdemokraten finden Gefallen an der «neuen Zauberformel», die zwei Sitze für die SVP, zwei für die SP und drei für die Mitte inklusive FDP vorsieht. Abgeschrieben ist Schneider-Ammann bei den Sozialdemokraten aber noch nicht: «Wir werden die Hearings abwarten», heisst es aus der Fraktion. Zudem sei ja nicht klar, ob die SVP die FDP überhaupt angreifen werde. Diesbezüglich hat sich die SVP tatsächlich noch nicht für eine Strategie entschieden, wie Generalsekretär Martin Baltisser sagt.

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