Die Rolle der Schweiz sei eine andere als jene der EU und der USA, sagte Levrat in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". "Sie ist in der Lage, als Vermittlerin aufzutreten. Darum sollte sie sich nicht den Sanktionen anderer Länder anschliessen, bei allem Verständnis für diese Reaktion."

Die Schweiz schloss sich bislang nicht der EU und den USA an, welche gegen mehrere Dutzend Russen Einreisebeschränkungen und Kontensperrungen verhängten.

Hinter einem Verzicht auf Sanktionen sollten aus Levrats Sicht aber nicht wirtschaftliche Interessen stehen - im russischen Gasgeschäft nimmt die Schweiz eine wichtige Rolle ein.

Für Levrat stellt der Sanktionsverzicht einen "Beitrag an Frieden und Stabilität innerhalb der OSZE" dar.

Entscheidung am Mittwoch?

Die Schweiz wird sich nächste Woche dazu äussern müssen. Laut "Schweiz am Sonntag" wird sich die Regierung  an ihrer Sitzung am Mittwoch mit dem Thema befassen. Ein Papier ist in Vorbereitung.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich die Regierung - trotz Levrats Kritik - zu Massnahmen durchringen wird. «Wir werden wohl etwas tun müssen, wohl in Anlehnung an die EU», heisst es im Umfeld eines bürgerlichen Bundesrats.

Die EU hat Einreise- und Kontensperren gegen insgesamt 33 Personen erlassen, unter ihnen der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin und Putin-Berater Sergej Glasjew. Die US-Sanktionen zielen direkter auf Putin-Leute.

Bürgerliche Beobachter nehmen an, dass sich Innenminister Alain Berset und Justizministerin Simonetta Sommaruga (beide SP) «wie immer» für Massnahmen aussprechen.

Auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) wird nachgesagt, sie wolle ein Zeichen setzen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) hat bereits das Freihandelsabkommen mit Russland auf Eis gelegt. Vom Berner ist bekannt, dass er an den reichen Russen nicht nur Freude hat, die mit ihren Millionen aus bisweilen zweifelhafter Herkunft beträchtliche Teile des Berner Oberlands aufgekauft haben.

Speziell im Clinch ist Bundespräsident Didier Burkhalter (FDP), der auch als amtierender Präsident der OSZE daran interessiert ist, im Krim-Konflikt möglichst neutral aufzutreten, um die erhoffte Mittlerrolle nicht zu gefährden. Im Dilemma steckt der Bundesrat auch, weil die Oligarchen und ihre Millionen in der Schweiz bereits Wurzeln geschlagen haben.