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SP-Hämmerle über Schlumpf: «Leistungen sprechen für Wiederwahl»

Er war der Mann, der BDP-Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf zur Wahl in den Bundesrat verhalf. Nun sind die Wahlchancen der Bündnerin nach dem Rücktritt von Calmy-Rey dramatisch gefallen. Das beunruhigt SP-Mann Andrea Hämmerle nicht.

Gieri Cavelty
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SP-Nationalrat Andrea Hämmerle (Archiv)

SP-Nationalrat Andrea Hämmerle (Archiv)

Keystone

Herr Hämmerle, Sie sind so etwas wie der Götti von Eveline Widmer-Schlumpf...

Andrea Hämmerle: Eveline Widmer-Schlumpf braucht keinen Götti. Was aber stimmt: Ich habe bei ihrer Wahl in den Bundesrat eine Rolle gespielt.

Jetzt müssen Sie um ihre Wiederwahl bangen.

Drei Monate vor den Bundesratswahlen lassen sich keine Prognosen stellen. Aber ja: Die Situation ist sehr unübersichtlich.

Diese Unübersichtlichkeit könnte dazu führen, dass die SP am Ende den sichersten Weg wählt. Und der sicherste Weg, um den zweiten Sitz im Bundesrat zu halten, führt über das Opfer von Widmer-Schlumpf.

Die SVP spricht zwar immer von Konkordanz. Tatsächlich hat sie uns in den letzten Wahlen aber nie unterstützt. Der letzte Angriff auf die SP liegt kein Jahr zurück. Vor diesem Hintergrund ist die jetzige Drohung nichts Neues, und die SP braucht sich davon nicht kopfscheu machen zu lassen.

Bei der letzten Ersatzwahl konnte die SP auf den Support der Mitteparteien setzen. Am 14. Dezember ist diese Unterstützung keinesfalls mehr so sicher.

Die Mitteparteien müssen in der Tat Farbe bekennen. Ich verstehe nicht, warum die FDP immer blindlings der SVP folgt, obschon keine Partei von der SVP derart gedemütigt wurde.

Fürchten Sie nicht, dass die Mitteparteien empfänglich für eine Übereinkunft mit der SVP sind und eine Mitte-Rechts-Regierung gezimmert wird - mit Widmer-Schlumpf aber ohne zweiten SP-Vertreter?

Es hat immer Versuche gegeben, die SP und ihre zwei Sitze anzugreifen. Bis jetzt war das nie erfolgreich. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass eine Mehrheit die SP im Bundesrat schwächen will. Ich möchte an dieser Stelle aber doch noch einmal über Widmer-Schlumpf sprechen...

... deren Götti Sie nun einmal sind.

Für mich sind Bundesräte keine Wegwerfartikel. Man muss ihre Arbeit anschauen, und in dieser Hinsicht ist Eveline Widmer-Schlumpf zumindest nicht abgefallen. Ihre Leistungen sprechen klar für eine Wiederwahl.

Sie sprechen von Leistungen. Tatsächlich hat sich Widmer-Schlumpf doch einfach bei der SP angebiedert.

Das bestreite ich vehement. Gerade als Justizministerin hat sie den Linken inhaltlich wenig Freude gemacht. Sie betreibt eine kompetente bürgerliche Politik.

Sie treten am 23. Oktober nicht mehr zur Wahl an. Inwiefern können Sie sich dennoch für eine Wiederwahl von Widmer-Schlumpf engagieren?

Ich bin bis zum 1. Dezember Mitglied der SP-Fraktion. In dieser Zeit werde ich mich natürlich für sie einsetzen. Es ist ja so, dass die SVP Eveline Widmer-Schlumpf ausgeschlossen hat. Das ist doch kein Grund, dass sie alle anderen nun ebenfalls ausschliessen.

In der SP gibt es gleichwohl Leute, die zu einer Abwahl tendieren.

Die Fraktion hat dieses Geschäft zwar noch nicht besprochen. Das geschieht frühestens im November. Ich kann mir aber schlecht vorstellen, dass die SP-Fraktion Eveline Widmer-Schlumpf nicht wiederwählen wird.

Und wenn es für die SP auf ein Entweder-Oder hinausläuft: Eveline Widmer-Schlumpf oder der zweite SP-Sitz?

Dieser Gedanke ist unsinnig. Es gibt keinen Wahlgang, in welchem Eveline Widmer-Schlumpf gegen einen SP-Kandidaten stehen wird.
Widmer-Schlumpf bleibt also, und der zweite Sitz für die SP ist ebenfalls unbestritten.

Ist es möglich, dass sich die SP mit der SVP arrangiert, und die FDP ihren zweiten Sitz verliert?

Bei Bundesratswahlen spielen viele Faktoren mit. Ich will mich jetzt aber nicht in Spekulationen ergehen. Am 14. Dezember spielt die Stärke der Parteien eine Rolle, ebenso aber auch die Qualität der Kandidaten.

Was sagen Sie zur Qualität der FDP-Bundesräte?

Im Augenblick sind beide schwach.

Noch einmal: Ist es grundsätzlich möglich, dass sich die SP mit der SVP arrangiert?

Ich habe diese Frage bereits beantwortet und lasse mich nicht aufs Glatteis führen.

Am Schluss wird sich an der Zusammensetzung des Bundesrates also nichts ändern.

Ich bin Politiker, nicht Prognostiker. Das ist aber sehr gut möglich. Und es wäre auch nicht die schlechteste Aussicht.

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