Islamdebatte
SP-Chef Levrat fordert demokratischen Schweizer Islam

Levrat ist mit seinen Sozialdemokraten daran, eine Roadmap zu einem Schweizer Islam zu entwickeln.

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SP-Präsident Christian Levrat und seine Partei wollen die muslimischen Religionsgemeinschaften in der Schweiz in die Pflicht nehmen und sie als Religionsgemeinschaften wie Katholiken und Reformierte anerkennen, wie er im Interview mit der SonntagsZeitung sagt. Levrat ist mit seinen Sozialdemokraten daran, eine Roadmap zu einem Schweizer Islam zu entwickeln. «In Zusammenarbeit mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft und Religionswissenschaftlern haben wir Pläne für einen Schweizer Islam entwickelt, sagt Levrat. In der Roadmap soll definiert werden, welche Rechte und Pflichten muslimische Glaubengemeinschaften haben sollen. Grundsätzlich sollen Muslimvereine demokratisch und transparent organisiert sein, sich zu einem modernen Islam und den Menschenrechten bekennen. Im Gegenzug erhielten sie das Recht, Steuern einzuziehen und offiziell Religionsunterricht zu erteilen. «Der Islam gehört zur Schweiz», stellt Levrat klar: «Deshalb braucht es jetzt eine Normalisierung des Verhältnisses.» Ziel sei die Integration eines zeitgemässen Islams, der «neben unseren Landeskirchen als gleichwertige Religion anerkannt werden kann».

Die Pläne der SP-Spitze sind laut Levrat die Reaktion auf zwei ideologische Kämpfe: «Erstens auf den politischen Islam, der Ziele hat, denen wir uns entgegenstellen müssen. Und zweitens ist es eine Reaktion auf den ideologischen Kampf, der von unserer politischen Rechten geführt wird.» Diese Rechte in der Schweiz versuche, ein identitätsstiftendes Projekt auf Basis von Islamfeindlichkeit aufzubauen. CVP-Chef Gerhard Pfister und rechtere Leute, also die Rechtskonservativen insgesamt, wollten etwas fortführen, das vor langer Zeit einmal Franz Josef Strauss in Bayern erfunden hat. «Pfister macht auf Strauss», betont Levrat. Er versuche, ihn mit seiner europäisch-christlichen Leitkultur nachzuahmen. Doch der Zuger sei unglaubwürdig, weil er von einer Leitkultur ausgeht, die sich gegen fünf bis zehn Prozent unserer Bevölkerung richte.

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