Zumindest im Berner Rathaus war kurz vor der Bekanntgabe der Wahlergebnisse für den Regierungsrat kein Durchkommen mehr. Schon bevor die Resultate aus dem zehnten und letzten Verwaltungskreis vorlagen, war klar, wer das Rennen machen würde und so wurden die bisherigen und die designierten Mitglieder der Berner Kantonsregierung schon vor dem offiziellen Endergebnis allenthalben beglückwünscht und mit Küsschen und Blumen überhäuft.

Halbherziger Angriff

Überraschungsfrei waren die Wahlen deshalb, weil einzig die SP einen Angriff auf den von der SVP gehaltenen garantierten Sitz des Berner Juras wagte. Das rotgrüne Lager hatte die Machtverhältnisse im Kanton also nur halbherzig in Frage gestellt Die anderen Parteien beschränkten sich auf den Erhalt ihrer Sitze.

Den Jurasitz in der Berner Regierung hält SVP-Mann Pierre Alain Schnegg. Mit seiner forschen Gangart in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat er sich vor allem im links-grünen Lager Feinde geschaffen. "Schnegg muss weg", tönte es vergangen Woche an einer Kundgebung gegen Kürzungen in der Sozialhilfe vor dem Berner Rathaus.

Ins Rennen gegen Schnegg schickte die SP alt Grossrat Christophe Gagnebin. Doch Gagnebin (75'785 Stimmen) konnte Schnegg (97'051 Stimmen) nur in den Städten Bern und Biel schlagen. Im Berner Jura verlor Gagnebin auch noch Stimmen an die Kandidatin der linken, projurassischen PSA, Maurane Riesen (26'002 Stimmen).

Schnegg verteidigte seinen Sitz souverän. "Nun kann ich meine Projekte weiterziehen", freut sich Schnegg nach der Wahl. Herausforderer Gagnebin hätte sich ein paar tausend Stimmen mehr erhofft, wie er der Nachrichtenagentur sda sagte.

"Wir habe gewusst, dass es schwierig würde", räumte SP-Parteipräsidentin Ursula Marti ein. Doch die SP habe eine Alternative zu Schnegg bieten wollen.

Zwei Nationalrätinnen im Glück

SP und Grüne hatten je einen Sitz neu zu besetzen. Erwartungsgemäss sicherten sich die beiden Nationalrätinnen Evi Allemann (SP/99'902 Stimmen) und Christine Häsler (Grüne/98'428 Stimmen) die beiden Mandate.

Sie freue sich auf das zu einem Gutteil neu zusammengesetze Regierungsteam, sagte Allemann. Häsler bezeichnete ihren Einzug in die Berner Regierung als "grosses Geschenk". Sie werde diese grosse Aufgabe mit Respekt und Demut angehen.

Dritter Regierungsneuling im Bunde ist FDP-Grossrat Philippe Müller (98'931 Stimmen). Auch seine Wahl in die Exekutive war erwartet worden. Er freue sich, dass die Berner Regierung in bürgerlicher Hand bleibe - und natürlich über sein gutes Resultat, sagte Müller.

Endlich Freude

Von den Bisherigen schafften alle vier die Wiederwahl. Das beste Ergebnis erhielt Beatrice Simon (BDP/126'207). Ihr war dieses Kunststück schon vor vier Jahren gelungen. Damals konnte sie sich aber über das gute Abschneiden nicht freuen, weil ihre Partei bei den Parlamentswahlen die Hälfte der Sitze einbüsste. Dieses Mal könne sie sich nun richtig freuen, sagte Simon. Bei den Parlamentswahlen sehe es dieses Mal besser aus.

Das zweitbeste Ergebnis erzielte Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP/118'757 Stimmen). Auch er freut sich selbstverständlich über das gute Abschneiden.

Auf dem dritten Rang landete Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus (SVP/110'792 Stimmen). Eine Medaille könne man sich aber nur für einen Tag umhängen, danach gehe es wieder an die Arbeit, kommentierte Neuhaus sein Abschneiden.

Noch zu reden geben dürfte die künftige Direktionsverteilung. Am Sonntag hielten sich insbesondere die Neugewählten bedeckt und zeigten sich "offen für jede Direktion".

Vier zu drei

Nach den Regierungsratswahlen vom Sonntag verfügen die Bürgerlichen weiterhin über vier Sitze. Das rotgrüne Lager muss sich weiter mit drei Sitzen begnügen. Die Blöcke bleiben also unverändert, und auch parteipolitisch gab es keinerlei Änderungen: 2 SVP, 2 SP, 1 BDP, 1 Grüne, 1 FDP.

Schwach war einmal mehr die Stimmbeteiligung. Sie betrug 29,5 Prozent, wie die Staatskanzlei mitteilte.