Schweiz

Sozialpartner begrüssen Corona-Notpaket – und fordern einfache Umsetzung

Gesundheits- und Kulturminister Alain Berset (r.) spricht an der Seite von Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Freitag in Bern vor den Medien.

Gesundheits- und Kulturminister Alain Berset (r.) spricht an der Seite von Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Freitag in Bern vor den Medien.

Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften sind fürs Erste zufrieden mit dem Hilfspaket über 32 Milliarden Franken. Auch Kulturschaffende und die Post atmen ein auf: Dank Entschädigungen und Sonntagslieferungen.

(sat) Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) nennt das am Freitag vom Bundesrat in Bern vorgestellte Corona-Notpaket einen «wichtigen Schritt». Doch die Lage für die Erwerbstätigen bleibe «sehr angespannt», hält der SGB in einer Mitteilung fest. Wichtige Forderungen seien mit den Erleichterungen bei der Kurzarbeit sowie den neuen Sicherheiten für erwerbstätige Eltern beim Kinderhüten fürs Erste erfüllt. Damit seien «die Einkommen von vielen Berufstätigen gesichert», bilanziert der SGB.

Auch Travailsuisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst das Hilfspaket des Bundes über 32 Milliarden Franken. Dieses sei «ein wichtiges Signal». Damit gehe die Landesregierung nach Notmassnahmen «endlich auch entschieden gegen die negativen Auswirkungen der Krise auf dem Arbeitsmarkt» vor.

Der Gewerkschaftsbund kritisiert jedoch, in den «meisten Branchen» fehlten Strukturen, um die Umsetzung der Hygiene- und Social-Distancing-Empfehlungen des Bundes zu kontrollieren. Der SGB habe zusammen mit dem Arbeitgeberverband «wiederholt» – bisher aber «leider erfolglos» – bei Wirtschaftsminister Guy Parmelin vorgesprochen. Ziel von Gewerkschaftern und Arbeitgebervertretern wäre eine tripartite Krisenorganisation auf Bundesebene wie in vielen Kantonen.

Hilfspaket wird von Wirtschaft unterstützt

Positiv sind auch die Reaktionen der Wirtschaftsverbände. Aus Sicht von Economiesuisse ist der Entscheid des Bundesrates die «richtige Antwort auf die Herausforderungen der Pandemie» und ein «wichtiges Signal an die Wirtschaft». Für den Arbeitgeberverband hat die Sicherstellung der Liquidität in den Unternehmen nun «oberste Priorität». So könnten «noch gravierendere volkswirtschaftliche Schäden verhindert» werden.

In seltener Einigkeit begrüsst auch der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) das vom Bundesrat beschlossenen Corona-Notpaket. «Mit den konkreten Massnahmen setzt der Bundesrat das ‹KMU first›-Prinzip um, wie es der SGV verlangte.» Kleine und Mittlere Unternehmen und insbesondere Kleinstunternehmen könnten dank dem milliardenschweren Fonds «rasch Liquidität erhalten, auf die sie heute angewiesen sind».

Der SGV begrüsst zudem explizit die Ausweitung des Anspruchs auf Kurzarbeit. Ganz besonders unterstützt der Gewerbeverband dass nun auch für Lehrlinge Kurzarbeitsentschädigungen beantragt werden dürfen. Dass neu auch Selbständigerwerbende und Inhaber Unterstützung beantragen können, helfe den kleinen und Kleinstunternehmen.

Kulturschaffende fürs Erste zufrieden

Die Kulturschaffenden und Veranstalter bedankt sich via ihre Dachorganisation Suisseculture beim Bundesrat für die getroffenen «Notfallmassnahmen zur Rettung der Branche». Dennoch werde es «selbst bei optimistischer Betrachtung ein bis zwei Jahre» dauern, bis die Akteure wieder den Stand vor der Corona-Krise wieder erreicht hätten, steht in einer Mitteilung. Der Bundesrat habe jedoch mit den gesprochenen 280 Millionen Franken «klar gemacht», dass er die Hilferufe der Kulturschaffenden und Veranstaltenden «gehört hat».

Die Post wiederum zeigt sich erfreut darüber, dass sie nun auch sonntags Päckli zustellen darf. Der Bundesrat hat ihr mit allen übrigen Paketdiensten diese Sonderbewilligung für Lebensmittel erteilt, damit Menschen aus der Risikogruppe beim Einkaufen weniger exponiert seien. Die A-Post dagegen wird künftig nicht mehr zwingend am Folgetag zugestellt, sondern laut Post nur noch «so schnell als möglich». Auch dies hat der Bundesrat am Freitag entschieden.

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