Wirtschaft
Soziale Unruhen: Wirtschaftsführer kontert Soziologen

Soziologe Ueli Mäder macht Top-Manager für künftige Demonstrationen verantwortlich. Die Wirtschaft weist den Vorwurf, soziale Unruhe zu schüren, derweil von sich.

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Brady Dougan (Archiv)

Brady Dougan (Archiv)

Keystone

Vasilije Mustur

Diese Woche lancierte Ueli Mäder - Soziologieprofessor an der Uni Basel - im Gespräch mit «a-z.ch» den Grossangriff auf Schweizer Konzerne. In seinen Augen würden UBS, Credit Suisse und co. mit ihren exzesiven Boni mögliche sozialen Unruhen provozieren.

Diesen Vorwurf will der Urs Furrer vom Wirtschaftsdachverband «economiesuisse» auf Anfrage vehement von sich. «Der Staat wird mehrheitlich von Unternehmen und einer kleinen Minderheit von Privatpersonen finanziert. Unternehmen und die 20 Prozent Privatpersonen des oberen Segments erbringen zusammen 60 Prozent aller Ausgaben der öffentlichen Haushalte und Sozialversicherungen. Dabei ist das obere Segment der Privatpersonen die wichtigste Finanzierungsquelle der öffentlichen Haushalte und die Unternehmen sind die grössten Beitragszahler der öffentlichen Sozialversicherungen.»

Ausserdem betont Furrer im Gespräch mit «a-z.ch», dass «economiesuisse» für Firmen gute Rahmenbedingungen und den Erhalt der Standortattraktivität sicherstellen wolle und damit den sozialen Frieden gewährleiste. «Erfolgreiche und starke Unternehmen sind der Garant für Arbeitsplätze und Wohlstand in der Schweiz». Zu den Boni-Exzessen sagt Furrer nur: «Wichtig ist, dass variable Leistungslöhne nachvollziehbar sind und auf langfristigen Erfolg ausgerichtet sind».

«A-z.ch» konfrontierte neben «economiesuisse» auch die UBS, Credit Suisse, Nestlé, Novartis und Swiss Re mit den Ansichten des Soziologen. Die UBS wollte die «persönliche Meinung» von Herrn Mäder nicht kommentieren, die Pressestelle des Rückversicherers Swiss Re war trotz mehrfachen telefonischen Anfragen für eine Stellungnahme nicht erreichbar und der Pharmariese Novartis reagierte auf die schriftliche Anfrage nicht. Darüber hinaus verweist die Credit Suisse auf frühere Aussagen ihrer Führungscrew. Nur Nestlé wollte sich zur sozialen Debatte äussern. «Nestlé's Vergütungspolitik verfolgt einen verantwortungsbewussten, pragmatischen Ansatz. Sie wurde vom Verwaltungsrat verabschiedet und von einem unabhängigen Vergütungskommitee definiert». Zudem basiere das Vergütungssystem auf Fakten wie Wachstums- und Rentabilitätszielen und der erfolgreichen Erlangung persönlicher Zielvorgaben. Der Verwaltungsrat sei der Ansicht, dass dieses System den Ansprüchen - die Wettbewerbsfähigkeit oder der Notwendigkeit, die Loyalität des Managements zu gewährleisten und gleichzeitig vernünftig und verantwortungsvoll zu handeln - genüge.

«Die Entlöhnung besteht deshalb einerseits aus einer Grundentlöhnung, welche auf spezifische Zielvorgaben beruhend an ein jährliches kurzfristiges Bonusssystem gekoppelt ist und andererseits aus einem langfristigen Leistungsanreiz, bestehend aus Belegschaftsaktien und -Optionen». Zu guter Letzt sei der Vergütungsbericht Teil des jährlichen Geschäftsberichtes öffentlich einsehbar. Darüber hinaus lasse NestLö seit letztem Jahr die Aktionäre auf freiwilliger Basis über die Löhne abstimmen.

«Generell ist es schon so, dass finanzielle Anreize in der Branche eine wesentliche Rolle spielen. Aber wenn das der einzige Grund ist, weshalb einer bei uns arbeitet, dann dürfte seine Lebensbefriedigung sehr beschränkt sein». CS-Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Dörig im Interview mit der «NZZ».

«Zunächst sollten wir in der Schweiz schon etwas stolz darauf sein, dass wir diverse globale Unternehmen beheimaten...Vergessen geht dabei, dass weniger als fünf Prozent aller Unternehmen total mehr als 90 Prozent aller Unternehmenssteuern bezahlen. Und dass die kleineren, binnenwirtschaftlichen Firmen zu einem grossen Teil abhängig sind von den international tätigen orientierten Unternehmen». Eine weitere Aussage von Dörig im selben Interview.

«Wir sind der Meinung, dass es in unserer Branche ein Umdenken bei der Vergütungspolitik braucht. Die Vergütungsstruktur der Credit Suisse spiegelt unser Engagement für eine verantwortungsvolle, ausgewogene und leistungsorientierte Vergütungspolitik». Dörigs Aussage über die Boni im CS-Geschäftsbericht 2009.

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