Langer Mantel, Sonnenbrille und mit einem Fotoapparat bewaffnet: So stellen sich wohl viele die Leistungsabklärer vor, wie die Sozialdetektive im Baselbiet heissen. So ist es aber nicht. «Die Leistungsabklärer zeigen sich offen den Klienten und ermitteln in keinster Weise im Versteckten», sagt Werner Spinnler. Der Präsident des Verbands für Sozialhilfe Baselland betont, dass die Leistungsabklärer nur eingesetzt werden, wenn ein Verdacht besteht.

Die Arbeit der Abklärer werde so selten gebraucht, dass die Kosten nicht stark ins Gewicht fallen. «Ein regelmässigerer Einsatz von Leistungsabklärern bringt es nicht, weil nur bei wenigen Sozialhilfe-Empfängern ein Verdacht besteht.»

Schwarzarbeit im Fokus

Vom Nachbarkanton Basel-Stadt inspiriert, kamen die Leistungsabklärer vor drei bis vier Jahren auch ins Baselbiet. Die Reinacher Sozialhilfebehörde war eine der ersten, die sie einsetzte. Lilly Senn, die damalige Präsidentin, erinnert sich: «Erste Verdachtsmomente kamen auf, als zum Beispiel einzelne unterstützte Personen mit teuren Markenkleidern aufgefallen sind oder man Hinweise erhielt, dass eine Person täglich um die gleiche Zeit das Haus verlässt. Das deutet auf Erwerbsarbeit.»

Lilly Senn und ihre Kolleginnen und Kollegen wollten diesen Verdächtigungen nachgehen. «Wir sind es dem Steuerzahler schuldig, das Möglichste gegen Missbräuche zu tun.» Laut Senn wurden damals von den etwa 260 Sozialhilfe-Empfängern fünf Personen kontrolliert. Bei zwei oder drei war der Verdacht berechtigt: Sie gingen einer Erwerbstätigkeit nach, deklarierten das Einkommen nicht oder wohnten nicht am gemeldeten Ort.

Mehr Missbräuche bei der IV

Weit grösser als Schwindeleien bei der Sozialhilfe ist das Problem von Missbräuchen bei der Invalidenversicherung (IV). Der Grund, warum bei der IV mehr Fälle auftreten, ist Lilly Senn klar: «Die Arbeit der Sozialarbeitenden mit den Klienten ist bei der IV weit weniger intensiv als bei der Sozialhilfe.»

So finden bei der IV nur alle paar Jahre neue Abklärungen statt. Das sei viel zu selten, um einen Missbrauch aufzudecken, sagt die Fachfrau. Werner Spinnler stimmt zu. Bis jemand Sozialhilfe bekomme, müsse er sich praktisch «bis auf die Unterhosen ausziehen». Dazu gehöre eine regelmässige Kommunikation mit den unterstützten Personen, das Vorlegen der Steuererklärungen und die Bankauszüge aller Personen, die im gleichen Haushalt lebten.

Vorbeugende Wirkung

Die Leistungsabklärer sollen auch präventiv wirken. Wenn die Klienten wissen, dass sie kontrolliert werden könnten, sei die Hürde für potenzielle Betrüger höher. Lilly Senn hat dieses Mittel taktisch klug eingesetzt: «Genau aus diesem Grund haben wir den Einsatz der Leistungsabklärer damals öffentlich gemacht. Prompt haben sich zwei Klienten gemeldet und auf weitere finanzielle Unterstützung verzichtet.»

Für Werner Spinnler und Lilly Senn ist klar: Vertrauen zwischen Sozialhilfebehörde und Empfänger ist die Grundlage, um Missbräuche zu verhindern.