Dietikon

Sozialamt sanktionierte doppelt so viele Klienten

Johannes Felber: Der Sozialvorstand wurde im Jahr 2002 für die CVP in den Stadtrat gewählt. 2006 erfolgte die Wiederwahl. Zwischen 1995 und 1998 sass er im Dietiker Gemeinderat. (mke)

Johannes Felber

Johannes Felber: Der Sozialvorstand wurde im Jahr 2002 für die CVP in den Stadtrat gewählt. 2006 erfolgte die Wiederwahl. Zwischen 1995 und 1998 sass er im Dietiker Gemeinderat. (mke)

Der Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber zeigt sich mit der strengeren Gangart der Sozialabteilung und dem Sozialinspektor zufrieden.

Jürg Krebs

Die Zahl der Sanktionen des Dietiker Sozialamts stieg 2008 um 100 Prozent. Umgekehrt sank die Zahl der Gesuche. Und der Sozialinspektor tut seine präventive Wirkung, wie Sozialvorstand Johannes Felber erklärt.

Herr Felber, der Sozialinspektor bekam 2008 vier Fälle zur Abklärung, wie im Geschäftsbericht der Stadt Dietikon nachzulesen ist. Das scheint wenig bei 1139 Personen und Familien, die Unterstützung erhielten, und 203 neuen Fällen. Was ist der Grund dafür?

Johannes Felber: Der Sozialinspektor kommt dann zum Einsatz, wenn aufgrund eines Verdachts, der vom Klienten nicht ausgeräumt werden kann, zusätzliche Abklärungen nötig werden. Mit den neuen Strukturen und der personellen Aufstockung ist die Fallzahl pro Beraterin beziehungsweise Berater gesunken. Die Klienten können intensiver betreut werden.

Wie wirkt sich dies auf die Arbeit des Sozialamtes aus?
Felber: Dies hat Auswirkungen sowohl für die Integrationsleistung, als auch für die Informationsbeschaffung bei Verdacht auf unrechtmässiges Verhalten. Die Sozialberatung ist heute selber vermehrt in der Lage, den Sachverhalt ohne zusätzliche verdeckte Ermittlung zu klären. Eine Sanktionierung oder Strafanzeige kann in diesen Fällen direkt eingeleitet werden.

Bei einem Fall zogen die von der Untersuchung betroffenen Personen weg - und entzogen sich somit der Untersuchung? Zeigt dieser Fall die Grenzen auf, die dem Sozialamt und dem Sozialinspektor gesteckt sind?
Felber: Die Betroffenen entzogen sich nicht der Untersuchung, da sie erst nach dem Einsatz von SoWatch wegzogen. Sie kamen lediglich nicht zum Gespräch. Doch Strafanzeige konnte trotzdem erhoben werden.

Lediglich vier Fälle für den Sozialinspektor - sind Sie froh, dass die Stadt keinen eigenen Sozialdetektiv angestellt hat, sondern auf die externe Lösung setzte?
Felber: Ja, aus zwei Gründen. Für die Erhärtung eines Missbrauchsverdachts ist die Qualität der Ergebnisse massgebend, damit diese rechtlich verwertbar sind. Eine externe Stelle, welche für verschiedene Gemeinden Aufträge ausführt, kann diese Qualität aufgrund der Erfahrung besser sichern, als wir dies können. Zweitens ist die externe Abklärung in der bestehenden Struktur solange günstiger, als die Häufigkeit der Abklärungen nicht steigt. Ein Anstellungsverhältnis lohnt sich zurzeit nicht.

Im Geschäftsbericht ist von der Präventivwirkung des Sozialinspektors die Rede: Ist dies ein Grund dafür, dass die Gesuche von 391 Fällen (2007) auf 322 (2008) abgenommen haben?
Felber: Wir gehen von einer präventiven Wirkung aus. Zahlen dazu sind jedoch schwierig zu ermitteln. Grundsätzlich kann die Fallzahl nur reduziert werden, wenn auf dem Arbeitsmarkt für unsere Klientel Stellen zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr lief die Wirtschaft noch bis Herbst sehr gut, was sicher wesentlich zur Reduktion der Fallzahlen beigetragen hat. Als Leistung der Sozialabteilung kann in Anspruch genommen werden, dass mit den neuen Strukturen einerseits die Integrationsleistung verbessert werden konnte. Andererseits konnten aber auch durch das neue Aufnahmeverfahren vermehrt Personen abgewiesen oder bereits schnell wieder abgelöst werden.

Das Sozialamt hat 2008 in 49 Fällen Sanktionen verhängt. Im Jahr davor waren es 24 Fälle. Das macht eine Steigerung von rund 100 Prozent aus. Ist das Dietiker Sozialamt strenger geworden?
Felber: Die Betroffenen werden enger betreut. Einige mögen dies als strenger werten und das ist erwünscht. Die Meisten jedoch wollen eine Arbeit und schätzen die Unterstützung bei der Reintegration in den Arbeitsmarkt.

Die Umstellung des Sozialamts auf die Fallsteuerung: Hat sie die erhoffte Kontrolle und Steuerung gebracht?
Felber: Die neuen Strukturen in der Sozialhilfe waren nötig, um die personelle Entwicklung aufzufangen, die einheitliche Fallführung zu sichern und Kernkompetenzen zu schaffen. Ebenfalls wichtig war die Trennung zwischen Aufnahmeverfahren und Betreuung der Klientinnen und Klienten.

Worin liegt der Vorteil?
Felber: Mit der Einführung definierter Prozesse für die Kernaufgaben ist sowohl die einheitliche Fallführung als auch die Kontrolle der Wirkung erbrachter Leistungen besser gewähr-
leistet.

Die Sozialbehörde erhielt neue Aufgaben.
Felber: Nebst der Prüfung von Einzelfallanträgen nimmt sie neu eine generelle Fallkontrolle vor. Sie erfüllt dabei die Rolle der Qualitäts- beziehungsweise Wirkungskontrolle. Die Resultate der Kontrollen fliessen in einem geregelten Verfahren in die Abläufe ein und sollen sicherstellen, dass die internen Prozesse der Entwicklung in der Sozialhilfe folgen.

Wie sieht die Zukunft der Dietiker Sozialhilfe angesichts der schlechten Wirtschaftsprognosen aus?
Felber: Die Sozialhilfe kann auch mit den neuen Strukturen keine Stellen schaffen. Sie kann jedoch immer wieder Anstrengungen unternehmen, den aktuellen Entwicklungen zu folgen, damit die eingesetzten Mittel einerseits nicht missbräuchlich verwendet werden und andererseits die unter den gegebenen Umständen bestmögliche Integrationsleistung erbracht wird. Dieses Ziel haben wir erreicht. Wir sind uns jedoch bewusst, dass aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage neue Herausforderungen bevorstehen.

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