Massnahme
Sondersetting Segelschiff: Renitenter Jugendlicher segelt für 150 000 Franken

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) steht erneut in der Kritik. Sie hat einen widerspenstigen 14-Jährigen für mindestens 40 Wochen auf eine Segelschiff geschickt. Kostenpunkt 430 Franken pro Tag, ohne Nebenkosten. Die Mutter wehrt sich.

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Das Jugendschiff Salomon

Das Jugendschiff Salomon

jugendschiffe.ch

Die Geschichte von M. H. erinnert an den«Fall Carlos», dessen Sondersetting inkl. Thai-Box-Unterricht die Volksseele zum brodeln brachte. Der 14-Jährige M. aus Schmerikon kommt hingegen in den Genuss einer ganz anderen Massnahme: Er befindet sich derzeit auf dem Segelschiff «Salomon», wo verhaltensauffällige Jugendliche ihr Leben wieder ins Lot bringen sollen.

Jugendschiff Salomon

Auf dem Dreimast-Segelschoner «Salomon» gibt es einen strikten Tagesablauf und fixe «Ämtli». Der Tag beginnt um 7 Uhr mit Morgensport und endet um 22 Uhr mit der Nachtruhe. Am Vor- und Nachmittag besuchen die Jugendlichen die Schule oder eine Arbeitstraining. Nachts werden die Jungen in Wachdienste eingeteilt. Am Wochenende gibt es diverse Freizeitmöglichkeiten, wie ein Blick in den Schiffsblog zeigt. Dazu gehören Video-Spiele, Fussball oder Quadfahren am Strand. Im Moment ankert die «Salomon» bei den Kapverdischen Inseln im Atlantik.

Diese belaufen sich auf gemäss Broschüre auf 430 Franken täglich. Der Mindestaufenthalt in der «Lebensschule» auf hoher See liegt bei 40 Wochen. Wie die Zeitung schreibt, könnte der Segeltörn im M's Fall ein ganzes Jahr dauern, weil er kaum Fortschritte mache. Alles in allem dürfte das Segelsetting damit über 150'000 Franken kosten.

Dafür soll nun M's alleinerziehende Mutter aufkommen, die selbst teilweise Sozialgeld bezieht. Letzten Endes dürften also die Steuerzahler die Rechnung für M's Aufenthalt auf dem Segelschiff begleichen.

M.'s Mutter kämpft auf juristischem Weg um ihren Sohn. Jüngst ist sie vor der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen abgeblitzt. Bis auf weiteres darf sie mit M. nur einmal pro Woche telefonieren, für höchstens 20 Minuten. (cze)