Pro und Kontra

Sollen die Laufzeiten der Schweizer AKW begrenzt werden?

Funktioniert die Schweizer Energieversorgung ab 2029 auch ohne Atomstrom?

Funktioniert die Schweizer Energieversorgung ab 2029 auch ohne Atomstrom?

Am 27. November entscheidet die Stimmbevölkerung, ob bis ins Jahr 2029 alle Schweizer Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen. Zwei Nationalräte kreuzen jetzt schon die Klingen.

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Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich, sondern auch völlig unrentabel. Je länger sie laufen, desto grösser werden die Risiken. Die Initiative für einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie setzt klare Fristen. Sie ergänzt die Energiestrategie des Bundes und schafft Versorgungssicherheit ohne AKW.

Das Parlament hat im Herbst die Energiestrategie 2050 verabschiedet. Sie wird über alle Parteigrenzen hinaus unterstützt und bringt einen Schub für die Solar- und Windenergie. Der wichtigste Punkt bleibt indes ungelöst: Es fehlt ein Plan für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie. Zwar wurde nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ein Neubauverbot für AKW beschlossen. Doch die Stilllegung der bestehenden Anlagen ist ins Stocken geraten. Das ist brandgefährlich, denn in der Schweiz stehen die ältesten Atomkraftwerke der Welt.

Die Alterung führt bei den AKW immer wieder zu Betriebsausfällen. Zentrale Elemente wie der Reaktordruckbehälter können nicht ersetzt werden und sind extremen Belastungen ausgesetzt. Im Durchschnitt werden Atomkraftwerke deshalb weltweit nach rund 26 Jahren stillgelegt. Nicht so in der Schweiz. Hier gibt es erst für das AKW Mühleberg (aktuell 44 Jahre alt) einen Ausstiegsentscheid. Das AKW Beznau dagegen soll nach einer Pannenserie und 47 Betriebsjahren unbefristet weiterlaufen. Nur die Initiative für den geordneten Ausstieg kann dieses riskante Experiment noch stoppen. Sie legt eine maximale Laufzeit von 45 Jahren fest.

Atomkraftwerke sind nicht nur eine Gefahr für die Bevölkerung, sondern auch ein Verlustgeschäft. Wegen der tiefen Energiepreise können die AKW-Betreiber weder die steigenden Sicherheitskosten noch die Reserven für die Stilllegung und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle finanzieren. Es droht ein «Grounding» wie bei der Swissair. Anstatt immer mehr Geld in gefährlich lange Laufzeiten zu stecken, sollten wir endlich in die Zukunft investieren. 37 000 Projekte für erneuerbare Energie warten darauf, den Atomstrom zu ersetzen. Ein Ja zur Initiative schafft Planungssicherheit und stärkt die lokale Wirtschaft und die Wasserkraft. Kein Land hat bessere Voraussetzungen für die Energiewende als die Schweiz. Warten wir nicht länger zu!

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Die radikale Volksinitiative der Grünen, über welche wir am 27. November abstimmen, will einen unrealistischen und übereilten Ausstieg aus der Kernenergie erzwingen. Der Initiativtext schreibt ein striktes Verbot von neuen Kernkraftwerken vor und will überstürzte Abschaltdaten der bestehenden und sicheren Schweizer Kraftwerke erwirken.

Dies ist absolut verantwortungslos. Denn aus heutiger Sicht braucht es noch lange unseren bewährten Strom-Mix aus Wasserkraft, thermischen Kraftwerken, erneuerbaren Energien und Kernkraft, um eine sichere und dauernde Stromversorgung zu garantieren, welche auch zu vernünftigen Preisen für uns Bürger und die Wirtschaft vorhanden ist. Die Annahme der Initiative würde zu massiven Preissteigerungen führen, welche dann vor allem durch die KMU und unsere Familien berappt werden müssten.

Die Initiative gefährdet zudem unsere Versorgungssicherheit. Wir würden auf Gedeih und Verderben vom Ausland abhängig und müssten auf eine sehr teure Importstrategie umschwenken. Dazu muss man wissen, dass im Ausland vor allem Kohle-, Gas- und Atomstrom produziert wird. In der langen Ratsdebatte in Bern zur Energiestrategie konnte die Frage niemand beantworten, woher denn der Strom kommen soll, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Bei einer Annahme würden bereits im Winter des nächsten Jahres 15 Prozent der Stromproduktion wegfallen. Bis 2029 wären es dann gar 40 Prozent. Dieser Anteil entspricht zur Veranschaulichung mehreren tausend Windturbinen, die dann auch wieder niemand haben will, ob auf seinem Land oder in seinem Sichtfeld. Schlussendlich werden wir den nötigen Strom überteuert aus dem Ausland importieren müssen.

Eine solche utopische und kostspielige Energiepolitik muss deshalb verhindert und die Initiative abgelehnt werden. Mit ideologischen Vorgaben, Verboten und Regulierungen kommen wir nicht weiter. Es braucht zum Erhalt unserer guten Rahmenbedingungen massvolle Massnahmen in der Energiepolitik, welche die Versorgungssicherheit und den Wirtschaftsstandort nicht gefährden. Deshalb Nein zur verantwortungslosen Atomausstiegsinitiative der Grünen.

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