Corona-Virus

Sollen die Corona-Virus-Tests von der Franchise befreit werden? Bundesrat ist bereit für Gespräche mit Krankenversicherern

Appellierte an die Solidarität von allen: Bundesrat Alain Berset.

Appellierte an die Solidarität von allen: Bundesrat Alain Berset.

SP-Nationalrat Fabian Molina befürchtet, dass Patienten aus finanziellen Gründen auf einen Test verzichten. Bundesrat Alain Berset will ihn aber nicht von der Franchise befreien – zumindest vorerst.

Magdalena Martullo-Blocher wandelt noch immer mit Schutzmaske durch Parlament, die Ratsmitglieder schütteln sich nicht die Hand – und twittern fleissig über das Corona-Virus. Der Krankheitserreger hält das Parlament in Atem. Einen langen brauchte gestern Alain Berset. Der Gesundheitsminister beantwortete gestern reihenweise Fragen zum Thema.

Seine Hauptbotschaft: Alle müssen jetzt solidarisch sein, sich an die behördlichen Verhaltensregeln halten, damit sich das Virus nicht zu schnell ausbreitet. Der Bundesrat will damit vor allem die besonders verletzliche Bevölkerung schützen: Menschen ab 65 Jahre und Personen mit chronischen Krankheiten. Zudem soll das Gesundheitssystem nicht wegen eines Patientenansturms überstrapaziert werden.

Verzicht auf Behandlung wegen fehlenden Geldes

Nationalrat Fabian Molina.

Nationalrat Fabian Molina.

Fabian Molina befürchtet, dass die Solidarität am Portemonnaie scheitern könnte. Der SP-Nationalrat verwies auf Studien, gemäss denen mehr als 10 Prozent der Befragten mindestens schon einmal nicht genug Geld für eine Behandlung oder ein Medikament hatten. Er wollte deshalb wissen, ob der Bundesrat angesichts der besonderen Lage die Franchise für den Corona-Virus-Test übernimmt.

Die Franchise ist der Selbstbehalt in der Grundversicherung. Die minimale Beteiligung an den Gesundheitskosten beträgt pro Jahr 300, die maximale 2500 Franken. Der Corona-Virus-Test kostet rund 180 Franken.

Der Bundesrat will den Test aber nicht von der Franchise befreien.

, sagte Alain Berset. Seiner Meinung nach schwächt der Bundesrat damit nicht die Kampagne gegen die Verbreitung des Virus.

Molina hakte nach. Für gewisse Personen seien diese Tests ein Kostenfaktor. «Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem der Bundesrat die Übernahme der Kosten noch einmal überdenken würde?», wollte er von Berset wissen.

Dazu fänden im Moment Diskussionen mit den Krankenkassen, antwortete der Gesundheitsminister. Er hält den aktuellen Weg aber für verhältnismässig: Die Krankenkassen übernehmen die Testkosten; von der Franchise ausgenommen sind sie aber nicht.

Santésuisse findet: Kantone sollen Testkosten berappen

Und die Krankenkassen? Der Verband Santésuisse setze sich für eine rasche und einfache Lösung im Interesse der Prämienzahler ein, sagt Sprecher Christophe Kaempf. «Deswegen werden wir in den nächsten Tagen mit den Behörden im Detail die genauen Modalitäten klären.» Santésuisse interpretiert das Epidemiengesetz anders als der Bundesrat. Der Verband ist der Ansicht, dass die Kantone für die Testkosten aufkommen müssten. Denn diese sind gemäss dem Gesetz angehalten, die Kosten für die epidemiologischen Abklärungen zu tragen. Man werde dieses Thema mit dem Bund besprechen, sagt Kaempf.

Der Konkurrenzverband Curafutura stellt derweil die Kostenübernahme durch die Krankenversicherer nicht in Frage. «Die Tests sind in der Analyseliste für Medikamente gelistet und werden durch die obligatorische Grundversicherung bezahlt», sagt Sprecher Ralph Kreuzer. Die derzeitige Situation sei neu und es stellten sich bisher nicht gekannte Fragen. Zum Thema Kostenbefreiung der Franchise sagt er: «Sollte der Bund die Rahmenbedingungen dahingehend ändern, dass diese die Grundversicherung entlasten, sind die Versicherer gesprächsbereit.»

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