Solarstrom

Solarbranche verspricht sonnige Zukunft

Grosse Pläne mit der Sonne: Solarenergie-Anlage.

Grosse Pläne mit der Sonne: Solarenergie-Anlage.

Für viele ist die Sonne die beste der erneuerbaren Energien – doch sie macht Probleme. So klar das Ziel, so umstritten ist die Frage, bis wann dieses erreicht werden kann. Swisssolar, dem Fachverband für Sonnenenergie, schwebt 2025 vor.

20 Prozent. So viel Strom, gemessen am schweizerischen Bedarf, soll künftig die Sonne liefern. Heute liegt der Anteil gemäss Bundesamt für Energie bei 0,27 Prozent. Dass diese Vervielfachung möglich ist, bestreitet niemand. Auch der Bundesrat geht in einem kürzlich veröffentlichten Bericht davon aus, dass im Jahr 2050 über zehn Gigawattstunden (GWh) Strom mittels Photovoltaikanlagen erzeugt werden können. Bliebe der schweizerische Strombedarf stabil bei 58599 GWh, entspräche das immerhin 17 Prozent.

Die 17 Prozent beschreiben nur den Anteil an der Stromerzeugung. Die Solarthermie, die Wärmegewinnung durch Sonnenkollektoren, hat sogar ein noch grösseres Potenzial. Die Landesregierung hat bereits Einwände und Hindernisse berücksichtigt, die dem Ausbau der Stromerzeugung im Wege stehen könnten – Einsprachen wegen des Landschafts- und Heimatschutzes etwa.

Im Gleichschritt hinterherhinken

So klar das Ziel, so umstritten ist die Frage, bis wann dieses erreicht werden kann. Swisssolar, dem Fachverband für Sonnenenergie, schwebt 2025 vor. Die ETH Zürich hält 2050 für realistisch. Auch der Bundesrat rät zu einem vorsichtigen Ausbau – etwa, weil er davon ausgeht, dass Solarzellen noch billiger werden. «Ideal» fände es die Landesregierung, wenn der Ausbau im Gleichschritt mit den umliegenden Ländern erfolgen würde. David Stickelberger, Direktor von Swisssolar, kann da nur lachen. «Im Gleichschritt? Wir hinken schon meilenweit hinterher», sagt er. «Selbst das Atomland Frankreich hat pro Kopf doppelt so viele Anlagen wie die Schweiz.»

Einig sind sich alle Beteiligten wieder, wenn es um die Frage geht, wo Solaranlagen entstehen sollen. Priorisiert werden bereits überbaute Flächen wie Dächer und Lärmschutzwände. Grossflächige Anlagen in der Natur hält auch Stickelberger nicht für sinnvoll. Allerdings könnten Solarzellen im alpinen Raum – beispielsweise an Lawinenverbauungen – zur Lösung eines der grösseren Probleme der Photovoltaik beitragen: Deren Produktion ist naturgemäss tages- und jahreszeitenabhängig. Im Winter ist das Potenzial deutlich kleiner als im Sommer. In den Alpen gibt es auch dann noch genug Sonne, um die Produktionslücke teilweise zu schliessen. «Hier könnte man Kapazitäten ausbauen», so Stickelberger.

Wirtschaftliches Potenzial

Die Promotoren der Sonnenenergie verweisen nicht nur auf die umweltfreundliche Stromerzeugung, sondern auch auf deren wirtschaftliches Potenzial. Gemäss Swisssolar beschäftigt die Branche heute bereits 10000 Vollzeitbeschäftigte; bei einem schnellen Ausbau stellt der Verband eine Verdopplung in Aussicht. Der Umsatz der Branche betrug im letzten Jahr 2,2 Milliarden Franken.

Und anders als in Deutschland, wo die Solarbranche unter der chinesischen Konkurrenz leidet, wären die Schweizer Unternehmen weniger von den Billigangeboten aus Fernost betroffen, sagt Stickelberger. «In der Schweiz gibt es nur zwei Hersteller von Solarzellen, sie fertigen sehr spezielle Nischenprodukte.» Stickelberger glaubt zudem, dass der chinesische Erfolg zeitlich begrenzt sei: «Je günstiger die Module werden, desto mehr fallen Transportkosten ins Gewicht.»

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