Sekundarschule

Sofort grössere Sekundarklassen im Baselbiet

Auffüllen: In den Sekundarklassen soll es keine leeren Bänke mehr geben. MZ-Archiv

Sekundarschule

Auffüllen: In den Sekundarklassen soll es keine leeren Bänke mehr geben. MZ-Archiv

Um sein Budget einhalten zu können, will Bildungsdirektor Urs Wüthrich im ganzen Kanton Basel-Landschaft mit Zusammenlegungen insgesamt 40 bereits geplante Sekundarklassen streichen.

Jürg Gohl

Nicht zum ersten Mal trifft bei den Baselbieter Schulleitungen eine Hiobsbotschaft aus der Bildungsdirektion an einem Freitagabend ein. Nun teilt Urs Wüthrich mit, er sehe sich als Bildungsdirektor genötigt, die Notbremse zu ziehen, seit er die Eckwerte des Budgets 2011 besitzt: Bereits auf kommendes Schuljahr sollen die Sekundarschulklassen «verdichtet» werden.

Konkret: Mit Zusammenlegungen und Verschiebungen lassen sich die insgesamt 600 (exakt 598,5) Sekundarklassen, die geplant sind, um deren 40 reduzieren. Betroffen davon ist vor allem der untere Kantonsteil. Das bringt Einsparungen von 10 Millionen Franken. Weitere 4,2 Millionen Franken werden durch die zweite Massnahme, die Wüthrich vorschlägt, gespart, nämlich das Angebot bei den Freifächern zu reduzieren.

Heute Treffen mit Schulleitern

Heute will Regierungsrat Wüthrich in Sissach Schulleitungen, Schulräte und Sozialpartner im Detail über die Umbaupläne orientieren. Empfangen wird er dort aber auch von aufgebrachten Lehrerinnen und Lehrer, die sich gegen diese kurzfristigen und einschneidenden Schritte wehren. Immerhin geht es für sie auch um ihre Jobs: Die Zusammenlegungen würden gut 50 Vollzeitstellen kosten. Betroffen wären in diesem Teilzeitberuf entsprechend mehr Personen.

Wüthrich wiederholt, was er bereits in seinem Schreiben festgehalten hat: An der maximalen Klassengrösse von 26 Schülerinnen und Schülern und an der Pflichtstundenzahl wird nicht gerüttelt. Ob mit dieser Notmassnahme die Sparübungen im Bildungsbereich beendet sind, konnte Wüthrich gestern nicht versprechen. Er betonte, dass er mit diesem Vorschlag antrete, der aber noch nicht beschlossene Sache ist. Mit diesen Massnahmen alleine wären die ihm auferlegten Sparziele aber noch nicht erreicht.

Für Bea Fünfschilling, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland, ist klar, dass für diese Umbaupläne die Zeit «niemals reichen» wird. Auch Wüthrich weiss, dass die Schulleitungen, die eben erst ihre Klassen für das neue Schuljahr zusammengestellt haben, nun zu einer Parforce-Leistung gezwungen sind. Er wehrt sich aber entschieden gegen den Vorwurf, «eine erneute Hüst-und-Hott-Aktion», wie sie Fünfschilling nennt, losgetreten zu haben.

«Die Budgetvorgaben für 2011 und die Klassenbildungszahlen für das neue Schuljahr lagen mir nicht früher vor.» Um die Vorgaben für 2011 zu erfüllen, reicht es auch nicht, die Reduktion in aller Ruhe um ein Jahr hinauszuzögern. Denn dann könnte ja nur noch fünf Monate lang gespart werden.

Wüthrich oder Gesamtregierung?

Fünfschilling lässt Wüthrichs Grund nicht gelten. Er hätte schon früher mit dem Sparkurs rechnen und die Schulen zu entsprechendem Planen der Klassen anhalten müssen, sagt sie, «oder er hätte der Regierung aufzeigen müssen, dass sich die Sparziele in der Bildung nicht so und schon gar nicht in diesem Jahr erreichen lassen». Sie ahnt bereits den Unmut, den das Spardiktat auslösen könnte. Würden nun Teile betroffener Eltern einsprechen, käme es zu einem ungeordneten Start des neue Schuljahrs.

Karl Willimann, Präsident der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission, weist wohl darauf hin, dass Wüthrich den Sparbefehl der Gesamtregierung umsetzen müsse, kritisiert aber harsch, dass seiner Kommission dieser neuste Coup verschwiegen worden war. «Hier wird am falschen Ort gespart», sagt der SVP-Landrat, der von einem «Reform-Chaos» spricht. «Wenn ich denke, wie viel Geld bei Harmos in Sonderpädagogik und Frühfremdsprachen gesteckt werden soll, so liesse sich hier weit besser sparen.»

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