Loeb-Egge

Sockelbürsten-Gau: Warum die wichtigste Berner Rolltreppe seit Wochen nicht rollt

Rolltreppe beim Loeb-Egge in Bern. Seit Montagmittag ist sie abgesperrt, es nahen Ersatzteile aus Hamburg DE. Zuvor stand sie dreieinhalb Wochen still, ohne dass etwas signalisiert worden wäre.

Rolltreppe beim Loeb-Egge in Bern. Seit Montagmittag ist sie abgesperrt, es nahen Ersatzteile aus Hamburg DE. Zuvor stand sie dreieinhalb Wochen still, ohne dass etwas signalisiert worden wäre.

Die Berner sind langsam, aber so langsam? Eine der wichtigsten Rolltreppen am Berner Hauptbahnhof steht seit Wochen still - über die Verantwortung dafür scheiden sich die Geister.

Es ist die berühmteste Rolltreppe in Bern, die wichtigste der Bundesstadt. Eine Hauptverkehrsader der Bundespolitik. Die Treppe, über die Bundespolitiker von den Zügen ins Bundeshaus eilen und zurück.

Es ist Rolltreppe beim Loeb-Egge z’Bärn.

Diese Rolltreppe rollt nicht mehr. Genauer: Der zum Bahnhof führende Teil dieser Rolltreppe. Nicht seit gestern, nicht seit vorgestern. Seit Freitag, dem 6. September. Seit dreieinhalb Wochen. Während der gesamten Herbstsession der eidgenössischen Räte stand die Treppe still.

Die Berner sind langsam. Aber so langsam? Herzzerreissende Szenen spielten sich ab. Gehbehinderte Leute, die sich mühselig über die Stufen kämpften.

Stadt Bern bedauert...

Warum wird die Treppe nicht repariert? Ist die Stadt Bern pleite? Kristina Bussmann, stellvertretende Leiterin Immobilien der Stadt Bern (ISB), sagt nach internen Abklärungen: «Nach unserem Wissensstand funktioniert die Rolltreppe beim Loeb seit dem 12. September nicht mehr. Es sind die sogenannten Sockelbürsten defekt.»

Die Sockelbürsten, ein Einklemmschutz, sind die Bürsten links neben den Tritten. Im oberen Bereich der Treppe sind die abgerissen. Daher entschieden die SBB, die Rolltreppe aus Sicherheitsgründen abzuschalten.

Die Sockelbürsten, ein Einklemmschutz, sind die Bürsten links neben den Tritten. Im oberen Bereich der Treppe sind die abgerissen. Daher entschieden die SBB, die Rolltreppe aus Sicherheitsgründen abzuschalten.

Die Sockelbürsten, das ist der Einklemmschutz seitlich neben den Tritten. «Der Auftrag für die Reparatur wurde von ISB an die zuständige Firma ThyssenKrupp umgehend, das heisst am 13. September, ausgelöst. Die Firma machte eine längere Lieferfrist geltend, weshalb die Rolltreppe noch nicht repariert werden konnte», sagt Bussmann. Bis Ende Woche sollte die Treppe geflickt sein. Die Stadt bedaure die Unannehmlichkeiten.

.... SBB bitten um Verständnis

Die Sache ist aber noch komplizierter. Auf Anfrage sagt Oli Dischoe, Sprecher der SBB: «Tatsächlich ist die Rolltreppe im Eigentum der Stadt Bern, die SBB ist allerdings für den Unterhalt zuständig.» Die Treppe sei aus Sicherheitsgründen ausser Betrieb: «Wegen defekter Bürsten könnte es zu Unfällen kommen, Jacken oder Schals könnten hineingezogen werden.» Der SBB-Sprecher: «Wir bitten um Verständnis, dass die Reparatur aufgrund der langen Lieferfrist des Herstellers ausnahmsweise etwas länger dauert.»

Schilder machten die Benutzer auf Alternativen aufmerksam, so der SBB-Sprecher. Wobei diese Schilder erst kürzlich angebracht wurden -womöglich erst nach der Medienanfrage.

Ist der deutsche Stahlriese ThyssenKrupp schuld am Treppen-Gau? Ein Monteur der Firma, seit gestern am Werk, wehrt sich. Die betagten Sockelbürsten seien nicht nur am Loeb-Egge havariert, wo offenbar Vandalen am Werk waren. Er melde das seit Jahren, ohne viel Echo. Nun würden aber die Bürsten an allen Treppen ersetzt.

Rollator-Unfall auf der Rolltreppe

Es kommt immer wieder zu Unfällen bei Rolltreppen, auch bei intakten Bürsten. Manche Kinder versuchen, an den Sockelbürsten die Schuhe zu putzen - Bilder von eingeklemmten Schuhe zeugen davon. Auch unsachgemässe Benutzung führt zu Unfällen. Unlängst verunfallte ein Senior mit Rollator schwer. Väter mit Kinderwagen gelten für Insider als besondere Risikoklasse.

Derzeit werden die Sockelbürsten im Thyssen-Werk in Hamburg fabriziert. Auf Mass, denn jede Treppe hat eine andere Neigung und Länge. Daher die lange Lieferfrist.

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