Social Media
Instagram-Offensive: Jeder Bundesrat bekommt einen Spezialisten – nur einer verzichtet darauf

Der Bund will zehn Stellen für Instagram & Co. schaffen. Interessant ist, wie sie verteilt sind. Derweil wächst der Widerstand gegen den Ausbau des Kommunikationsapparats des Bundes, der bereits jetzt fast 400 Vollzeitstellen umfasst.

Patrik Müller, Reto Wattenhofer
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Sechs Social-Media-Profis, aber sieben Bundesräte: Des Rätsels Lösung liegt bei einem SVP-Bundesrat.

Sechs Social-Media-Profis, aber sieben Bundesräte: Des Rätsels Lösung liegt bei einem SVP-Bundesrat.

Markus A. Jegerlehner / BK

Die Ankündigung warf einige Wellen – und wurde in den Zeitungen eher negativ aufgenommen. «Bald gibt’s ein Bundesamt für Instagram», frotzelte der «Tages-Anzeiger». «Der Bundesrat kontert Fake News mit Propaganda», ätzte die NZZ. Und die «Schweiz am Wochenende» übertitelte ihren Kommentar so:

«Der Bundesrat auf Instagram? Diese Inszenierung geht zu weit.»

SP-Bundesrat Alain Berset macht es seit längerem vor. Auf Instagram folgen ihm über 113'000 Menschen. Nun soll auch der Gesamtbundesrat einen Account erhalten. Der Startschuss erfolgt nächstes Jahr, wie der Bundesrat letzte Woche ankündigte. In der Bundeskanzlei soll ein audiovisuelles Zentrum entstehen. Dafür braucht es mehr Personal. Vorgesehen sind insgesamt zehn Stellen.

Dagegen formiert sich Widerstand. «Ich bin schockiert, dass eine neue Social-Media-Abteilung geschaffen werden soll», sagte SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi in der Sendung «SonnTalk» der Regionalsender von CH Media. Es gehe nicht an, eine «eigene Propaganda-Abteilung» aufzubauen, «nur um ein paar Bilder und Videos online zu posten».

Fast 400 Vollzeitstellen für die Kommunikation

Der Zuger Nationalrat Aeschi kündigte an, dass die SVP beim Budget für das nächste Jahr Anträge stellen werde, die Gelder zu streichen. Auch die Aargauer Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel warf im «SonnTalk» die Frage auf, ob es wirklich nötig sei, dass dafür zehn Stellen geschaffen werden.

Aktuell arbeiten in den diversen Kommunikationsabteilungen des Bundes rund 500 Angestellte, die sich knapp 400 Vollzeitstellen teilen. Vor fünf Jahren waren es noch um die 300 gewesen.

Allerdings irrt Aeschi in seiner Darstellung, dass eine «Social-Media-Abteilung» geschaffen werde. Auf Anfrage erklärt nämlich die Bundeskanzlei, dass sechs der zehn neuen Stellen in den einzelnen Departementen geschaffen werden. Ursula Eggenberger, Leiterin Kommunikation der Bundeskanzlei, schreibt:

«Für die Umsetzung der audiovisuellen Produktionen und der Strategie Soziale Medien erhalten die Departemente insgesamt sechs Stellen.»

Die vier übrigen Stellen wiederum entstehen in der Bundeskanzlei selbst. Dies «für die Koordination und Zusammenarbeit mit den Departementen, die Führung des audiovisuellen Zentrums, die inhaltlich-redaktionellen Tätigkeiten und die Bewirtschaftung der neuen Social-Media-Kanäle.»

Ueli Maurer verzichtet freiwillig auf die Stelle

Sechs Stellen für die Departemente, vier für die Bundeskanzlei – macht zehn. Aber es gibt doch sieben Departemente! Des Rätsels Lösung: Das Finanzdepartement (EFD) von SVP-Bundesrat Ueli Maurer hat keinen Bedarf an einem Social-Media-Spezialisten angemeldet. Als einziges Departement. Das EFD äussert sich auf Anfrage nicht näher dazu, bestätigt aber den Sachverhalt. Offenbar will das Finanzministerium die neuen Aktivitäten mit dem bisherigen Personal stemmen.