Vorstadt

«So wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben»

Brennpunkt Berntorstrasse : Von ihrer Schokoladenseite präsentiert sich die Strasse im Moment nicht, um daran etwas zu verändern sind die Liegenschaftsbesitzer ebenso gefragt wie die Stadt. Oliver Menge

Berntorstrasse

Brennpunkt Berntorstrasse : Von ihrer Schokoladenseite präsentiert sich die Strasse im Moment nicht, um daran etwas zu verändern sind die Liegenschaftsbesitzer ebenso gefragt wie die Stadt. Oliver Menge

Seit der Verkehr weg ist, versucht die Vorstadt ihre neue Rolle zu finden. Der Workshop «Entwicklung Vorstadt Solothurn» soll dabei helfen, jetzt liegen die Ergebnisse vor. Darauf müssen zwingend auch Taten folgen, sagt Martin Tschumi, Präsident der Vereinigung Pro Vorstadt.

Regula Bättig

Seit dem 8.8.08 ist die Wengibrücke gesperrt. Der Schnitt kam jäh und ist - wenn man das Intermezzo ausser Acht lässt, das wegen der Bauarbeiten am Bahnhofsplatz bald nötig wird - endgültig: Damit habe man der Vorstadt die Lebensader endgültig durchtrennt, klagen manche. «Dadurch erst erhielt die Vorstadt die Möglichkeit, sich zu entwickeln», sagt hingegen Martin Tschumi, Präsident der anfangs 2008 gegründeten Vereinigung Pro Vorstadt.

Denn die Blechlawine, die sich früher durchs Quartier gewälzt hat, habe jeden Entwicklungsversuch unterbunden. «Das fing schon beim Streichen der Liegenschaften an: Solange täglich tausende von Autos vor dem Haus durchfahren, ist das vergebliche Liebesmüh.»

Nun aber sind die Autos weg, erste Häuser gestrichen. Das soll aber nicht alles gewesen sein. Im Workshop «Entwicklung Vorstadt Solothurn» hat man das Gebiet daher genauestens unter die Lupe genommen: Weg vom Schmuddelimage lautet das Ziel. «Die Vorstadt soll nicht komplett umgekrempelt werden», stellt Tschumi klar.

Der «Dorfcharakter», den man hier noch spüre, soll erhalten werden. Aber das vorhandene Potenzial besser genutzt werden. Klar ist für Tschumi auch, dass die Neugestaltung des Bahnhofplatzes und die grossen Bauprojekte ebenfalls gewisse Auswirkungen auf die Vorstadt haben werden - «sicher nicht negative».

Manchmal braucht es gar nicht viel...

«In vielen Bereichen braucht es gar nicht viel, um eine Aufwertung zu erreichen», sagt Tschumi. Er erwähnt als Beispiel den westlichen Teil des Kreuz-ackerparks: «Mit der Verbesserung der Beleuchtung ist da schon vieles gemacht.» Und dass der städtische Werkhof diesen nicht mehr länger als Laubdeponie und Materiallagerplatz zweckentfremde, leiste ein übriges.

Offensichtlich ist aber, dass es bei der Wengibrücke und der Berntorstrasse einiges mehr braucht. «Die Auto sind zwar weg, aber die Strasse ist alles andere als Fussgänger- und Velofreundlich gestaltet.» Breitere Trottoirs und Busse, die nur auf einer Spur verkehren, das sei Pflicht, findet Tschumi. Ist die vorübergehende Wiedereröffnung der Wengibrücke erst einmal vorbei, wolle man in der Vorstadt konkrete Schritte sehen. «Denn so wies jetzt ist, darfs nicht bleiben.»

Das gilt auch für den Dornacherplatz. «Ein echtes Ärgernis», findet Tschumi - und damit ist er nicht allein. «Beim Dornacherplatz herrscht Einigkeit darüber, dass die heutige Situation für alle unbefriedigend ist», steht dann auch im Bericht zum Workshop. Aber auch: «Sowohl die Probleme, als auch die Gestaltung und Nutzungsmöglichkeiten des Platzes sind vielseitig.»

Die Workshops-Teilnehmer haben daher nebst einer Begrünung des Platzes auch über eine (Teil)-Überbauung diskutiert. «Klar ist, dass ein Bänkli und ein Bäumchen nicht reichen werden, um etwas zu verbessern», sagt Tschumi. «Sonst lässt man die Finger besser ganz davon.» Wobei dies sicher nicht das sei, was «Pro Vorstadt» anstrebe.

Das letzte Wort in Sachen Gestaltung der Plätze und Strassen hat aber der Gemeinderat. Er hoffe schon, dass dieser nicht ausgerechnet bei den für die Vorstadt geplanten Massnahmen den Sparstift ansetze, sagt Tschumi.

Alle sind gefragt: Stadt wie Anwohner

Doch ist nicht nur die Stadt gefragt, wenn es darum geht, die Vorstadt attraktiver zu machen. Das zeigt sich an einem anderen «Brennpunkt»: an der Berntorstrasse. Tatsächlich wirke diese im Moment «mässig attraktiv», stellt Tschumi fest. «Momentan läuft die Strasse Gefahr, dass das Leben ganz daraus verschwindet.» Nicht nur, weil mehrere Häuser leer stehen. «Doch die Liegenschaften sind in Privatbesitz, da kann man keinen Einfluss nehmen, wie diese gepflegt oder an wen diese vermietet werden.»

Aber das Gespräch suchen, das könne man und das habe er auch getan. «Ideal wäre es natürlich, wenn alle Liegenschaftsbesitzer interessiert wären, die Vorstadt attraktiver zu gestalten.» Geht es um die Attraktivität für die Bewohner, spielt sicher auch Coop eine zentrale Rolle. Ihm sei mehrfach versichert worden, dass der Standort «Rosengarten» erhalten bleibe, sagt Tschumi.

«Und selbst Coop ist sich bewusst, das dieser Laden nicht mehr dem heutigen Standard entspricht.» Von oberster Stelle sei ihm auch zugesichert worden, «das man etwas machen wird». Noch halte sich der Grossverteiler allerdings bedeckt, ob man eher an eine Renovation oder sogar an einen Standortwechsel innerhalb der Vorstadt denke.

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