Geisterfahrer
So viele Unfälle lösen Geisterfahrer jährlich in der Schweiz aus

Horror-Unfälle, die durch Geisterfahrer ausgelöst werden, passieren auch auf Schweizer Autobahnen. Die meisten davon sind heftig und viele sind Frontalkollisionen. Das Bundesamt für Strassen trifft entsprechende Vorkehrungen.

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Ein schwerer Unfall durch einen Geisterfahrer verursacht, hier im Oktober 2012 auf der A46. (Keystone)

Ein schwerer Unfall durch einen Geisterfahrer verursacht, hier im Oktober 2012 auf der A46. (Keystone)

Keystone

Selten fährt jemand auf der Autobahn in den Gegenverkehr hinein. Doch wenn es passiert, sind die Folgen meist verheerend. Im Schnitt der letzten elf Jahre, entstanden so im Schnitt jährlich 18 Kollisionen wegen Gesiterfahrern. Alleine 2011 passierten in der Schweiz 12 Unfälle, 8 davon mit Personenschäden, 2 davon mit tödlichem Ausgang. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) ist sich der ständigen Gefahr durch Falschfahrer bewusst, entsprechende Sicherheitsmassnahmen werden getroffen.

Zwei Arten von Geisterfahrern

Was machen, wenn man die verkehrte Einfahrt nimmt

Die meisten Verkehrsteilnehmer, die versehentlich auf der Autobahn in den Gegenverkehr geraten, versuchen anschliessend das Auto zu wenden.

Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen warnt vor diesem Vorgehen. Richtig wäre: am Pannenstreifen anhalten, aus dem Fahrzeug in Sicherheit aussteigen und die Polizei informieren.

Das Wenden in den Gegenverkehr führt in den meisten Fällen zu verheerenden Unfällen.

Jedoch sind es gerade junge Lenker, die in der zweiten Kategorie der Falschfahrer oft vertreten sind. Diese Hälfte machen Fahrer aus, die auf einer Autobahn wenden. «Die Gründe für ein Wenden auf der Autobahn sind unterschiedlich und unberechenbar. Meist sind hier Alkohol, Drogen, Müdigkeit oder gar suizidale Absichten im Spiel», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen. Ihm ist sogar ein Fall bekannt, bei dem eine Frau auf der Höhe von Rheinfelden versuchte auf der Autobahn zu Wenden, weil sie ihren Hund vergessen hatte.

Bewährte Sicherheitsmassnahmen

Die Sicherheitsmassnahmen sind für beide Arten des Falschverkehrs unterschiedlich. Einfacher gestaltet sich die Prävention bei denjenigen, die eine falsche Einfahrt erwischen. «Hier setzen wir stark auf Signalisierungsarbeit, wir haben beispielsweise die bestehenden Verbotstafeln um 50 Prozent vergrössert und beidseitig ausgeschildert», erklärt Rohrbach. Die Signalisation würde klar ins Auge fallen und Irrtümer vermeiden. Eine andere Möglichkeit sind bauliche Massnahmen, bei denen es schwierig wird, die falsche Richtung beizubehalten. Beispiele sind Auffahrten mit besonders engem Radius.

«Pneuschlitzer» sind umstritten

Auch sogenannte «Pneuschlitzer» waren im Gespräch. Diese am Boden befestigten Einheiten erlauben das Fahren in nur eine Richtung und zerstören einem Geisterfahrer schon bei der Einfahrt die Reifen. Allerdings wurde deren Einsatz vom ASTRA abgelehnt. «Das Problem bei den Pneuschlitzern ist, dass Wartungsfahrzeuge, auf abgesperrten Abschnitten in beide Richtungen fahren müssen. Dabei werden auch denen die Reifen zerstört.»

Bei manchen bleiben Massnahmen nutzlos

Schwieriger wird die Prävention bei den Geisterfahrern, die auf einer Autobahn wenden und zurückfahren. Schilder und Signalisationen würden von dieser Gruppe kaum wahrgenommen. «Jemand der auf einer Autobahn das Fahrzeug wendet und zurück fährt, ist meist in einem geistigen Zustand, in dem er seine Umwelt nicht mehr wahrnimmt.» Auch käme es vor, dass absichtlich falsch gefahren werde. «Auch Selbstmordversuche und Mutproben sind ein Problem», erklärt Rohrbach. Hier gilt es vor den Geisterfahrern zu warnen, Radiomeldungen haben sich hier als nützlich erwiesen. (kgh)

Durch Geisterfahrer verursachte Unfälle auf Autobahnen, 2001 − 2011

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