Löhne
So viel verdienen Aargauer Gemeinderäte

Die Besoldungsansätze reichen gemäss AZ-Umfrage vom bescheidenen Entgeld bis zum fürstlichen Lohn Viele Gemeindeversammlungen stimmen in diesen Tagen über die Gemeinderatsbesoldung in der neuen Amtsperiode ab. Mancherorts werden die Ansätze erhöht.

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Portemonnaie

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Aargauer Zeitung

Thomas Röthlin

«Die zeitliche Beanspruchung der Räte hat in der vergangenen Amtsperiode wiederum massiv zugenommen», schrieb der Gemeinderat Uerkheim zuhanden der Gemeindeversammlung am 18. Mai. Und rechnete vor: vor vier Jahren 56 Sitzungen, 892 Geschäfte, 1399 Protokollseiten, letztes Jahr 58 Sitzungen, 922 Geschäfte, 1645 Protokollseiten. Zudem hätten Umfragen in benachbarten Gemeinden ergeben, «dass die Gemeinderatsbesoldungen auf die nächste Amtsperiode mehrheitlich angehoben werden». Der Uerkner Souverän bewilligte die beantragte Erhöhung für Ammann, Vize und Gemeinderäte anstandslos.

Eine AZ-Umfrage zeigt, dass in jeder zweiten Gemeinde höhere Besoldungen ein Thema sind. Sie zeigt auch, dass die Gemeinden die Ansätze vergleichen. Und sie zeigt, dass die Bandbreite gross ist, wobei sich die Unterschiede nicht allein durch die Gemeindegrösse oder die zeitliche Belastung der Gemeinderäte erklären lassen.

«Ureigene Gemeindeautonomie»

Deren Entschädigung wird gemäss Gemeindegesetz allein von der Gemeindeversammlung als oberstem Organ einer Gemeinde festgelegt. Da mag sich auch die Gemeindeabteilung der Kantonsverwaltung nicht zu Ansätzen äussern. Es handle sich um eine «sensible Angelegenheit, die zur ureigenen Gemeindeautonomie gehört», heisst es auf Anfrage lediglich.

Was sagt einer, der als Gemeindeammann eher symbolisch entschädigt wird? Er sei «sicher nicht überbezahlt», sagt Stephan Müller aus dem kleinen Wiliberg. Die Sitzungen dauerten immer länger und fänden mangels eigener Gemeindeverwaltung auswärts statt, kantonale Vernehmlassungen produzierten eine zunehmende Papierflut. Wie viel Zeit das beanspruche, wisse er jedoch nicht, sagt Landwirt Müller. Einen «gewissen Grundaufwand» habe jeder Ammann. Ab 2010 bekommt er etwas mehr, sofern die Gemeindeversammlung Ja sagt: 7500 statt 6000 Franken.

Marlène Campiche, Gemeindeammann in Fahrwangen, ist mit ihren gut 28 000 Franken im Mittelfeld angesiedelt. Sie findet ihre Besoldung «angemessen» und beziffert ihr Pensum auf 30 Prozent. Anders als gegenwärtig wurden die Ansätze vor vier Jahren angehoben. «Wir hatten damals Mühe, jemanden für den Gemeinderat zu finden», erzählt Campiche. Damit jemand seinen Beruf für ein Behördenamt etwas zurückfahre, müsse man finanziell etwas bieten. Campiche arbeitet 50 Prozent bei der Frauenzentrale Aargau, was sich dank flexiblen Arbeiten gut mit dem Ammannamt vertrage. Zu diesem gehöre neben dem Tagesgeschäft und Repräsentationsaufgaben zunehmend die strategische Gemeindeentwicklung.

5 Gemeinderäte = 1 Chefbeamter

Ruedi Berger bezieht, die Bewilligung des Souveräns vorausgesetzt, ab nächstem Jahr 60 000 Franken. Oberentfelden ist eine vergleichsweise grosse Gemeinde mit einer «sehr professionellen Verwaltung», lobt Ammann Berger. Er selber komme auf ein 40- bis 50-Prozent-Pensum, wobei die «aktive Landpolitik» Oberentfeldens ein spezieller Aufwand sei, den der Gemeindeammann leisten müsse. Berger ist «sehr zufrieden» mit seiner Besoldung und meint lachend: «Als Lokführer bin ich nicht so verwöhnt, wie wenn ich bei der UBS arbeiten würde.» Die Erhöhung sei gerechtfertigt, zumal die alten Ansätze seit acht Jahren gälten und die Teuerung nicht ausgeglichen werde.

Rohr erscheint auf der nach Ammann-Besoldung sortierten Liste inmitten viel grösserer Gemeinden wie Küttigen, Gränichen oder Aarburg. Gemeindeammann Regina Jäggi erklärt, wie die Rohrer Gemeinderatslöhne 1998 zustande kamen: «Jeder Gemeinderat musste seine Stunden aufschreiben, und alle Stunden zusammen wurden mit einem Chefbeamtenpensum gleichgesetzt.» Das gesamte Kollegium verdient also so viel wie ein Abteilungsleiter bei der Rohrer Verwaltung. Das sind für Regina Jäggi 46 200 Franken. Wird sie nach der Fusion mit Aarau 2010 in den Stadtrat gewählt - sie kandidiert für die SVP -, kann sie sich auf 50 000 Franken freuen.

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