Gemeinderäte
So viel bezahlen die Bürger für ihre Politiker

Linn zählt 138 Einwohner, Wettingen 19 757, die Döttinger haben einen Steuerfuss von 60%, die Einwohner von Full-Reuenthal, Rekingen und Rietheim 125%. So breit dieses Spektrum, so unterschiedlich sind die Anforderungen an die Kommunalpolitiker.

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Aargauer Zeitung

Dieter Minder / Philippe Neidhart

Rund um die Uhr auf Pikett

Einen grossen Teil ihrer Aufgaben erhalten die Gemeinderäte vom Kanton. Diese müssen unabhängig von der Gemeindegrösse erfüllt werden. Daraus kann in den sehr kleinen Gemeinden mit schlanker Verwaltung eine hohe zeitliche Belastung für den Gemeindeammann resultieren.

In den Einwohnerratsgemeinden ist die politische Kontrolle der Exekutive wesentlich intensiver als in den anderen Gemeinden. Vermehrte Kontrolle und damit mehr Vorstösse der Parlamentsmitglieder bringen automatisch mehr Arbeit für den Gemeinderat und die Verwaltung. Deren Arbeitszeit beschränkt sich nicht nur auf Gemeinderatssitzungen, das Leiten von Gemeindeversammlungen, Kommissionssitzungen, Aktenstudium oder die Kontrolle der Verwaltung.

Der Ammann ist faktisch rund um die Uhr auf Pikett. «Viele Leute wollen alle ihre Anliegen direkt mit dem Chef besprechen», sagt der Ehrendinger Gemeindeammann Renato Sinelli.

Im Dienst der Region

Für die Ammänner der grossen Gemeinden wie Baden, Brugg, Obersiggenthal, Spreitenbach, Wettingen oder Windisch gehört es gewissermassen zur Pflicht, weitere politische Ämter zu übernehmen. Sie erbringen damit Leistungen, von denen nicht nur ihre Wohngemeinde, sondern auch die Bevölkerung der gesamten Region profitiert.

Der Badener Ammann Stephan Attiger präsidiert die Gemeindeammännervereinigung des Bezirks, der Wettinger Ammann Markus Dieth leitet die Planungsgruppe Baden Regio. Beide vertreten den Bezirk auch im Grossen Rat, was sich positiv auf die Entwicklung der Region auswirken sollte.

Dem Wettinger Gemeindeammann werden bei der politischen Tätigkeit in einem Reglement Grenzen gesetzt. So heisst es: «Die Übernahme eines eidgenössischen Parlamentsmandates ist mit dem Mandat des Gemeindeammanns nicht vereinbar.» Verboten werden ihm auch private Tätigkeiten, «welche wegen ihrer Natur oder zeitlichen Inanspruchnahme die Amtsführung negativ beeinflussen könnten».

Nur drei Hauptamtliche

Die Organisation der Gemeinden im Kanton Zürich ist nur bedingt mit derjenigen im Aargau vergleichbar. «Im Kanton Zürich kennen nur drei Gemeinden ein Hauptamt, nämlich Zürich, Winterthur und Dietikon», sagt der frühere Spreitenbacher Ammann Rudolf Kalt. Dagegen sei die Verwaltung stärker ausgebaut: «Der Gemeindeschreiber oder ein Stabschef leitet die Verwaltung.» Die Schulen sind meist als eigene Gemeinden mit separatem Schulgemeinderat organisiert.

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