Lugano, Ende Juli. Luganesi und Touristen flanieren am Abend dem See entlang. Auch eine Gruppe Muslime. Wie derzeit viele stammen sie vermutlich aus dem arabischen Raum. Auffallend: Die Frauen tragen lange Gewänder und Kopftuch – zwei von ihnen zusätzlich einen weissen medizinischen Mundschutz. So kennt man es von den Asiaten.

Doch die Frage stellt sich unweigerlich: Umgehen die Musliminnen auf diese Weise das Burkaverbot, das im Tessin seit vorigem Sommer gilt? Es ist mehr als deutlich: Kopftuch und Mundschutz ergeben in Kombination eine Vollverschleierung. Das kann im Tessin mit einer Busse belegt werden.

Eine entsprechende Anfrage am 3. August beim zuständigen Stadtrat von Lugano, Michele Bertini, blieb bis jetzt unbeantwortet.

Gegenüber dem Tessiner «Giornale del Popolo» bestätigte nun Roberto Torrente von der Polizei Lugano am Montag: Es handle sich um ein neues Phänomen, das dieses Jahr aufgetaucht sei.

Und: Ob die Frauen den Mundschutz aus medizinischen Gründen tragen würden oder nicht, sei schwierig nachzuweisen. Ein medizinisches Attest könnte eine Möglichkeit darstellen, so Torrente. Doch das sei aktuell nur eine Idee, die auch noch von Regierungsrat Norman Gobbi geprüft werden müsste. 

Torrente gibt zu: So wie der medizinische Mundschutz gibt es andere Möglichkeiten das Verhüllungsverbot zu umgehen. Er erzählt den Fall einer Frau, die gebeten wurde, den Schleier abzunehmen. Sie kam der Aufforderung nach, setzte sich eine grosse Brille auf und hielt die Hand vor den Mund. So "verhüllt" lief sie davon.