Personendaten
So stellt eine Internetfirma gesperrte Privatadressen ins Netz

Das Internetportal Moneyhouse gerät ins Visier von Datenschutz und Post. Hungrig nach noch höheren Zugriffszahlen, hat der Dienst damit begonnen, die Privatadressen zahlloser Schweizer frei zugänglich ins Netz zu stellen.

Lorenz Honegger
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Bis vor kurzem begnügte sich der Wirtschaftsauskunftsdienst Moneyhouse damit, Informationen aus dem Handelsregister und anderen wirtschaftsbezogenen Quellen zu sammeln und zu veröffentlichen. Darunter Angaben über Aktiengesellschaften, Verwaltungsräte, Stiftungen und Stiftungsräte. Mit diesem Geschäftsmodell wurde Moneyhouse in den letzten Jahren zu einer der meistbesuchten Internetseiten der Schweiz.

Hungrig nach noch höheren Zugriffszahlen, hat der Dienst damit begonnen, die Privatadressen zahlloser Schweizer frei zugänglich ins Netz zu stellen. Wie viele es sind, lässt sich nur schwer abschätzen.

Recherchen der az zeigen: Moneyhouse veröffentlicht Privatadressen selbst dann, wenn eine Person nicht im Telefonbuch oder im Handelsregister aufgeführt ist. Die Adresse kann für das Telefonbuch explizit gesperrt sein - Moneyhouse stellt sie trotzdem ins Netz. In vielen Fällen publiziert das Portal neben der aktuellen Anschrift einer Person auch die Wohnorte der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Hinter dem datenschutzrechtlich fragwürdigen Vorgehen stehen kommerzielle Interessen: Mit der Ausdehnung seines Angebots auf Privatadressen kann Moneyhouse die Zugriffe auf seine Seite über Suchmaschinen in die Höhe treiben und Werbeeinnahmen generieren. Gleichzeitig kann das Unternehmen zahlungswillige Kunden an Land ziehen, die für Zusatzinformationen bezahlen.

Ärger mit der Post

Bernhard Grisiger, Mitinhaber der Moneyhouse-Betreibergesellschaft Itonex AG, bestätigt in einem E-Mail an die az, dass der Dienst derzeit sein Informationsangebot erweitere - und das mit «Daten zu Personen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind». Er betont, sein Unternehmen stütze sich dabei «ausschliesslich auf öffentliche Informationen und Quellen». Was er darunter versteht, gibt er nicht preis.

Was er dann doch erwähnt: Moneyhouse lässt veraltete Adressen in seiner Datenbank von der Schweizerischen Post aktualisieren. Genauer gesagt vom Aktualisierungs-Service «Matchmove» der Post, mit dem Unternehmen den Adressstamm ihrer Kundschaft aktuell halten können.

Eine Nachfrage bei der Post ergibt, dass Moneyhouse damit gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des «Matchmove»-Angebotes verstösst. In den AGB steht schwarz auf weiss, dass es verboten ist, Fremdadressen einzukaufen, um diese dann von der Post auf den neuesten Stand bringen zu lassen; erlaubt ist lediglich, einen bestehenden Kundenstamm aktuell zu halten. Ausdrücklich untersagt ist auch die Veröffentlichung der aktualisierten Adressen. Post-Sprecher Bernhard Bürki: «Die weiteren Schritte in diesem Fall werden intern abgeklärt.»

Ärger mit dem Datenschützer

Beim Büro des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür sind bereits mehrere Anfragen wegen des neuen MoneyhouseGeschäftsmodells eingegangen. Auf Anfrage der az teilt Pressesprecherin Eliane Schmid mit, dass das Veröffentlichen von Privatadressen im grossen Stil Artikel 4 des Datenschutzgesetzes und damit die Grundsätze der Datenbearbeitung verletze.
Der Datenschutzbeauftragte will jetzt den Sachverhalt genauer abklären. Je nach Resultat könnte es zu einer Anzeige gegen Moneyhouse kommen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Thür gegen Moneyhouse vor Gericht zieht. Im Jahr 2007 klagte er das Portal beim Bundesverwaltungsgericht an, weil er der Meinung war, dass private Seiten Informationen aus dem Handelsregister nach einem gewissen Zeitraum wieder entfernen müssen. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2008 zugunsten von Moneyhouse - anerkannte aber die Problematik von Internetdatenbanken, die Personensuchfelder anbieten. Bei einem erneuten Gerichtsverfahren dürfte Moneyhouse wohl nicht so glimpflich davonkommen.

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