Suva
So sollen die Kosten bei der Unfallversicherung für Arbeitslose gesenkt werden

Wer arbeitslos verunfallt, ist lange ausser Gefecht. Das soll sich künftig ändern. Arbeitslose erhalten von den regionalen Arbeitsvermittungszentren (RAV) neu eine Notfallkarte. Darauf steht, wo sie einen Unfall melden müssen.

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Der Unfall passiert beim Skifahren. Der arbeitslose F. M. kommt von der Piste ab und bricht sich eine Hand. Nun ist er nicht nur arbeitslos, sondern temporär auch vermittlungsunfähig. Das regionale Arbeitsvermittlungszentrum kann ihm in der Regel erst dann wieder eine Stelle vermitteln, wenn er gesund ist.

In der Zwischenzeit bezahlt ihm die Unfallversicherung Suva, bei der alle arbeitslos gemeldeten Personen gegen Unfälle versichert sind, so genannte Taggelder aus. Deren Höhe hängt vom letzten Verdienst des Arbeitslosen ab. Nun hat die Suva festgestellt, dass sie Arbeitslosen im Schnitt während 69 Tagen Unfalltaggelder ausbezahlt, Berufstätigen dagegen nur während 44 Tagen.

9 von 1000 verunfallten Arbeitslosen werden zudem Bezüger einer Invalidenrente. Bei den Erwerbstätigen sind es nur 4 von 1000. Das führt dazu, dass der Unfall eines Arbeitslosen die Suva im Schnitt 8300 Franken kostet, bei Arbeitnehmern sind es nur 4800 Franken.

Doppelbelastung für Arbeitslose

«Erwerbstätige haben ein Umfeld, in das sie in der Regel nach ihrer Genesung zurückkehren können», sagt Wolfgang Buck, Leiter Versicherungsleistungen der Suva Aarau. «Das gibt ihnen Sicherheit und motiviert sie.» Arbeitslose Verunfallte dagegen müssen nicht nur gesund werden, sondern dann auch eine Stelle finden. «Diese Doppelbelastung zehrt an ihnen», beobachtet Buck.

15000 wieder vermittlungsfähig machen

Die Suva will nun versuchen, die rund 15 000 verunfallten Arbeitslosen pro Jahr schneller wieder arbeits- und damit vermittlungsfähig zu machen. Am zweijährigen Pilotprojekt beteiligen sich die Suva-Agenturen in Aarau, Genf und Linth.

Fernziel: Die jährlichen Taggeldkosten für verunfallte Arbeitslose sollen um 5 Millionen Franken oder 10 Prozent reduziert werden. Gelingt dies, könnten die Suva-Prämien für Arbeitslose gesenkt werden. Denn die Suva gibt als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück.

Hausärzte schulen

Wie aber sollen die Verunfallten schneller gesunden? «Wir setzen auf eine bessere Information der Betroffenen, der Hausärzte und der regionalen Arbeitsvermittlungszentren», sagt Buck.

Einerseits erhalten Arbeitslose von den RAV neu eine Notfallkarte. Darauf steht, wo sie einen Unfall melden müssen. Andererseits führt die Suva für Hausärzte Schulungen zum Thema durch. Und schliesslich wird die Kommunikation über elektronische Plattformen vereinfacht. Damit erhalten die RAV beispielsweise schneller Informationen dazu, ab wann eine verunfallte Person wieder für Kurse und Programme rund um die Stellensuche bereit ist.

Initiiert hat das Projekt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Pilotkosten von 2 Millionen Franken teilen sich Suva und Seco.

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