Lommiswil

«So schlecht geht es uns nämlich nicht»

Wahlen in Luxemburg (Symbolbild)

Wahlen in Luxemburg (Symbolbild)

Erich Burkhalter ist seit acht Jahren Gemeindepräsident in Lommiswil. Nun wird er von Erika Pfeiffer herausgefordert. Am 28. Juni können die Einwohnerinnen und Einwohner an der Urne entschieden, wer künftig den Gemeinderat präsidiert.

Rahel Meier

Erich Burkhalter, werden Sie am 28. Juni als Gemeindepräsident wieder- gewählt?

Erich Burkhalter: Ich denke schon, dass ich wiedergewählt werde. Ich bin schon lange im Gemeinderat und schon längere Zeit Gemeindepräsident. Ich habe mich stets zum Wohle der Gemeinde eingesetzt. Dass es Lommiswil im Moment finanziell nicht so gut geht, ist nicht meine Schuld. Wir hatten auch Zeiten, in denen wir finanziell gut dastanden. Komischerweise sagte da niemand Danke. Ich denke, der Gemeinderat ist auf dem richtigen Weg. Die nun eingeschlagene Richtung braucht halt einfach etwas Zeit und es gibt ungeduldige Leute, denen alles zu langsam geht, aber die Strategie des Gemeinderates zeigt in die richtige Richtung. Ich hoffe mit meiner Erfahrung und dem «neuen» Gemeinderat unser Dorf wieder in finanziell bessere Zeiten führen zu können.

Erika Pfeiffer, sind Sie ungeduldig und haben es eilig?

Erika Pfeiffer: Ich bin sicher nicht ungeduldig. Ich kenne die Situation der Gemeinde und weiss, dass es Zeit braucht für Veränderungen.

Sie werben mit dem Slogan «Lommiswil braucht frischen Wind».

Pfeiffer: Wir bringen einen Wind, der Lommiswil von der Vergangenheit in die Zukunft führen soll. Wir wollen mit unserer Motivation die Bevölkerung von Lommiswil tragen und dafür sorgen, dass sie mithilft. Mit neuen Perspektiven werden Veränderungen möglich. Die Gemeinde muss sich weiterentwickeln Der Gemeinderat sollte sich Ziele setzen und diese mit griffigen Strategien erreichen.

Erich Burkhalter, was sagen Sie zum frischen Wind, den die Freie Liste bringen will?

Burkhalter: Wir haben genug Wind in Lommiswil. Man sagt nicht umsonst, dass der Bergwind der älteste Lommiswiler ist.

Hat der Gemeinderat ziellos gearbeitet in den letzten Jahren?

Burkhalter: Nein. Als wir beispielsweise die Steuern gesenkt haben, wussten wir, dass wir sie in kommenden schlechten Zeiten wieder erhöhen müssen und haben das auch so kommuniziert. Leider erinnerte sich an der Gemeindeversammlung niemand mehr daran und so ging die Steuererhöhung im ersten Anlauf bachab. Ausserdem muss ich hier doch einmal sagen, dass zum Teil auch übertrieben wird. So schlecht, wie viele meinen, geht es uns nicht. Wir sind immer noch eine attraktive Wohngemeinde.

Ist das so?

Pfeiffer: gerade weil ich finde, dass Lommiswil eine attraktive Wohngemeinde ist, möchte ich mich hier engagieren. Die Weltuntergangsstimmung, die auch in der Presse verbreitet wurde, drängte mich förmlich dazu, zu kandidieren. Es gibt auch viel Positives aus Lommiswil zu berichten. Ich glaube, der Gemeinderat hat in den letzten Jahren engagiert gearbeitet. Aber er hat oftmals nur noch reagiert und nicht im Voraus agiert. So fehlen beispielsweise definierte Legislaturziele.

Erich Burkhalter, hat der Gemeinderat nur reagiert?

Burkhalter: Nein. Dass wir eine Busverbindung haben, ist der Initiative des Gemeinderates zu verdanken. Auch der Zusammenschluss der Schulen ist ein Ergebnis der Initiative des Gemeinderates. Der Gemeindepräsident kann zudem nicht alleine handeln, es ist immer der Gesamtgemeinderat der entscheidet. Als Gemeindepräsident war ich vielleicht zu Beginn der letzten Legislatur zu nachlässig. Wir hatten bisher immer definierte Legislaturziele. Vor vier Jahren aber haben wir keine erarbeitet, weil die Mehrheit des Gemeinderates der Meinung war, dass wir die Ziele ja sowieso nicht erreichen.

Informiert der Gemeinderat zu wenig gut über seine Arbeit?

Pfeiffer: In diesem Zusammenhang muss ich auf die Steuern zurückkommen. Mit Sicherheit wurden die Steuern zu früh gesenkt. Nachdem sich die Finanzlage nach der Realisierung der Dorfhalle erholt hatte, hätte der Gemeinderat sich vorerst um die aufgeschobenen Investitionen in den Infrastrukturanlagen kümmern müssen. Dafür wäre eine zukunftsorientierte Planung nötig gewesen, um den Erklärungsbedarf gegenüber den Einwohnern wettmachen zu können. Die abgelehnte Steuererhöhung vor zwei Jahren ist meiner Meinung nach eine Folge der fehlenden Kommunikation. Diese könnte sicher verbessert werden.

Wie?

Pfeiffer: Leider ist es so, dass nicht mehr alle Lommiswiler eine Zeitung lesen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Information via elektronischem Newsletter geht. Da unsere Gemeinde klein ist, ist das Flugblatt ebenfalls eine kostengünstige Informationsvariante.

Was sagen Sie dazu Erich Burkhalter?

Burkhalter: Seit ich Gemeindepräsident bin, wurde die Presse regelmässig an unsere Sitzungen eingeladen. Leider wird oft nur über das Negative berichtet. Wir haben eine Homepage, auf der Informationen abgerufen werden können. Zudem sind wir daran, die Email-Adressen der Einwohner zu sammeln, um allenfalls wirklich so etwas wie einen Newsletter realisieren zu können.

Erich Burkhalter, wie lange bleibt Lommiswil noch eine selbstständige Gemeinde?

Burkhalter: So weit in die Zukunft kann ich gar nicht denken! Lommiswil wird noch lange selbstständig bleiben, eine Fusion würde nur Sinn machen, wenn zu wenig Behördenmitglieder gefunden würden, aber der Gemeinderat und auch die Kommissionen konnten und können auch weiterhin mit engagierten Personen besetzt werden

Denken Sie das auch, Erika Pfeiffer?

Pfeiffer: Vor Jahren sagte der Kanton, dass Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern auf die Dauer nicht selbstständig bleiben können. Lommiswil hat 1400, so schnell werden wir die Selbstständigkeit nicht aufgeben.

Lommiswil fehlen gute Steuerzahler.

Burkhalter: Das ist so. Wenn nur ein guter Steuerzahler wegzieht, spüren wir das. Wir klären zurzeit ab, wie wir Bauland an attraktiver Lage erschliessen könnten.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde in Lommiswil die Dorfhalle gebaut. Aber jetzt scheint sie zu teuer. Was ist da schiefgelaufen?

Burkhalter: Der Gemeinderat hat eventuell den Fehler gemacht, die Gebühren für die Miete zu hoch anzusetzen. Als diese noch tiefer waren, war die Halle auch an Wochenenden besser ausgelastet. Aber da gab es öfters Reklamationen von Anwohnern wegen Nachtruhestörung.

Pfeiffer: Die Dorfhalle macht Lommiswil attraktiv. Gerade mit ihr wurde viel im Dorf möglich. Die Halle ist vor allem tagsüber schlecht ausgelastet. Eine Idee wäre es, sie als Seminarräumlichkeit auszuschreiben. Denn die Umgebung der Dorfhalle ist sehr inspirierend.

Burkhalter: Statt dass Selzach eigene Hallen baut, wäre es auch möglich, dass die Schüler bei uns turnen könnten.

Das Beispiel Dorfladen zeigt, dass Gemeinderat und Bevölkerung gemeinsam Lösungen finden.

Burkhalter: Das ist richtig. Wir haben dem Verein Dorfladen, gemeinsam mit der Bürgergemeinde, ein Darlehen gewährt und in den ersten Jahren auch den Mietzins für Volg übernommen. Heute rentiert der Laden. Auch unsere Post haben wir noch.

Pfeiffer: In Wirklichkeit hat sich der Gemeinderat lange Zeit nicht für zuständig erklärt. Erst aufgrund der Initiative und der Vereinsgründung durch die Einwohner hat sich die Gemeinde bereit erklärt, mitzuhelfen.

Burkhalter: Das Betreiben eines Ladens ist keine Gemeindeaufgabe. Und dennoch wurde damals vom Gemeinderat ein Ausschuss eingesetzt, welcher sich dem Thema Dorfladen annahm.

Pfeiffer: Deshalb funktioniert der Verein Dorfladen auch auf privater Basis. Und es ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Dorfbevölkerung mitmacht, wenn sie aktiv und gut informiert wird.

Lommiswil ist eine mittelgrosse Gemeinde, hat aber viele Vereine.

Pfeiffer: Ich erlebe die Lommiswiler als kreativ und engagiert, wenn es darum geht, ein Ziel zu verfolgen. Ich habe immer wieder Freude, wenn ich sehe, wie die Bevölkerung hinter dem Dorf steht und sich in den verschiedensten Vereinen engagiert. In der Vergangenheit wurden diverse Aufgaben regionalisiert. Dabei wurde vermutlich übersehen, dass niemand mehr Zeit dafür aufwenden kann, sich um die kleinen Besonderheiten im Dorf zu kümmern. Die verschiedenen Vereine nehmen solche Aufgaben wahr und sollten gestützt werden. Und ich sage es gerne nochmals: Mit guter Kommunikation können wir gemeinsam eine nachhaltige Entwicklung für das Dorf erreichen.

Burkhalter: Auch frischer Wind kann nicht einfach zaubern. Wir haben attraktive Vereine, die von der Gemeinde unterstützt werden. Der Gemeinderat schätzt die Arbeit der Vereine sehr, sie bilden für Lommiswil einen Standortvorteil. Sie tragen zum guten Image der Gemeinde einiges bei. Sie sind eigentlich der Nerv unseres Dorfes.

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