Ständerat

So gut verstehen sich die Ständeräte politisch – und persönlich

Abschiedsritual nach dem letzten Sessionstag: Ständerätinnen und Ständeräte sagen sich Adieu.

Abschiedsritual nach dem letzten Sessionstag: Ständerätinnen und Ständeräte sagen sich Adieu.

Wie gut harmonieren die Ständeräte in den Nordwestschweizer Kantonen politisch und auch persönlich? Eine Auswertung zeigt, dass es überraschende Ergebnisse gibt.

Die Waadtländer Ständeräte Géraldine Savary (SP) und Luc Recordon (Grüne) sind das Traumpaar in der kleinen Kammer des Parlaments (siehe Grafik). Sie stimmen politisch in allen wichtigen Fragen hundertprozentig überein, und auch persönlich funktionieren die beiden Linken als Team.

Die Frage ist höchstens, wie lange das gemeinsame Glück noch währt. Ihre Position bei den Wählern ist nicht in alle Ewigkeit gesichert. Die Waadtländer Bürgerlichen sind auf der Lauer. Sie wollen bei den Wahlen im Oktober 2015 der Linken unbedingt einen Sitz abjagen. Dieser Druck sei für Savary und Recordon spürbar, sagen Beobachter. Fraglich sei nun, ob sie zusammenhalten oder ob die in der Waadt überaus populäre SP-Frau einen Alleingang wage und den grünen Juniorpartner im Stich lasse. 

Die Schwyzer SVP-Ständeräte Peter Föhn und Alex Kuprecht sind wie das welsche Duo politisch eine verschworene Einheit. In wichtigen Fragen stimmen sie fast immer gleich ab: Beide fahren einen strammen Rechtskurs und gelten als Fahnenträger der SVP im Stöckli. Persönlich jedoch ist die Beziehung nicht friktionslos. «Föhn ist halt der Föhn. Laut und bodenständig», sagen Ratskollegen. Kuprecht hingegen sei viel mehr ein Sachpolitiker, der über gute Dossierkenntnisse verfüge und auch mal differenziert argumentieren könne.

Aargauer und Basler Harmonie

Ebenfalls weit oben im Harmonie-Ranking figurieren die Aargauer Standesvertreterinnen. Die Linksfreisinnige Christine Egerszegi und die am rechten Rand der SP politisierende Pascale Bruderer verstehen sich persönlich gut und sie stimmen immer wieder identisch ab. Sie scheuen sich auch nicht, gemeinsame Kampagnen zu bestreiten. Jüngstes Beispiel ist ihr Auftritt gegen den Kampfjet Gripen, dessen Kauf Egerszegi als eine von wenigen Bürgerlichen ablehnte. Auch punkto Konsumentenschutz oder Lehrlingsförderung nehmen die beiden Frauen ähnliche, sozialliberale Positionen ein.

Politisch relativ nahe sind sich auch die beiden ehemaligen Bündner Regierungsräte Stefan Engler (CVP) und Martin Schmid (FDP). Engler ist öfters zu Kompromissen nach links bereit, während Schmid stramm wirtschaftsliberal politisiert. Sobald es um den Kanton Graubünden geht, ziehen sie aber wieder am selben Strick.

Ein weiteres eingespieltes Gespann sind Claude Janiak (SP/BL) und Anita Fetz (SP/BS). Sie sind als Vertreter ihrer jeweiligen Halbkantone offiziell kein Team. Sie arbeiten aber insbesondere in Fragen, die beide Basel betreffen, eng zusammen.

Politisch etwas weiter auseinander sind die Solothurner Pirmin Bischof (CVP) und Roberto Zanetti (SP). Gerade in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen haben der bürgerliche Bischof und der Genosse Zanetti das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Persönlich können es die beiden aber gut miteinander.

Rüppelhaft und stur

Trotz starker politischer Übereinstimmung werden etwa die Genferin Liliane Maury Pasquier (SP) und ihr Kollege Robert Cramer (Grüne) im Bundeshaus nicht als eingespieltes Team wahrgenommen. Insbesondere Cramer sei ein «eigener Typ», eine Art «Unguided Missile»: Sympathisch, aber mitunter zu Sololäufen neigend. Die Zusammenarbeit mit ihm sei wohl nicht einfach, finden Ratskollegen.

Generell weniger harmonisch sind – kaum überraschend – Paare, die aus unterschiedlichen politischen Lagern konstituiert sind: Etwa die Jurassier Anne Seydoux, eine wirtschaftsliberale CVP-Frau mit guten Verbindungen zur Basler Pharma, und Claude Hêche, ein überzeugter Linker. Oder der Neuenburger Didier Berberat, ein stiller, ausserhalb seines Kantons unbekannter SP-Parteisoldat, und Raphael Comte, freisinniges Leichtgewicht mit teils eigensinnigen Ansichten.

Auch nicht in die Rubrik Traumpaare gehören – vorab wegen politischer Differenzen – der charismatische Tausendsassa Filippo Lombardi (CVP) und Fabio Abate (FDP), der smarte Rechtsanwalt aus Locarno. Zu dieser Kategorie gehören weiter die Berner Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP). Letzterer ist immerhin froh, muss er den zweitgrössten Kanton nicht Seite an Seite mit Adrian Amstutz (SVP) repräsentieren, der 2011 die Wiederwahl ins Stöckli verpasst hat. Erstaunlich weit auseinander, sowohl politisch als auch persönlich, sind die Luzerner Ständeräte Konrad Graber (CVP) und Georges Theiler (FDP). Ersterer gilt als höflich und kompromissbereit, Letzterer vor allem bei Frauen als stur und rüppelhaft.

Ostschweizer Sonderfall

Das überraschendste Paar kommt indes aus St. Gallen. Die ehemalige Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter (FDP) und der Präsident des Gewerkschaftsbundes Paul Rechsteiner (SP) haben politisch nichts miteinander am Hut. In finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen könnten ihre Positionen gegensätzlicher kaum sein.

Dennoch fällt zahlreichen Ratskollegen auf, wie oft sich die beiden in einer Ecke des ständerätlichen Vorzimmers austauschen und gemeinsame Projekte ausdenken. In der Ostschweiz traten sie jüngst mit einem Vorstoss, St.Gallen zu einer Metropolitanregion aufzuwerten, gemeinsam auf – und das nicht zum ersten Mal. Erstaunlich ist dieses Zusammenspiel vor allem im Fall Keller-Sutters. Die FDP-Frau hat die Kooperation mit dem Sozialdemokraten politisch nicht nötig. Sie wird in St. Gallen so oder so wieder gewählt. Rechsteiner hingegen dürfte sich über den solid bürgerlichen Flankenschutz freuen. Seine Wahl in die kleine Kammer gilt bis heute als politische Sensation.

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