Plastiksack-Verbot
So geht es weiter nach dem Plastiksack-Verbot

Der Nationalrat hat ein Verbot der dünnen Wegwerfplastiksäcke an der Kasse beschlossen. Nun stellt sich die Frage, was ist die Alternative? Die Antwort lautet: Plastiksäcke. Und zwar aus rezykliertem Kunststoff.

Drucken
Teilen
Mit den kleinen Plastiksäcken an den Kassen ist es bald vorbei. GAETAN BALLY/keystone

Mit den kleinen Plastiksäcken an den Kassen ist es bald vorbei. GAETAN BALLY/keystone

Migros hat seine dicken Plastiksäcke, für die die Kunden bezahlen müssen, gerade vollständig auf dieses Material umgestellt.

Eine Ökobilanz-Studie der ETH-Materialforscher an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen hat im vergangenen Jahr klar ergeben, dass Säcke aus wiederverwertetem Kunststoff die beste Umweltbilanz haben, noch vor Papiersäcken und weit vor Baumwolltaschen. Zu beachten ist dabei auch, dass Kunststoff nicht gleich Kunststoff ist. Es kommt darauf an, ob er aus Erdöl oder Zuckerrohr gewonnen wird - oder eben aus dem Recycling.

Säcke: Plastik besser als Papier

Der Plastiksack aus rezycliertem Kunststoff (Polyethylen) weist der Empa zufolge die beste Umweltbilanz auf. Nummer zwei ist der Plastiksack aus Bioethylen. Er basiert statt auf Erdöl auf Bioethanol aus Zuckerrohr. An dritter Stelle folgt der Sack aus neuem, aus Erdöl hergestelltem Plastik.
Der Papiersack weist eine um rund sieben Mal schlechtere Ökobilanz auf als der Recycling-Plastiksack, egal ob aus Altpapier oder nicht. Die Stofftasche kommt am schlimmsten weg: Für ihre Herstellung werden 80-mal so viele Ressourcen wie für den Recycling-Plastiksack verbraucht: Die Baumwollproduktion verschlingt sehr viel Wasser, Dünger und Pestizide. (ISA)

Die Plastikstatistik zeigt anderes

Dennoch sagt Roland Hischier von der Empa zur «Nordwestschweiz»: «Man setzt den Hebel am falschen Ort an.» Politiker sollten sich die Verpackungsstatistik besser anschauen. Die rund 3000 Tonnen an Plastiksäcken entsprechen knapp einem halben Prozent des jährlichen Verbrauchs von rund 850 000 Tonnen Kunststoffen in der Schweiz. Eher noch solle man sich die Verpackungen von Biskuits oder Pralinen vorknöpfen als die Wegwerfsäcke.

Auch wenn der Streit um Plastik oder Papier geht - generell ist nicht das Material entscheidend, sondern wie lange es benutzt wird. «Hauptsache, es findet sich eine Mehrweglösung», sagt Corina Gyssler von der Umweltorganisation WWF Schweiz zur Sackfrage. Ein dünner Plastiksack wird «durchschnittlich nur gerade 25 Minuten benutzt», heisst es in der Motion von CVP-Nationalrat Dominique de Buman. Dies ist der Grund, warum der Nationalrat sich für ein Verbot ausgesprochen hat.

Es geht also nicht um Plastik oder Nicht-Plastik, sondern um die Wegwerfmentalität. «Die Debatte um die Säcke hat sicher eine Signalwirkung und macht für die Ökobilanz allgemein sensibler», sagt Gyssler vom WWF weiter. Dies meint auch Yves Zenger von Greenpeace Schweiz: «Wir begrüssen die Diskussion grundsätzlich, denn sie setzt ein Zeichen gegen die Materialverschwendung.» Das heisst: Nicht nur die Händler sind jetzt gefordert, sondern auch die Konsumenten.

Der Inhalt des Sacks ist wichtiger

Dabei geht es nicht um die Frage Plastik oder Papier. «Wichtiger ist, was in den Säcken steckt, nämlich die Ressourcenbilanz der gekauften Waren», sagt Gyssler. Wer im Ökosack Fleisch oder Spargel aus Mexiko nach Hause trägt, helfe der Umwelt wenig. Tägliches Fleischessen schadet der Umweltbilanz erheblich durch den immensen Ressourcenverbrauch in der Tiermast und den Ausstoss des klimaschädlichen Methans von wiederkäuenden Rindern.

Die Diskussion müsste sich also nicht um den Sack, sondern um seinen Inhalt drehen. Wozu wiederum auch die Verpackung der gekauften Biskuits oder Pralinen zählt. Und die Biskuits und Pralinen selbst.

Aktuelle Nachrichten