Lehrplan 21
So funktioniert der neue Lehrplan für die Deutschschweiz

Der harmonisierte Lehrplan orientiert sich an Leistung – Monitorings messen diese. Die Einführung kommt frühestens ab Schuljahr 2016/2017. Trotz harmonisierter Unterrichtsziele bleibt aber Raum für kantonale Eigenheiten.

Karen Schärer
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Auch nach Auffassung der Bikuko sind Lehrpläne nicht Sache der Legislative. KEY

Auch nach Auffassung der Bikuko sind Lehrpläne nicht Sache der Legislative. KEY

Die Kinder, die dieses Jahr zur Welt kommen, dürften später die ersten Schülerinnen und Schüler sein, die ihre gesamte Volksschullaufbahn gemäss neuem Lehrplan 21 durchlaufen werden. Bis nach der gestrigen Veröffentlichung des Lehrplans in den Klassenzimmern tatsächlich danach unterrichtet wird, dauert es noch. Zunächst geht der Lehrplan bis Ende Jahr in eine öffentliche Konsultation. Anschliessend wird er bereinigt. Im Herbst 2014 soll er den Kantonen zur Einführung übergeben werden.

Aus Sicht des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) ist die sukzessive Einführung in allen 21 Kantonen frühestens ab 2016/2017 möglich.

Im Kanton Aargau rechne man sogar mit einer Einführung nicht vor 2017/2018, sagte Alex Hürzeler, Aargauer Erziehungsdirektor und Vizepräsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK), gestern vor den Medien in Luzern. Dann treten die 2013 geborenen Kinder gerade in den Kindergarten ein.

Medien: Kein eigenes Schulfach

Gemäss aktuellem Stand des Lehrplans 21 bekommen die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Medien kein eigenes Schulfach. ICT und Medien gehören zu den fächerübergreifenden Themen. Das heisst: Sie sollen im Rahmen anderer Fächer immer wieder behandelt werden. Im Lehrplan finden sich bei verschiedensten Fächern und Kompetenzbereichen zahlreiche Verweise auf die Möglichkeit, hier das Thema Medien aufzugreifen. Der Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren, Christian Amsler, sagte, unter diesem «riesen Thema» verstehe jeder etwas anders. Amsler ist der Ansicht, dass ICT und Medien im Lehrplan «sehr prominent und namhaft abgebildet» sind. Die genaue Ausarbeitung des Bereichs steht aus: Es gibt offene Fragen, um die sich ab Sommer 2013 eine Fachgruppe kümmert. Ungeklärt sind zum Beispiel die Rahmenbedingungen des Unterrichts, die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen und die Zuständigkeiten. (kas)

Konsens gesucht

Mit der öffentlichen Konsultation soll der gesellschaftliche Konsens darüber gestärkt werden, was Schülerinnen und Schüler in der Volksschule lernen sollen. Dies ist ein schwieriges Unterfangen, denn die Vorstellungen darüber gehen weit auseinander. Wollen die einen den Volksschülern das Programmieren beibringen, schlagen andere ein Schulfach «Glück» vor. Wollen die einen «Pornokompetenz» vermitteln, fürchten andere um die handwerklichen Fertigkeiten der Kinder.

So dürfte im nächsten halben Jahr nochmals heftig gestritten werden. Dies umso mehr, als später die Einflussmöglichkeiten auf den Lehrplan gering sind: Da dessen Einführung in vielen Kantonen in der Kompetenz der Regierung liegt, besteht keine Möglichkeit, das Referendum zu ergreifen.

Die SVP, die im Herbst 2010 einen eigenen Lehrplan vorgestellt hatte, legte gestern in einer ersten Stellungnahme schon mal vor: Die Partei will auf den Fremdsprachen-Unterricht in der Primarschule verzichten und stattdessen «Deutsch, Mathematik und Realien, inklusive Werken» aufwerten. Die CVP hingegen beurteilt den Lehrplan «grundsätzlich positiv», will aber bei der genaueren Prüfung der Unterlagen – wie die SP auch – darauf achten, dass die Belastung der Lehrpersonen nicht noch grösser wird.

Der Lehrplan 21 ist leistungsorientiert. Das heisst: Die Schulen haben diesen nicht bereits erfüllt, wenn der Schulstoff behandelt ist, sondern erst, wenn die Schülerinnen und Schüler das nötige Wissen auch anwenden können. Den Schulen wird im neuen Bildungsauftrag vorgeschrieben, welche Kompetenzen die Schüler nach der zweiten, sechsten und neunten Klasse vorweisen müssen. Diese Orientierung an Kompetenzen bezeichnete die Zürcher Erziehungsdirektorin Regine Aeppli als «Herzstück des neuen Lehrplans».

Kantonale Eigenheiten

Trotz harmonisierter Unterrichtsziele bleibt Raum für kantonale Eigenheiten. Dies sei auch gut so, sagte Alex Hürzeler: «Wir wollen kein nationales Volksschulgesetz. Die Hoheit bleibt bei den Kantonen.» So entscheiden die Kantone auch weiterhin selbst, in welcher Reihenfolge sie die Fremdsprachen einführen.

Ein neues schweizweites Bildungsmonitoring soll ab 2017 darüber informieren, ob die Bildungsstandards erreicht werden. Dass aus diesem Monitoring Rankings der Schulen erstellt werden, will die EDK verhindern. «Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse», sagte Christian Amsler, Präsident der D-EDK, entschieden.

Im Unterschied zu heutigen Lehrplänen fasst der Lehrplan 21 einzelne Fächer teilweise zu Fachbereichen zusammen. Dies sind die Bereiche Sprachen, Mathematik, Natur, Mensch und Gesellschaft (NMG), Gestalten, Musik sowie Bewegung und Sport. Wie eine Klammer umschliessen die fächerübergreifenden Themen diese Fachbereiche. Zu diesen Themen gehören die berufliche Orientierung, Informations- und Kommunikationstechnologie und Medien sowie nachhaltige Entwicklung.

Hier geht es zum Lehrplan 21.