Verkehrsplanung

So funktioniert das Tempodrosselungs-System auf Autobahnen

Solche Systeme sollen künftig situationsbedingt Tempo 80 signalisieren

Solche Systeme sollen künftig situationsbedingt Tempo 80 signalisieren

Der Bund will auf 400 Autobahn-Kilometern ein Tempodrosselungssystem einführen. Solche Systeme sind komplex. Doch wie funktionieren sie genau? Und wie viel kosten sie? Der Konstrukteur des Systems beim Baregg gibt Auskunft.

Ein sogenanntes Tempodrosselungs-System misst zwei Indikatoren: Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge und die Verkehrsdichte. Erhoben werden diese Daten durch sogenannte Induktionsschlaufen - zwei Schlaufen im Boden, zwei Meter breit und ein Meter in Fahrtrichtung. Davon sind jeweils zwei nacheinander in einer Spur angebracht.

Beispielsweise sind auf der A1 beim Baregg solche Schlaufen von Mägenwil bis nach Dietikon im Boden verlegt. Alle 30 Sekunden liefern sie ihre Daten an einen zentralen Rechner, der seinerseits die Daten glättet und harmonisiert, um Spitzen herauszufiltern. «Sonst wäre das System und damit der Verkehr viel zu nervös», sagt Walter Steiner, Entwickler der Anlage beim Baregg und Geschäftsführer der Industrial Services in Zürich.

In Vier Stufen bis zum Stillstand

Aus diesen Daten speichert das System entsprechend dem Tag und Uhrzeit nun Erfahrungswerte, die ständig mit den aktuellen Messungen abgeglichen werden.

Das System hat vier Stufen, um zu reagieren: Die erste ist der uneingeschränkte Verkehr - das System reagiert nicht. Die zweite ist der dichte Verkehr, was etwa 40 Fahrzeuge verteilt auf drei Spuren innerhalb eines Kilometers entspricht, bei einer Geschwindigkeit um 120 km/h. Die dritte Stufe ist der zähflüssige Verkehr, was etwa 70 Fahrzeuge innerhalb eines Kilometers entspricht. Spätestens hier reagiert das System und drosselt die Geschwindigkeit. Die vierte und letzte Stufe steht dann für Stau, wobei die Geschwindigkeit unter 30 km/h fällt. «Die letzten beiden Stufen unterscheiden sich aber lediglich in Punkto Geschwindigkeit - die Dichte bleibt in etwa gleich», erklärt Steiner.

Verhältnismässig geringe Kosten

Bei modernen Anlagen erledigen das die Sensorik Radargeräte, die Induktionsschlaufen werden kaum mehr verbaut. Radargeräte sind billiger, müssen sie doch nicht mehr in die Fahrbahn verlegt werden.

So oder so sind die Kosten verhältnismässig gering: Auf einem Sechs-Streifen-Ausbau kostet die Sensorik 20‘000 bis 30‘000 Franken, im Ausnahmefall 50‘000 Franken. Pro Kilometer ist etwa eine Messstelle fällig. Hinzu kommt noch die Signalisation, das heisst die Stahlportale zu je 50‘000 bis 100‘000 Franken und die beleuchteten Wechseltafeln. «Alles in allem aber kann die Anschaffung sowie auch der Unterhalt eines solchen Geschwindigkeits-Regimes nicht losgelöst vom restlichen System berechnet werden», so Steiner.

Nur fünf Stunden pro Tag eingeschaltet

Aller Technik zum Trotz: die Anlage beim Baregg ist durchschnittlich nur fünf Stunden pro Tag eingeschaltet - in Ausnahmefällen sieben Stunden. Nichtsdestotrotz ist die Anzahl der Fahrzeuge, die von der Geschwindigkeitssenkung betroffen sind, ungleich hoch.

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