Polemik
So erklärte Mörgeli das Burnout-Syndrom

Natalie Rickli ist ausgebrannt – sie leidet unter dem Burnout-Syndrom. Was Mörgeli, die Partei und deren Exponenten seit Jahren von dieser Erkrankung halten, ist in den Archiven nachzulesen.

Stefan Schmidund und Werner de Schepper
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Christoph Mörgeli erklärt das Burnout-Syndrom

Christoph Mörgeli erklärt das Burnout-Syndrom

Keystone

Natalie Rickli ist ausgebrannt – sie leidet unter dem Burnout-Syndrom. Was ihre Partei und deren Exponenten seit Jahren von dieser Erkrankung halten, ist in den Archiven nachzulesen. Nationalrat Christoph Mörgeli erklärte am 7. Dezember 2006 in seiner «Weltwoche»-Kolumne unter dem Titel «Absentismus», was er vom Burnout-Syndrom hält: Null Bock werde zu Burnout, schrieb Mörgeli. Es ging um eine Schulleiterin, die wegen Sexualdelikten im Umfeld ihrer Schule krankgeschrieben wurde.

Dazu Mörgeli: «Solche Führungskräfte liebt man: Wenns drauf ankommt, bleibt man in der warmen Stube und lässt die anderen den Karren aus dem Dreck ziehen.» Mörgelis Häme hat System. Vier Jahre später lästerte der Zürcher SVP-Politiker im St. Galler Rheintal vor der SVP-Ortsgruppe Diepoldsau über das Burnout-Syndrom, «besser bekannt unter dem Namen FDP-Syndrom». Zur Erinnerung: 2004 legte der damalige FDP-Präsident Rolf Schweiger sein Amt als Parteichef nieder, weil er ausgebrannt war.

Psychisch krank gleich scheininvalid

Mörgeli polemisierte nicht im luftleeren Raum. Die SVP kritisierte psychisch Kranke jahrelang als «Scheininvalide». «Psychogene Erkrankungen und psychosomatische Beschwerden prägen heute die IV-Diagnosen», schrieb Nationalrat Toni Bortoluzzi am 9. Oktober 2003 in der «Neuen Zürcher Zeitung».

«Persönliche und soziale Probleme werden in medizinische Probleme umgedeutet und enden nicht selten in einer Berentung. «Internetsucht», «Schlafstörungen», «psychosoziale Depression», «Erschöpfungssyndrom», «erektile Dysfunktion», «Menopause», «Burnout-Syndrom» sind nur ein paar Beispiele dieser schrankenlosen Pathologisierung des Menschen.» Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» steht Bortoluzzi auch heute noch zu seiner damaligen Einschätzung. Burnout sei eine Form der Überforderung und keine Krankheit.

Damit bewegt er sich auf Parteilinie. «Neue Krankheitsbilder wie etwa Internetsucht, Übergewicht, Menopause, Reizdarmsyndrom, Schlafstörungen, Verstopfungen, Burnout-Syndrom, psychosoziale Depression, Tinnitus oder Vitaminmangel dienen als kaum überprüfbare Gründe für den Einstieg in die sogenannte Invalidität», hielt die SVP im April 2005 fest. Sie weigerte sich damals, zusätzliche Mittel für die defizitäre IV zu bewilligen, «damit Arbeitsscheue nicht weiterhin eine ruhige Kugel schieben können».